Zum Geleit Horst Haug Bürgermeister der Stadt Schwaigern

 

Viele Lazarfelder sind in den Nachkriegswirren bei uns in Schwaigern ansässig geworden. Buchstäblich Hab und Gut hatte man ihnen genommen und sie aus der Heimat verjagt. Doch Tüchtigkeit und Gemeinschaftssinn ließen sich die Lazarfelder nicht entreißen. Mit diesen Tugenden schufen sie sich vielmehr bei uns im Württembergischen Unterland eine neue Heimat sie legten Hand an, unterstützten sich gegenseitig, integrierten sich und sind längst durchweg geachtete Bürgerinnen und Bürger. Viele aus der ersten Zuwanderergeneration sind inzwischen verstorben und haben ihre letzte Ruhe in schwäbischer Erde gefunden. Gerne begleite ich mit diesen Zeilen die Auflistung von Sepp Schaff, Sprecher der Lazarfelder Ortsgemeinschaft. Er wohnt zwar in Wien, ist aber in Schwaigern aufgewachsen und demnach auch unser Landsmann. Wir schätzen ihn ob seines stetigen Einsatzes für die Pfingsttreffen in Schwaigern und wünschen ihm weiterhin gutes Gelingen zusammen mit seinen hiesigen Freunden. Diese Totenliste, die wir in unserem Standesamt gerne treuhändisch aufbewahren, dokumentiert Mehrfaches. Sie führt den Blick zurück in glückliche Jahre bis zum Kriegsausbruch, sie erinnert an Grausamkeiten und führt letztlich aber auch wieder den Beweis dafür, dass die Lazarfelder neu begannen und wieder glückliche Menschen werden durften.

 

Sie sind uns immer herzlich willkommen.

 

Horst Haug

Bürgermeister der Stadt Schwaigern

 

 

Vorwort des Verfassers vom zweiten Lazarfelder Heimatbuch!

 

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der rein deutschen Gemeinde Lazarfeld im Banat regte die Gemeindevorstehung im Jahre 1900 die Herausgabe einer Festschrift an. So verfasste der Schuldirektor a.D. Michael Eisler die erste Monographie unseres Heimatortes. Das Buch fand seinerzeit großen Anklang. Es beinhaltet wertvolles Quellenmaterial über die Ansiedlung und über die ersten 100 Jahre Lazarfelds. Die Sprache dieses Buches mutet den Leser der heutigen Generation etwas fremdartig an, deshalb erwies sich eine umfassende Neubearbeitung als zwingend notwendig. Um die damalige Festschrift positiv abzurunden, versah ich sie mit ergänzenden Beiträgen. Der erste Teil meines Buches schildert die Besiedelung Südungarns im Allgemeinen; er ist von mir vollkommen neu gestaltet und beansprucht einen breiten gemeinen Raum. Vielleicht wird mancher Leser fragen, was die allgemeine Ansiedlungsgeschichte im Heimatbuch eines einzelnen Ortes zu suchen habe. Sollte es vielmehr nicht nur die Vergangenheit, den Aufstieg und den Untergang Lazafelds sowie den Schicksalsweg unserer Menschen schildern? Wenn wir aber bedenken, dass die meisten von uns nicht wissen, wann und woher ihre Ahnen einst aus dem Mutterland in das Banat und in die Batschka zogen, so scheint ein längeres Verweilen bei der Ansiedlungsgeschichte durchaus berechtigt, gibt doch dieser Teil Auskunft darüber. Er verhindert so bei unseren Nachkommen ein weiteres Vergessen. Der geneigte Leser erfährt in diesem Buch nicht nur Daten über die Siedlungszeit und Siedlerzahl der Primär - oder Erstsiedlung, sondern er erhält auch Informationen über die Herkunftsorte der Einwanderer. Stets verfolgte der Verfasser das Ziel, Siedlungsgeschichte unserer Ahnen sowie 150-jährige Geschichte Lazarfelds parallel mit der Geschichte der Habsburger Monarchie bzw. Jugoslawiens zu schildern. Als Pächtergemeinde wurde Lazarfeld im Jahre 1800 gegründet. Diesem Zeitabschnitt widmete ich ein besonderes Kapitel. Geschichtsereignisse chronologisch aufzuzählen und aneinanderzureihen, genügte mir nicht; denn ein Heimatbuch kann ja erst seinen Zweck erfüllen, wenn darin auch unser Leben, Wirken, Werken; unsere Sitten, Bräuche und Feste zu Feiern, aufgezeigt sind. Ferner berichtet das Buch über die an unserem Volke verübte blutigen Gräueltaten, über Enteignung und Vertreibung, über die Verschleppung nach Russland, über die Massenvernichtung in den Lagern und über die Erschießung unterer jungen Männer. Diese Opfer sei durch dieses Lazarfelder Heimatbuch ein ehrendes Denkmal gesetzt.

Bald werden auch jene Lazafelder, die zur völkischen Entwicklung und zum wirtschaftlichen Aufstieg unserer Heimatgemeinde wesentlich beigetragen haben, nicht mehr unter den Lebenden sein. Lebensart und Lebenshaltung sollen ihren Söhnen und Töchter in der Wahlheimat als Vorbild dienen; auch für sie schrieb der Verfasser dieses Buch.

Das darin Zusammengetragene möge auch Enkel und Urenkel in stillen Stunden zum Nachdenken anregen. Obzwar ich das letzte Drittel der 150 - jährigen Geschichte unseres Heimatortes miterlebte, wäre ohne Mithilfe einiger Landsleute nicht in der Lage gewesen, über die letzten Jahre so ausführlich zu berichten. Noch im Linzer Lager stellte auf meine Anregung hin die Landsleute Michael Bohn H.Nr.79b. und Peter Mayer H.Nr.146 eine Namensliste der Lazarfelder auf, die dann Notar Johann Meng ergänzte. Weitere Unterlagen stellte der gewesene Notar Franz Schneider, Peter Bohn H.Nr.84, Michael Schneider H.Nr.172, zur Verfügung. Direktorlehrer Josef Unterreiner lieferte wertvolle Beiträge über das Schulwesen und über die Sitten und Bräuche unseres Heimatortes. Ost. Direktor Johann Dormuth „Sein Großvater stammt aus Lazarfeld“ überließ mir einige Daten der Banater Geschichte. Für die mundartlichen Erörterungen zeichnet Prof. Dr. Ladislaus Weifert verantwortlich. In der reichen Schatztruhe ihrer Erinnerungen kramte Josef Klötzl H.Nr.15, Josef Dekreon H.Nr.163, Lorenz Menches H.Nr.14, meine Frau und mein Bruder Wenzel Lang H.Nr.66, und lieferten so wertvolle Hinweise über längst Vergangenes in Lazarfeld. Letzterer stellte in Mühevoller Kleinarbeit die Namenslisten zusammen. Die Organisation der Buchbestellungen übernahm in Österreich Josef Schaff H.Nr166 und Adam Neidenbach H.Nr.19 und in Deutschland Lorenz Menches H.Nr.14. Allen Mitarbeiter „damit das Heimatbuch Wirklichkeit werden konnte“, verzichtet sie ebenso wie ich auf jegliches Entgelt und Spesenvergütung. Allen die mir Bilder zur Verfügung gestellt haben, allen Geldspenden - sie wollen ungenannt bleiben - sei hiermit herzlich gedankt. Vor rund 250 Jahren waren unsere Vorfahren aus vielen Gauen Deutschlands aufgebrochen, um im Banat und in der Batschka eine neue Heimat zu finden. Die österreichischen Kaiser hatten sie gerufen, um Bollwerk des Christentums gegen das Heidentum, um Kulturträger des Abendlandes gegen die fremde Welt des Ostens zu sein. Nach mehr als 200-jähriger Aufbauarbeit büßten wir durch den Ansturm aus dem Osten unsere Heimat, unsere Austreiber aber ihre Freiheit ein. Unser Volk, in aller Welt zerstreut, passte sich durch seinen überlieferten Pioniergeist aus der Siedlerzeit den gegebenen Verhältnissen rasch an und stellte seine Tüchtigkeit auch in der neuen Wahlheimat abermals unter Beweis.

Dass das vorliegende Heimatbuch Wissen vermittle und in besinnlichen Stunden auch Freude bereiten möge, das wünscht Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser Ihr Landsmann

 

Lorenz Lang

Hauptlehrer a. D.

München, den 28. August 1972

(Tag des Lazarfelder Kirchweihfestes)

 

 

 

 

L A Z A R F E L D E R     C H R O N I K

 

VON DEN ANSIEDLUNGEN SÜDUNGARNS IM ALLGEMEINEN

 

Der Türke unterwirft Ungarn

 

Die Türken kamen als Eroberer und als Fanatische Feinde des Christentums nach Europa. Ihrem wilden Glaubenseifer und Kampfgeist konnte das in kleine Staaten zersplitterte Europa, besonders auf dem Balkan, kaum Widerstand leisten. Nach dem Sieg der Türken über die Serben 1389 und 1443 über die Ungarn auf der Amselfelder Talebene, serbisch Kossowo Polje, in Altserbien, musste Ungarn den Schutz Mitteleuropas übernehmen. Es wehrte sich verzweifelt jahrzehntelang gegen die wilden Eroberer. Uneinig, wie das Land damals war und durch die Bauernaufstände geschwächt, hatte es allein nicht die Kraft, die Gefahr zu Bannen. „Mein Land, einmal das mächtigste Bollwerk des Christentums“ so schrieb tief erschüttert König Ludwig II. An den Papst Klemens 8. Im Jahre 1526 „liegt jetzt brach und zerrüttet. Ich bin auf das Schlimmste gefasst.“ Inder Schlacht bei Mochatsch am 29. August 1526 siegten die Türken. Der ungarische König Ludwig II., der Erzbischof von Kalotscha, sieben Prälaten, 28 Magnaten, 500 Edelleute und viele andere Würdenträger des ungarischen Staates und 22000 Mann blieben auf dem Schlachtfeld. Vor der Türkenherrschaft lebten in den Städten Ungarns deutsche Handwerker und Kaufleute. Auch sie haben in der ganzen Zeit der Türkenbedrängnis ihre Pflicht in der Verteidigung des Landes erfüllt und reichlich Opfer an Gut und Blut gebracht. Für die Schlacht bei Mochatsch stellte das damals noch rein deutsche Ödenburg 100 Soldaten und zwei Kanonen. Nach der ungarischen Niederlage bei Mochatsch hinderte die Türken nichts mehr an der Besitzergreifung Ungarns. Auch die Festung Großbetschkerek am 25.09.1551 und Temeschwar am 27.07.1552 werden von den Türken erobert. Das Land war in der mehr als 150 Jahre andauernden Türkenherrschaft der Verwilderung preisgegeben. Die Christen waren rechtlos, viele wurden in die Sklaverei verschleppt. Gesunde Christenkinder wurden in der Türkei zu fanatischen und tapferen Kämpfern, Janitscharen, erzogen. Um das Leben zu retten, gab man Besitz und Heimat auf und flüchtete vor den Türken nach Norden oder Westen. Die zurückgebliebenen, rechtlosen Christen mussten im Türkenreich verwildern, und das entvölkerte Land verfiel und verkam.

 

Ungarn wird von der Türkenherrschaft befreit

 

Als Ludwig II. In der Schlacht bei Mochatsch fiel, ging die Krone Ungarns auf das Haus Habsburg über. Der Nachfolger Ludwigs II. Wurde sein Schwager Ferdinand von Habsburg. Da die Habsburger damals auch deutsche Kaiser waren, wurde das zukünftige Schicksal Ungarns engstes mit dem Schicksal Deutschlands bzw. Österreichs verbunden. Reformation und der Dreißigjährige Krieg in Deutschland machten ein erfolgreiches Vorgehen gegen die Türken unmöglich. Nur ein weiteres Vorgehen der Türken konnte abgewehrt werden. Die Belagerung Wiens im Jahre 1683 durch die Türken bedeutet den letzten Höhepunkt der türkischen Gefahr. Der Ausspruch Kara Mustaphas, des an der Spitze von 200000 Türken stehenden türkischen Oberbefehlshabers: „Ich mache Wien zur Türkenstadt. Sankt Stephan zur Moschee“, zeigt das Vorhaben der Türken und die Gefahr für Europa und die Christenheit. Es gelang jedoch dem Ersatzheer des Kaisers, das durch Reichstruppen, bayrische und polnische Verbände , verstärkt war, unter dem Oberbefehl des kaiserlichen Feldherrn Herzog Karl von Lothringen die Türken am Kahlenberg in der Sonntagsschlacht am 12. September 1683 zu schlagen und Wien zu befreien. Der Kaiser entschließt sich jetzt, die Türken aus Europa zu verdrängen und die christlichen Völker Ungarns und des Balkans zu befreien. Fähige deutsche Feldherren helfen dem Kaiser dieses Befreiungswerk zu vollbringen. Soldaten aller deutschen Stämme werden von Herzog Karl von Lothringen, der den Beinamen „Eroberer von Ungarn“ erhält, bei Ofen 1686, bei Mohatsch, Zombor und Batsch zu glänzenden Siegen über die Türken geführt. Weitere erfolgreiche Siege über die Türken führte Max Emanuel von Bayern bei Belgrad 1688, Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden, genannt der „Türkenlous“ bei Slankemen 1691, und vor allem der unvergesslich große Sieger Prinz Eugen, der „edle Ritter“, bei Zenta 11.09 1697. Der Frieden von Karlovic 1699 galt auf 25 Jahre. Das Temescher Banat verblieb weiterhin unter türkischer Herrschaft, die Batschka kam an den Kaiser bzw. an Ungarn. Erst nach der Niederschlagung des Aufstandes des Fürsten Rakocy II. mit dem Frieden von Sathmar 1711 konnte der Kaiser wieder Siege über die Türken. Großbetschkerek wurde im selben Jahr ohne Kampf übergeben. Es bedurfte also eines 33 Jährigen, allerdings öfter unterbrochenen Befreiungskrieges, um ganz Ungarn von den Türken zu säubern. Diesen Krieg führten der deutsche Kaiser und die deutschen Reichsfürsten, und man findet auf dem Boden Ungarns, Jugoslawiens und Rumäniens heute die Gräber von mehr als dreißig deutschen Fürsten, die im Kampfe für die Befreiung Ungarns fielen. Und viele tausend unbekannter Soldaten aller deutschen Stämme musste ihr Blut lassen, damit Ungarn wieder frei und christlich europäischen Kultur zugänglich werde. Die Ungarn waren auch jetzt wieder uneinig, ein Teil unter Rakoczy und Tököly widersetzten sich den Habsburgern und ihren Befreiungsherren und kämpften zusammen mit den Türken, ein anderer Teil aber ging mit dem Kaiser, der ja auch ungarischer König war. Es sind mindestens so viele Deutsche als Soldaten in den Kämpfen mit den Türken um die Befreiung Ungarns gefallen, wie sich später Deutsche Ansiedler in Südungarn niederließen. Um nur ein Beispiel anzuführen, opferte allein Bayern in den Feldzügen gegen die Türken 30000 Söhne und zahlte dem Kaiser 15 Millionen Gulden. Erst nach dem Frieden von Passarowitz am 21. Juli 1718 kamen das Banat und die südlich gelegenen Gebiete an Österreich.

 

Die Einwanderung der Serben

 

Um den Balkan von den Türken zu befreien, drangen im Jahre 1689 die kaiserlichen Heere in Albanien und Macedonien (Illyricum) ein. Die dort lebenden Serben und Albanesen erhoben sich ebenfalls gegen die Türken. Durch die erfolgreichen Kämpfe ermutigt, erließ am 6. April 1690 Kaiser Leopold einen Aufruf an die Serben in dem er ihnen versprach, ihre Freiheit und alten Rechte zu gewähren, wenn sie sich den kaiserlichen Truppen anschließen. Die Misserfolge im Kampf gegen die Türken in Bosnien zwangen die Serben im Jahre 1690 ihre Heimat Amselfeld und Metochia zu verlassen. Um der Rache der Türken zu entgehen, flohen sie unter Anführung ihres Ipeker Patriarchen Arsenije Tscharnojewitsch zur Donau und Save. Kaiser Leopold I. gestattete ihnen den Übertritt auf kaiserliches Gebiet, gewährte ihnen Glaubensfreiheit und Rechte und Schutz auf die Erhaltung ihres Volkstums und ihre Kirche. Sie kamen als Flüchtlinge und behielten sich urkundlich das Recht auf eine Rückkehr in ihre alte Heimat vor, sobald diese von den Türken befreit werde. Unter dem Schutz des Kaisers ergossen sich die Serben über das ganze menschenleere, von den Türken befreite Südungarn und nahmen die besten und schönsten Gebiete in Besitz. Sie besiedelten Srem, (Syrmien) Slawonien, die Batschka. Einige Familien besuchten ihre in Betschkerek, Betsche und an der Donau entlang lebenden Artverwandten, die unter Anführung des Despoten (Reichsgrafen) Djuradj Brankowitsch (1367 - 1456) vor den Türken bereits im 15 Jahrhundert nach Südungarn flüchteten, ließen sich nieder und gründeten dort mit diesen gemeinsam serbische Niederlassungen. In dieser Zeit ließen sich auch die von Tscharnojewitsch angeführten Serben in Senta, Alt- und Neubetsche, Werschetz usw. nieder und gründeten serbische Siedlungen. Aus diesen Anführungen ist ersichtlich, dass die meisten Serben „unsere Austreiber“ auch erst während und nach den Befreiungskriegen von der Türkenherrschaft in das Banat kamen.

 

Banat nach der Türkenherrschaft

 

Nach der Befreiung von den Türken sah es im Banat, (genannt Temescher Banat) worunter die gewesenen Komitate Torontal, Temesch Krascho Sörenj, zwischen Marosch und Theiß, Donau und Karpaten zu verstehen sind, sehr traurig aus. Viele vorher blühende Ortschaften wurden von den Türken gänzlich verwüstet, ja sogar ihr Name verschwand. Andere Gemeinden lagen in Schutt und Asche. Nach der Türkenvertreibung waren im Tschanader, Betschkereker und Pantschowarer Bezirk 104 Ortschaften ganz verödet, 51 nur teilweise bewohnt und in der ganzen Tschanater Diözese gab es nur fünf katholische Pfarreien und zwar in Mako, Altarad, Festung Arad Borosjenö und Orawiza. Vor dem Türkenkrieg Bestanden in der Tschanader Diözese 139 katholischen Pfarreien. Diese Zahlen zeigen uns am Deutlichsten die schreckliche Verwüstung der 164 jährigen Türkenherrschaft. Die zurückeroberten Städte boten ein trostloses Bild, außer einigen aus Stein gebauten Moscheen gab es in den unregelmäßigen Straßen nur vernachlässigte Häuser, Schmutz und dreckige Tümpel. Ungeheure Sümpfe und Moräste bedecken die früheren, fruchtbaren Fluren des Banats, die besten Brutstätten für unzählige Insekten und Amphibien, die Gesundheit von Mensch und Tier gefährdeten. Verschiedene Raubtiere hausten ungestört in den an Umfang zugenommenen Waldungen und Gestrüppen. Das faule Sumpfgewässer entwickelte und beherbergte solche Stechmücken, die Menschen Tag und Nacht quälten. Kein fröhlicher Vogelgesang erfreute das Herz der Menschen; dafür aber war das Krächzen der Raben, Krähen und Elster mit Abwechslung des nächtlichen Weherufes der Eule ein immerwährender Ohrenschmaus. Traurig und trostlos waren die Heute gesegneten Fluren unserer gewesenen Heimat, giftig waren Wasser und Luft und durch beide verdorben die Erde. Die wenigen, noch teilweise bevölkerten Ortschaften waren größtenteils von den Serben und Rumänen bewohnt. Sie betrieben überwiegend nur Weide - und Viehwirtschaft und zeigten wenig Neigung für ihre Landwirtschaft. Auf der Suche nach günstigeren Weiden für die Schafherden zogen viele von ihnen ohne festen Wohnsitz umher. Daher gab es damals größere Raubhorden, die Häuser friedlicher Bewohner plünderten, oft auch in Brand steckten. Die Horden überfielen die Reisenden auf offener Straße und dabei konnten die Überfallenen noch von Glück sprechen, wenn sie bloß ihres Geldes beraubt wurden. Diese Räuberbanden hatten je einen Anführer, den sie wie man noch heute einen verwegenen, schlechten Menschen bezeichnet „Harampascha“ nannten. Wie sehr die Verwilderung überhand genommen hatte und die Sicherheit des Lebens und des Eigentums in jener Zeit gefährdet war, beweist wohl die Tatsache, dass im Jahre 1718 in Temeschwar allein 14 Hinrichtungen stattfanden. Jedes Ehrgefühl, jeder Begriff von Recht und Eigentum war, besonders bei den Rumänen, auch in der folgenden Zeit unbekannt. Trotzdem die in die Hände der Behörden gefallenen Räuber und Mordbrenner mit schrecklichen Strafen sowie das Reißen mit glühenden Zangen, Rad und Galgen belegt wurden, gelang es der Regierung erst nach jahrelanger Strenge einigermaßen Ordnung und Gesetzmäßigkeit herzustellen.

 

Das Einrichtungswerk für die befreiten Gebiete Südungarns

 

Noch im Verlauf des Befreiungskrieges begann eine „Neoaquistische Kommission“ auf Geheiß des Kaisers ein groß angelegtes Einrichtungswerk der befreiten Länder. An der Spitze dieser Kommission stand der Wiener Erzbischof Kardinal Leopold Kolonitsch. Die Kommission musste sich vor allem einen Überblick über den Zustand des befreiten Landes verschaffen. Eine große Bestandsaufnahme deckte die trostlose Verwahrlosung und Verwilderung des Landes auf. Unter den Maßnahmen für den Wiederaufbau des Landes wurde die Ansiedlung als vordringlich erkannt. Zuerst musste festgestellt werden, welche Teile des Landes noch einen rechtmäßigen Herrn und Besitzer hatten, und welche herrenlosen Güter waren. Jeder, der jetzt nach der Befreiung Landbesitz in Ungarn in Anspruch nehmen wollte, musste zuerst seinen Rechtstitel nachweisen. Alle Güter und Ländereien, auf die von Familien und Personen urkundlich kein Rechtsanspruch erhoben werden konnte, gingen in den Besitz des Staates über. Über sie verfügte fortan der Kaiser. Verwaltung dieser Staatsgüter wurde die Hofkammer beauftragt, die alle Maßnahmen zur Bewirtschaftung und Verwaltung dieser Güter zu treffen hatte. Einen großen Teil dieser Ländereien hat der Kaiser an erfolgreiche Heerführer und treue und verdiente Adelige verschenkt oder verkauft. Trotz dieser großzügigen Vergebung von Landbesitz blieb in der Hand des Staates noch umfangreicher Grundbesitz, besonders in der Batschka, und nach dem zweiten Türkenkrieg im Banat. Als Kameralgüter wurden diese Ländereien unter der Bezeichnung Praedien oder Pußten von der österreichischen Hofkammer in Wien verwaltet. Praedien waren die noch teilweise bewohnten Ländereien Dörfer, Pußten waren Leerstehende, nur als Viehweiden verwendete Güter. Andere verstehen unter Praedien und Pußten dasselbe, d.h. verödete Orte, doch können noch bewohnte Reste vorhanden sein. Aus dieser Zeit 1723 - 25 stammt die bekannte Graf Mercy Landkarte von Südungarn, auf der genau die Praedien und Pußten Vermerkt sind. Aus einem Ausweis aus dem Jahre 1724 geht hervor, dass in den Bezirken Tschanat 10, Pantschowa 20 und Großbetschkerek 16 brachliegende leere Praedien vermerkt sind.

 

Ziel und Zweck der Ansiedlung der Deutschen

 

Aus allem geht hervor, dass dieses verwahrloste Gebiet, aber von der Natur jedoch reich gesegnet, in Ordnung gebracht werden musste und um es für die Kultur zu gewinnen, ein schöpferischer Geist vonnöten war. Den richtigen Mann hierzu erkannte Prinz Eugen, der edle Ritter genannt, in der Person des Grafen Klaudius Florimond Mercy, Graf Klaudius Florimond Mercy von Argenenau, General der Kavallerie, geboren 1666, trat in kaiserliche Dienste, zeichnete sich im Kriege gegen die Türken hervorragend aus und starb als Feldmarschall in der Schlacht bei Parma in Italien am 29. Juni 1734. Prinz Eugen von Savoyen. Geboren zu Paris am 18. Oktober 1663, hatte von Jugend auf besondere Neigung für den Soldatenstand; weil er aber von schwächlichem Körperbau und unansehnlicher Gestalt war, sollte er sich dem geistigen Stand widmen, er wurde allgemein nur der kleine Abbe genannt. Als er um Aufnahme in die Armee bat, wies man ihn barsch ab, worauf er Frankreich den Rücken kehrte und in den österreichischen Militärdienst eintrat, wo er sich durch verschiedene Waffentaten bald derart auszeichnete, dass er mit dreißig Jahren zum Feldmarschall und 1688 zum Feldmarschall - Leutnant ernannt, als solcher an der Erstürmung Belgrads teilnahm. Noch heute lebt unter dem Volke das hierauf bezügliche „Prinz Eugenlied“, das 1718 ein bayerischer Soldat verfasste. Der unvergessliche Sieger von Senta starb, 72 Jahre alt, am 21. April 1736 in Wien als Konferenzminister, Hofkriegsratspräsident, Generalissimus des Kaisers und des Reiches und wurde dort im Stefansdom beigesetzt. Wie schon erwähnt, wurde am 21. Juli 1718 der Friede zu Passarowitz mit der Pforte Türkei und dem Kaiser feierlich unterzeichnet. Das ist der Zeitpunkt der geistigen und materiellen Wiedergeburt des Banats. Prinz Eugen von Savoyen war der Kriegsheld, Klaudius Mercy dagegen der Friedensheld Südungarns. Prinz Eugen war der festen Überzeugung, dass nur ein Mann wie Mercy im Stand sei, das arg verwüstete und entvölkerte Gebiet von Südungarn wieder auf die Stufe der Ergiebigkeit zu bringen, weshalb er dessen Ernennung zum Gouverneur - Statthalter - veranlasste. Es war fürwahr der Geist Mercy nötig, um das Land, dessen künftige Vortrefflichkeit unter dem Schutte der Zerstörung kaum zu ahnen war, in kurzer Zeit so umzugestalten, wie dies unter der genialen Wirksamkeit Mercys der Fall war. Er gründete die Landeseinrichtungskommission und teilte das Temescher Banat in 4 Distrikte ein, ließ dasselbe vermessen und beschloss, die brachliegenden, mit Sumpf, Schilf oder Wald, Gestrüpp bedeckten, unbevölkerten Teile durch Kolonisation in fruchtbares Ackerland umzugestalten. Dazu brauchte man leistungsstarke, ausdauernde Menschen, die durch Fleiß und Zähigkeit das Land wieder urbar machen sollten. Und man fand sie. Es waren unsere Vorfahren. Wie sich später erwies, fanden viele Generationen den Tot, bis aus dem Banat ein wahres Paradies wurde. Es war hauptsächlich das Werk deutscher Kolonisten. Nach Kaiser Ferdinand III. (1637 - 1757), er beendet 1648 den 30 - Jährigen Krieg, folgte Kaiser Leopold I. (1658 - 1705) und der Kaiser Josef I. (1705 - 1711) auf den Thron. Unter ihrer Regierungszeit wurden die Befreiungskriege gegen die Türken geführt. Kaiser und König Karl 6. für Ungarn der III. welcher von 1721 - 1740 regierte, seine Tochter Maria Theresia (1740 - 1780) und deren Sohn Joseph II, (1780 – 1890) haben aus den westlichen Teilen ihres Reiches in drei Wellen Siedler ins Land gebracht. Nach dem jeweiligen Herrscher wurden die drei Hauptansiedlungswellen benannt: die Karolingische, die Therisianische und die Josephinische Welle.

 

Die Ursachen der Auswanderung unserer Ahnen, sowie die Auswanderung der Serben

 

Die Enge des Raumes hat bei eintretender Übervölkerung, 100 Jahre nach dem 30 - Jährigen Krieg, und bei auftauchender wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit jeher die Auswanderung der Deutschen verursacht. Der Druck und die Willkür der Landesherrn, ihre Ausbeutungssucht sowie die politische Rechtlosigkeit der Bauern in den zahlreichen Zwergstaaten im Süden und Westen Deutschlands, dann das Anwachsen der Bevölkerung in diesen Gebieten waren die Triebfedern, die unsere Vorfahren zu dem jedenfalls nicht leichten Entschluss zur Auswanderung veranlassten. Waren auf der einen Seite die angeführten Ursachen den Auswanderern bekannt und gehasst, so musste auf der anderen Seite der Aufruf des Kaisers mit seinen Begünstigungen eine mächtige Anziehungskraft auf die unterdrückten Bauern ausüben. Boden war zu erhalten erblich und ohne Zahlung, so man sich nur tüchtig bewährt. Untüchtige wurden wieder abgeschoben. Die ersten Kolonisten mussten ihre Häuser selbst bauen, Inventar selbst kaufen und hatten dafür 3 - 4, später 5 - 6 Freijahre ohne Abgaben und Roboten. Zwischen der Einwanderung der Deutschen und der Serben nach Südungarn herrschte ein wesentlicher Unterschied. Die Serben kamen zuerst als Volk auf der Flucht im 14 Jh. Später im 17 Jh. aber als Gemeinschaft, mit ihrem geistlichen Oberhaupt, dem Patriarchen an der Spitze, der sogar die Gebeine des großen Königs Nemanja mit sich führte, und sie erbaten vom Kaiser nur vorübergehendes Asyl in Ungarn, um dann später, nach der Vertreibung der Türken, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. Den Serben drohte damals die Gefahr, dass viele Menschen von den Türken getötet werden. Sie wussten, dass ihr Leben nur von der Gesinnung des Kaisers, der nördlich der Donau und der Save herrschte, abhing, und sie bauten auf seine menschenfreundliche Gesinnung. Daher baten sie, die Flüchtlinge, um die Rettung ihres Lebens. Kaiser Leopold I., seine Soldaten und die Bevölkerung hatten nicht nur Mitleid mit diesen unschuldigen Menschen und gewährten Asyl, sondern sie stellten ihnen ganze Provinzen zur Verfügung. So kamen die Serben 1690 in die Batschka, nach Srem und in das Banat, das nach 1918 in Jugoslawien die Wojwodina genannt wurde. Noch heute sind jene serbischen Dörfer, jene serbischen Städte die in dieser Zeit angelegt und erbaut wurden sowie jeder serbische Mensch, der von jenen serbischen Flüchtlingen abstammt, in der Wojwodina Zeuge dieser menschlichen Gesinnung des deutschen Volkes. Denn nur diese haben jene Menschen vor der Vernichtung bewahrt, und zwar dadurch, dass der deutsche Kaiser die serbischen Flüchtlinge vor der Rache der Türken schützte, und dass das deutsche Volk, vertreten durch Beamte, Handwerker und Baumeister, dem serbischen Volk beim Aufbau seiner Häuser, Schulen, Kirchen, Dörfer und Städte half. Seitdem die serbischen Flüchtlinge in die Wojwodina (Banat, Batschka und Syrmien) kamen, hat sich ihre Zahl verzehnfacht. Aus den sechzigtausend (nach Angaben der „Matica Srpska“ in Neusatz) leidgeprüften, heimatlosen Menschen sind bis 1918 eine halbe Million wohlhabender Bürger geworden. Das Gebiet, in das die einst als Flüchtlinge kamen, haben sie zu ihrer Heimat gemacht und 1918 an ihren Staat Jugoslawien angeschlossen. Der deutsche Kolonist wollte nicht nur vorübergehend in Südungarn angesiedelt werden. Er wollte hier ständig bleiben und eine neue Heimat für Kinder und Nachkommen aufbauen. Der Kaiser verhieß ihm seinen Schutz auf ewige Zeiten. Sie blieben ja unter der Herrschaft des Römischen Reiches Deutscher Nation, in dem sie auch bisher schon gelebt hatten, Nur ihren unmittelbaren Landesherrn verloren sie, dem sie aber meistens nicht sonderlich nachtrauerten, da er ihrem Leben oft nur Bedrückung und Benachteiligung bedeutet hatte.

 

Deutsche kommen in das Banat. Die Karolinische bzw. Mercy’sche Ansiedlung

 

Die Einwanderung der Deutschen kam nach den Türkenkriegen und unmittelbar im Anschluss an die Befreiung des Banats, hauptsächlich durch den Aufbau der Städte in Gang. Die völlig zerstörten und verwahrlosten Städte des befreiten Ungarn boten reiche Arbeitsmöglichkeiten für arbeitswillige Menschen. Der baldige Aufbau der Städte war eine wichtige militärische Forderung, da doch die Städte die einzigen wirtschaftlichen und militärischen Stützpunkte darstellten, die eine Behauptung des befreiten Landes erst ermöglichten. Die Niederlassung von deutschen Bürgern, Handwerkern und Bauern in den Städten war deshalb gern gesehen und mit allen Mitteln angeregt und gefördert. Die ersten deutschen Ansiedler in den Städten waren aber nicht nur ausgediente Soldaten. Es waren unter ihnen auch zahlreiche Begleitpersonen der Befreiungsheere und bereits zahlreiche wirkliche Einwanderer, angelockt von den Nachrichten über günstige Arbeitsmöglichkeiten. In dieser Zeit ließen sich auch wenige griechische Handelsleute im Banat nieder. Das ungarische einheimische Bauerntum im Nordbanat war zahlenmäßig zu schwach, das Aufbauwerk des Landes aus eigener Kraft durchführen zu können, zudem befand es sich in Leibeigenschaft. Die Serben und Rumänen waren damals noch keine Handwerker oder Bauern, sie betrieben überwiegend Handel, Weide - und Viehwirtschaft, hauptsächlich Schafzucht. Als geschichtliche Tatsache muss festgehalten werden, dass bei der Verwendung zu Ansiedlungszwecken unter den sich meldenden und zur Verfügung stehenden Angehörigkeit verschiedener Völker und Nationalitäten keinerlei Unterschied gemacht und keine Bevorzugung vorgenommen wurde. So wurden katholische Deutsche aus dem Reich gebracht, nebst diesen aber auch Franzosen, Spanier und Italiener angesiedelt. Mit diesen Ansiedlern wurden neue Ortschaften gegründet, oder aber sie wurden in den schwach bevölkerten Gemeinden ansässig gemacht. Solche von Mercy neu angelegte Ortschaften im Banat, die später vergrößert wurden, waren: Weißkirchen 1717 etwa 60 Häuser mit Deutschen aus der Ofener Umgebung, später Deutsche aus Lothringen; Sankt Peter 1724 - 1728 mit Deutschen; Neu - Bessenova 1724 - 1748 mit Deutschen, 1758 - 1760 mit Ungarn und 1770 mit Franzosen; Neupetsch zwischen 1720 und 1760 mit Deutschen vom Rhein und Moselgebiet; Detta 1724 und 1763 mit Deutschen und 1763 mit 210 Familien aus Württemberg und Elsaß-Lothringen; Brukkenau 1724 etwa 40 - 50 Häuser mit Deutschen und 1764 mit 92 deutschen Ansiedler aus Elsaß-Lothringen; Gutenbrunn 1720 - 1723 mit Deutschen, 1762 - 1764 etwa 148 Häuser mit Deutschen, Kudritz 1719 als erster Ansiedler Johann Tetz Deutscher aus Elsaß mit seiner Verwandtschaft, zwischen 1720 und 1730 weitere deutsche Ansiedler aus Elsaß-Lothringen, 1763 weiter fünf deutsche Familien. Das den Namen des Stifters tragende Mercydorf erhielt als Einwohner 1723 - 1725 Spanier und Italiener, 1733 - 1736 kamen neue 119 italienische Familien und 21 ledige Italiener, sie waren für die Einführung des Reisbaues und der Seidenraupenzucht angesiedelt worden. Die Spanier kamen im Frühjahr 1736 und brachten ihren Pfarrer Mugnos Josef mit. Weder die Italiener noch die Spanier konnten das ungesunde Klima vertragen und gingen alsbald zugrunde. 1752 kam die erste, 1768 1769 die zweite und 1770 die dritte französisch-lothringische Ansiedlung, besiedelten die ersten Deutschen und 1784 - 1786 mit 32 Häusern weitere deutsche Ansiedler den Ort Großbetschkerek, denn, wie schon erwähnt, blieb das „Temescher Banat“ nach dem Frieden zu Karlowitz 1699 unter der Türkenherrschaft. Laut Friedensvertrag waren die Türken verpflichtet, alle Festungen auf diesem Gebiete abzutragen und durften keine neuen errichten. So wurde die schon sehr baufällige Großbetschkereker Festung 1701 zerstört. Herzog Alexander von Württemberg zog ohne Widerstand 1717 mit seiner Truppe, nach 166 jährigen Herrschaft des Halbmondes, in die befreite Stadt ein. Vor dem Türkenkrieg zählte Großbetschkerek 5000 - 6000 Einwohner. Nach der Türkenbefreiung standen noch etwa 100 Häuser, in denen 500 - 600 Serben lebten. Um die Stadt breitete sich ein großer See aus, der von dem Wasser der Temesch und Bega (weil die Bega in dieser Zeit noch völlig versumpft war) gespeist wurde. Das Wasser verbreitete ungesunde Luft und ansteckende Krankheiten. Eine der ersten Aufgaben, die sich Graf Mercy stellte, war die Trockenlegung der Sümpfe durch den Bau des Begakanals. Daher beauftragte er schon im April des Jahres 1723 Leutnant Ing. Kayser, den Plan in Angriff zu nehmen. Aber erst nach der Trockenlegung der Sümpfe durch den Niederländer Michael Fremaut 1759, wurde Großbetschkerek für die Kolonisten anziehender. Gleich nach der Befreiung von den Türken 1717 ließ sich ein Teil serbischer Siedler, die unter Anführung des Patriarchen Arsenije Tscharnojewitsch in die Batschka kamen, in Großbetschkerek nieder. Im Jahre 1728 - nach einer anderen Quellenangabe 1736 - kamen Spanier, die den Ort Neu-Barcelona nannten. Die Benennung ging mit den Eingewanderten wieder verloren. Die Spanier konnten die gesundheitsschädlichen Ausdünstungen nicht ertragen und fielen ihnen zum Opfer oder sie wanderten zurück. Nach drei Jahren blieben nur noch 50 spanische Waisenkinder in der Stadt. Die im Jahre 1724 angesiedelten Deutschen zogen nach Tschakowa. Im September 1737 trafen 30 deutsche Familien aus dem Rheinland in Großbetschkerek ein. Von der Zweibrücker Gegend wurden 1745, also in der frühtheresianischen Zeit, insgesamt 2988 deutsche Familien im Banat angesiedelt, davon wurden der Stadt Großbetschkerek 36 Familien zugeteilt. Nach der Auflösung der Militärgrenze Marosch - Theiß 1751 zogen 2400 serbische Familien nach Süden in das Gebiet der Temesch. Von denen ließen sich auch welche in Großbetschkerek nieder. 1752 kamen von Lothringen Deutsche in die Stadt. Wegen des ungesunden Klimas bekam aber Großbetschkerek 1764 nur vier deutsche Familien zugeteilt. Aus der Baranja ließen sich 1768 einige ungarische Familien nieder. Ende des 18. Jahrhunderts brachten verschiedene Grundbesitzer ungarische und slowakische Tabakpflanzer aus der Umgebung Szegedins und Bekes nach Großbetschkerek. Diese, teils neu angelegten, teils nur erweiterten Ortschaften wurden später, in der Zeit von 1762 - 1784, durch Zubauten abermals vergrößert. Mercys Bestreben war jedoch nicht allein der Hebung der Bodenkultur gewidmet, auch Straßenbau, Handel und Industrie vergaß er nicht und über dem Streben für das zeitliche Wohl des Landes, übersah er die Wichtigkeit der geistigen und moralischen Bildung der Bewohner ebenfalls nicht. Noch zu seiner Lebenszeit wurde die wichtigste Wasserstraße, sogleich die Trockenlegung Banats der 70 km lange Bega-Kanal von Temeschwar bis Klek 1728 - 1733 erbaut. Erst 1806 war die Alt-Bega von Klek bis zur Theiß bei Perles (Titel) schiffbar. Es wurden Kirchen und Schulen erbaut und somit auch für die geistigen Bedürfnisse der Bevölkerung gesorgt. Bestätigt finden wir dies dadurch, dass im Jahre 1733, also ein Jahr vor dem erfolgten Todes des tatenreichen Mannes, im Banat bereits 21 kath. Pfarreien blühten, in Großbetschkerek soll schon 1722 eine aufgenommen worden sein, während bei der Wiedereroberung des Landes nur eine einzige Pfarrei in Orawitza bestand, denn die oben erwähnten übrigen vier Pfarreien befanden sich ja jenseits der Marosch, also nicht im Banat. Die Pantschowaer kath. Pfarrei betreuten die aus Bosnien stammenden Franziskaner. Nach dem Tode Mercys war die fernere Ansiedlung teils der abermaligen Türkeneinbrüche, teils aber auch der Cholera und Pestkrankheit wegen unterbrochen und fand erst 1763 ihre Fortsetzung. Auf welcher niedrigen Bildungsstufe das Volk im allgemeinen stand, trotzdem Graf Mercy zur Hebung derselben alles aufbot, beweist die Tatsache, dass nicht nur das ungebildete Volk, sondern die gebildeten Stände dem Aberglauben blindlings huldigten. Es war dies der Glaube an Zauberer und Hexen, dem viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen. Ein Unglück kommt selten allein. Zuerst erschüttert der dritte Türkenkrieg 1737 - 39 die Stellung Österreichs und des Kaisers im Südosten. Im Frühjahr 1737 brach der Russisch-Türkische Krieg aus. Kaiser Karl der 6. Als Verbündeter Russlands wurde auch darin verwickelt. Das Kaiserliche Heer unter Führung Friedrich Seckendorfs wurde von den Türken mehrmals geschlagen. Mohammed Hadschi überquerte mit 25000 Mann 1738 bei Orschowa die Donau, eroberte Pantschowa und drang ins Banat ein. Die Deutschen flohen nach Norden, nach Ungarn und kamen nicht mehr in ihre Wohnsitze zurück. Ihre Siedlungen entlang der Donau wurden ein Raub der Flammen. Zu den Türken gesellten sich aus Habgier die Rumänen des östlichen Hügellandes und gemeinsam vernichteten sie die Gegend Weißkirchen, Pantschowa, Werschertz, Lippa und Tschakowa. Sie brannten Dörfer und Städte nieder und mordeten erbarmungslos deren Einwohner. Außer dem dritten Türkeneinbruch kam das zweite Unglück, es war die fürchterliche und grausame Pest, eine schreckliche Plage für das kaum begonnene Werk des Friedens. Im Jahre 1738 im Monat Februar brach zuerst unter den von Siebenbürgen nach Temeschwar versetzten Soldaten - Regiment Grüne - die Pestseuche aus und verbreitete sich alsbald unter den Bewohnern der Stadt. Um die Ausbreitung der mörderischen Seuche zu unterbinden, wurden sogleich umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Doch die strengsten Maßregeln waren nicht in der Lage, das Fortschreiten der bösen Krankheit zu hemmen und sie verbreitete sich alsbald über ganz Südungarn. Diese fürchterliche Krankheit raffte in kurzer Zeit (von 1738 - 1740) allein im Banat über 3000 Menschen hinweg, was als eine sehr hohe Zahl zu betrachten ist, wenn wir sie mit der damaligen Bevölkerungszahl vergleichen (30 - 35000). Als Beispiel sei hier angeführt, dass Temeschwar damals beiläufig nur 6000 Seelen zählte, von welcher Zahl jeder sechste der tückischen Pest zum Opfer fiel. Laut Berichten aus damaliger Zeit hätten die angewendeten Maßregeln die Verbreitung der Pest verhindern können, doch wirkte überall hemmend die Unwissenheit und der Widerwille des Volkes gegen die Medikamente. Während im nächsten Jahre die Seuchen ihren Höhepunkt erreichte, überquerten am 30. Juli die kaiserlichen Truppen bei Belgrad die Donau und schlugen unter Führung der Generäle Wallisch, Neipperg und Herzog Lobkowitz vernichtend das türkische Heer. Auf dem Schlachtfeld blieben 800 Türken und 100 kaiserliche Soldaten zurück. Durch die Vermittlung des französischen Gesandten Villeneuf schloss jedoch der Kaiser am 1.September 1739 mit der Pforte auf 27 Jahre Frieden. Nach dem Belgrader Frieden wurde Belgrad, Serbien, Bosnien und Rumänien den Türken überlassen, die Festung bei Pantschowa musste abgetragen werden; das Banat hingegen blieb weiter unter Österreich. Mit dem Verlust von Belgrad und Nordserbien war das Banat wieder unmittelbares Grenzland geworden. In den folgenden Jahren musste die Militärgrenze ausgebaut und erweitert werden, dadurch kam es 1751 - 52 zur Auflösung der Theiß - Maroscher Militärgrenze.

 

Die Theresianische Ansiedlung

Doch kehren wir nun wieder zu den Ansiedlungen zurück. Bei der Mariatheresianischen Ansiedlung sind zwei Perioden zu unterscheiden: Der erste Zeitabschnitt von 1763 bis 1770, der zweite Zeitabschnitt von 1771 bis 1780. Der jungen 23 jährigen Kaiserin Maria Theresia (1740 - 1780) war die Ansiedlung eine Herzenssache. In der ersten Hälfte Ihrer Regierung war sie nur spärlich; denn der Erbfolgekrieg kostet ihr viel Geld und Einbuße an Menschen. Sie befasste sich mit ihr nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus religiösen Überlegungen; sie wollte nicht nur die Wirtschaftskraft des Landes heben, sie wollte aus Liebe zu Gott und ihren Mitmenschen möglichst vielen hilfsbedürftigen Untertanen eine Lebensexistenz sichern. Der dritte Türkeneinbruch sowie die Pest hatten die Gebiete Südungarns derart entvölkert, dass man an eine neue umfangreichere Ansiedlung denken musste. Nach der Auflösung der Theiß - Maroscher Militärgrenze wollte sich weiterhin ein Teil der serbischen Bevölkerung dem Militärdienst innerhalb der Militärgrenze an der südlichen Donau widmen und wurden deshalb nach Syrmien umgesiedelt. Ein Teil der unzufriedenen Serben aus dem Banat, Kroatien und Batschka schlossen sich den Theiß - Maroscher Grenzern an, etwa 30000 an der Zahl, wanderten unter Führung der Kapitäne Tököly und Horwath 1751 nach Russland und ließen sich in die Bezirke Kiew Otschakowa nieder. Durch die Abwanderung der Serben verringerte sich die Bevölkerungszahl in Südungarn noch mehr. Um eine größere, neue Ansiedlung zu ermöglichen, zogen Werber nach Bayern, in die oberrheinisch - fränkische Gegend (wie Kraus mit Sitz in Worms), sowie nach Württemberg, Hessen, Nassau, Rheinpfalz und dort wurden hauptsächlich die ärmeren Bevölkerungsschichten für das entvölkerte fruchtbare Südungarn angeworben. Die Sammelstellen der Kolonisten waren Ulm, Donauwörth, Neuburg/Donau, Günzburg, Regensburg, von dort wurden sie mit Schiffen, den „Ulmer Schachteln“, auf der Donau nach Wien, Ofen, Peterwardein, Pantschowa gebracht. Die eigentliche groß angelegte staatliche Ansiedlung Südungarns beginnt erst nach dem Frieden zu Aachen vom 18. November 1748, mit dem der Österreichische Erbfolgekrieg beendet wurde. Von November 1748 bis April 1749 sind nur 900 deutsche Kolonisten in das Banat gekommen. In dieser Zeit haben manche ungarische Großgrundbesitzer die Schiffe auf der Donau angehalten (Ofen, Apatin, Neusatz) und die deutschen Einwanderer mit vielen Versprechungen zu sich gelockt. Der größte Teil von ihnen kam aber in Pantschowa an. Von hier aus wurden die Auswanderer dann nördlich von Temeschwar auf Praedien der „Heide“ angesiedelt. Ihre Niederlassung und ihre Aufbauarbeit war, wie es die Ungarn später selbst bestätigten, von großem Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Südungarns. Während des Siebenjährigen Krieges 1756 - 1763 trat in der Ansiedlungstätigkeit eine weitere Stockung ein, besonders die Einwanderung deutscher Ansiedler wurde spärlicher, während sich die Zahl inländischer Kolonisten mehrte. Ursache war der Streit zwischen den Prädienkompanien unter dem Grafen Perlaß spanisch-kroatischer Abstammung und der Impopulationsadministration unter dem Landesregierungsrat Hildebrand. Durch den Frieden von Hubertusberg 1763 zog wieder Ruhe ins Land. Mit heißem Dank zu Gott gegrüßte die Kaiserin Maria Theresia nach sieben Kriegsjahren den Friedensschluss. Wie oft, schrieb sie, habe ich an die armen Frauen gedacht, denen man mit Gewalt ihre Söhne nimmt. Was ist der Krieg für ein schlimmes Handwerk! Er ist gegen die Menschlichkeit und gegen das Glück“. Sie hasste den Krieg, weil sie die Menschen liebte, ihren Mann, Herzog Franz von Lothringen, ihre sechzehn Kinder, ihre Völker. Als sorgende Landesmutter hatte sie viel Gutes getan. Sie erleichterte das Los der hörigen Bauern, gerechter ließ sie die Steuerlast verteilen und sorgte dafür, dass im ganzen Lande ordentliche Schulen für alle Kinder eingerichtet wurden. Sie war als erste bereit, die während des Krieges unterbrochene Ansiedlung unserer Ahnen wieder aufzunehmen, zu fördern und recht vielen Familien ein Heim zu geben. Der zweite Zeitabschnitt Mariatheresianischen Ansiedlung, als die Spättheresianische Ansiedlung bekannt, begann. Sie ist zugleich die größte Kolonisierung und wurde von einer besonderen Kolonial - Kommission geleitet, die am 25.2.1763 von der Kaiserin eigens eine Impopulations - Hauptinstruktion (Bevölkerung - Hauptvorschrift) erhielt, nach welcher selbe vorzugehen hatte. Diese Instruktion beinhaltete folgende Hauptpunkte:

1.     Das ganze Land muss genau aufgenommen werden.

2.     Die bei den bereits vorhandenen Ortschaften noch übrigen Gründe sind durch Zubauten an Kolonisten zu übergeben, und zwar so, dass zu jedem Dorf dieselben entsprechenden Ansiedler von derselben Nation und Gegend zugeteilt werden.

3.     Die zu bevölkernden Prädien, Pußten sind sorgsam auszuwählen, d.h. nur diejenigen sind zu bevölkern, die den Waldungen und dem Wasser am nächsten liegen, eine vorteilhafte Lage, nebst guter Luft und frisches, gesundes Trinkwasser haben.

4.     In der Mitte der anzulegenden Dörfer werden die Bauplätze für die Kirche, das Pfarr- Schul- und Wirtshaus bezeichnet, ebenso in jeder Gasse sind einige öffentliche Brunnen zu graben.

5.     Die Hauptgassen müssen 18 -20 Klafter (35,16 m - 38,40 m), die Quergasse 6 -8 Klafter (11,52 m - 15,36 m) breit sein (1 Fuß = 0,32 m, 1 Klafter = 6 Fuß = 1,92 m)

6.     Die Gründe eines Dorfes können in ganze, halbe und viertel Bauerngründe eingeteilt werden. Der ganze Bauerngrund ist mit 37 Joch davon 24 Joch Äcker, 6 Joch Wiesen, 6 Joch Weide und 1 Joch Bauplatz; der halbe Bauerngrund ist mit 21 Joch also 12 Joch Äcker, 4 Joch Wiesen, 4 Joch Weiden und 1 Joch Hausplatz und der viertel Bauerngrund ist mit 13 Jochen also 6 Joch Äcker, 3 Joch Wiesen , 3 Joch Weiden und 1 Joch Hausplatz zu vermessen ( 1 Joch = 1600 Quadratklafter = 0,5755 ha. oder 57,55 a). Außerdem soll zu den Wiesen und der Weide je ein Stück Feld für das Vieh des Pfarrers, Lehrers, Wirtes, Fleischers und der Handwerker hinzugefügt werden.

7.     Jedes Dorf hat einen Schulzen (Richter - Bürgermeister) mit einem Geschworenen zu wählen. Ersterer erhält während der drei Freijahre jährlich 24 fl. Und hat die Dorfrechnungen nebst den Abgabenlisten usw. zu führen, letztere aber erhalten je 12 fl., dem Kleinrichter (Gemeindediener) werden jährlich 10 fl. Verabreicht. In jedem Ort ist ein Schulmeister (Lehrer) anzustellen und demselben aus der Gemeindekasse jährlich 60 fl. Besoldung zu bezahlen.

8.     Die Instruktion bestimmt, dass jeder Hausbesitzer außer den in seinem Garten zu pflanzenden Obstbäumen vor seinem Hause auf der Gasse und in seinem Hofe mindestens 20 Stück Pappel-, Felber-, und Maulbeerbäume für Seidenraupenzucht setzen und für ihr Wachstum sorgen soll. Die Kolonisten erhielten bei ihrer Ansiedlung von der Regierung gegen Rückzahlung: 12 fl. Reisegeld, für Hausbau 155 fl. für Anschaffung und Vieh und Requisiten 170 fl. für Verpflegung und Anschaffung von Futter usw. 40 - 45 fl. zusammen etwa 380 - 420 fl. W. W.(Wiener Währung). Die Summe mussten die Siedler wohl rückvergüten, waren dafür aber 10 Jahre hindurch von allen Abgaben befreit.

Im Januar des Jahres 1764 richtete die Hofkammer eine Anfrage an die Leitungen der Kriegsinvalidenheime in Wien, Budapest und Pettau (Ptuj) wegen den Niederlassung von Kriegsversehrten und ausgedienten Soldaten der letzten Kriege. Diese sollten außer den Begünstigungen, die den Kolonisten damals gewährt wurden, noch ein Geschenk von 10 - 12 fl. für Reis und Zehrung erhalten. Auf diesen Antrag schlug der Kriegsrat am 4.März 1764 die Niederlassung von 800 Dragonern in der Pantschowaer Gegend vor. Das waren Soldaten - Dörfer. Um besser wirtschaftliche Erfolge erreichen zu können, wurden ihnen mit dem „Brautschiff“ heiratslustige Mädchen und Witwen aus dem Reich gebracht. Bereits im Jahre des Abschlusses des Siebenjährigen Krieges 1763 waren 432 Familien aus Westdeutschland im Banat eingetroffen. 1764 waren es schon 541 Einwanderer. Aber erst in den folgenden Jahren begann sich das 1763 erlassene Ansiedlungspatent auszuwirken. 1765 trafen bereits 1035 Familien ein, im nächsten Jahr das Doppelte. Angesichts dieses unerwarteten Zustromes sahen sich die Wiener und Temeschwarer Regierungsstellen veranlasst, einen schnell anwendbaren Plan zur Unterbringung der Kolonisten aufzustellen. Im Sinne des Ansiedlungsplanes wurden in der Zeit von 1763 - 1773 durch die Zivilpräsidenten Graf Perlaß - Villana (1753 - 1768) und Graf Karl von Clary und Altringen (1769 - 1774) nicht bloß die aus dem Reiche stammenden Ansiedler, sondern auch die so genannten Inhabitations - Ansiedler (worunter schon angesiedelte Ungarn, Serben und Rumänen verstanden sind) in Südungarn untergebracht. In dieser Zeit wurden auch die Kolonistenschübe oder Umsiedlungen im nordwestlichen Banat der Marosch entlang durchgeführt. Die Kaiserin bestimmte, dass das gesamte Gebiet zwischen den drei Festungen Arad, Temeschwar und Szegedin mit deutschen katholischen Kolonisten besiedelt werden sollte, und zwar geschlossen unter sich, „weilen es wider die allerhöchste Gesinnung lautete, Rumänen unter die Deutschen zu mischen“, damit man bei einem möglichen Türkenkrieg hier nur sichere Untertanen habe. Der erste inländische Schub ist aus dem Jahre 1760 bekannt. Die Serben aus Szige a. d. Marosch wurden nach Tomaschewatz umgesiedelt. In Rekasch bestanden, nachdem es 1726 angesiedelt worden war, im Jahre 1740 drei getrennte Gemeinden nebeneinander: Deutsch, Rumänisch, und Schokatzisch Rekasch. Während zwischen den Deutschen und katholischen Schokatzen ein leidliches Verhältnis bestanden zu haben scheint, konnten sich Deutsche und Rumänen hier nicht vertragen. Deswegen wurden die Rumänen der Marosch entlang 1764 nach Etschka, Sartscha, Jankowmost, (Jankahid) und Torak abgeschoben. Aber noch 1766 müssen Rumänen vorhanden gewesen sein, denn am 19.Juni d. J. schlägt die Landesadministration zu Temeschwar vor, dass die 40 rumänischen Familien nach Klek (Altdorf) umzusiedeln und an ihrer Stelle weitere 50 deutsche Familien anzusiedeln wären. Der Vorschlag wurde genehmigt. So wurden auch die Rumänen von Sefdi, Schöndorf und Torak transferiert. Viele Serben übersiedelten in der Zeit 1775 - 1778 von Kikinda, Mokrin, Karlowa, Melenaz, Kuman in die Militärgrenze. So bekam Botosch, dass an die Militärgrenze angeschlossen wurde, in dieser Zeit 460 serbische Familien. Die Binnenumsiedlung war gleichzeitig die Gründung unserer rumänischen Nachbarortschaften. Nun wieder zurück zur Einwanderung der Deutschen im Banat. Die Einwanderer, meist Bauern, unter ihnen auch Handwerker, stammten aus allen Teilen des deutschen Reiches, besonders aber aus Lothringen, Elsaß, Trier, Breisgau, Fürstenberg, aus dem Schwarzwald, aus der Pfalz, aus Luxemburg, Nassau, Schwaben, Bamberg, Bayern, Tirol usw. Die aus verschiedenen Teilen Deutschlands stammenden Ansiedler behielten auch in der neuen Heimat ihre Mundart bei. Man war bestrebt, die Landsleute derselben Gegend womöglich beisammen zu lassen. Darum bestand auch die Verschiedenheit in der Sprache und Trachten bei dem Deutschen Südungarns. Gemäß dem Ansiedlungsplanes sollten zehn Jahre hindurch jährlich 200000 fl., also in einem Gesamtbetrag von zwei Millionen Gulden zu Kolonisierungszwecken verwendet werden, was wohl eine den damaligen Verhältnissen gemäß hohe Summe war. Für dieses Geld wurden über 100 schöne Orte angelegt und dem Lande weit über500 000 fleißige Hände gewonnen, welche berufen waren, die Gestrüppe, Waldungen, Sümpfe und Moräste des verwahrlosten Landes in eine Kornkammer zu verwandeln, was auch wirklich, und zwar in kurzer Zeit, erreicht wurde. Die Finanznot des Siebenjährigen Krieges gefährdete die bisherigen Investitionen. Erst als Joseph II. 1765 sein großes väterliches Erbteil dem Staate überließ, konnten die Staatsfinanzen saniert werden. Den Höhepunkt der Einwanderung erreichte man in den Jahren 1768 - 1771, wie die folgende Zusammenstellung ausweist. Es wanderten ein:

·       im Jahre 1768: 462 Familien mit 1888 Personen

·       im Jahre 1768: 815 Familien mit 3124 Personen

·       im Jahre 1770:3215 Familien mit 10292 Personen

·       im Jahre 1771: 387 Familien mit 1585 Personen

Zusammen: 4879 Familien mit 16 889 Personen. Die Ansiedler fanden sich so zahlreich ein, dass man dem Andrang Einhalt gebieten musste. Die Einwohnerzahl des Banats mit der Militärgrenze stieg auf 450 000 und so erfolgte am 13.April 1771 eine Bekanntmachung, dass in Zukunft nur solche Ansiedler aufgenommen werden, die Reisekosten eigens bezahlen und das Vieh und Ackergeräte selbst beschaffen können. Trotzdem wurden im Jahre 1773 abermals 1385 Familien mit 5568 Personen auf Kameralkosten aufgenommen (wahrscheinlich in die Militärgrenze). Auf eigene Kosten sind in einem Zeitraum von fünf Jahren (1772 - 1776) bloß 67 Familien mit 364 Personen eingewandert. Zur Übersicht sind hier noch jene Orte, welche in der Zeit 1766 - 1772 ganz neu erbaut wurden mit Angabe der Häuserzahl und wenn möglich, dem Auswanderungsort bzw. Herkunftsland aufgezählt.

Orte, die durch Zubauten vergrößert wurden, waren:

Die 29 Ortschaften wurden mit 1711 Häusern erweitert. Csanader Bezirkskontrolleur Baron Lafft, Impopulationsdirektor Hildebrand, der Beamte des Lippaer Salzamtes Neumann und der Temeschwarer Bezirksschef Knoll planten diese Ansiedlungen und führten sie abschließend durch. Sie haben sich große Verdienste in der Ansiedlungsgeschichte des Banats erworben. In der Batschka war der Leiter der deutschen Kolonisation Cothmann. Im Jahre 1774 erhielten die Serben bei Kikinda mehr bürgerliche und die Bewohner der Militärgrenzgebiete im Osten und Süden freie militärische Selbstverwaltung. Trotzdem beabsichtigte die Kaiserin noch im Jahre 1775, das Banat als österreichisches Herzogtum für immer an Österreich anzugliedern. Diesem Plan widersetzten sich der ungarische Adel, insbesondere Hofkanzler Graf Esterhazy, Graf Kollowart, Graf Khevenhüller und Graf Kristof Niczky mit allen Kräften. Der verlorene Siebenjährige Krieg kostete Österreich 200 Millionen Gulden. Die Regierung der Kaiserin war daher stets in Geldschwierigkeiten. Der Kaiserin wurden aus dem Banat Steuerrückstände, die man nicht mehr eintreiben konnte, sowie schlechte Verwaltung auf den Staatsgütern seitens des Grafen Perlaß gemeldet. Außerdem erhielt das kameralische Banat von Österreich jährlich eine halbe Million Gulden Staatszuschuss, um es verkehrstechnisch erschließen zu können. Die Ungarn versicherten der Kaiserin, das Banat wurde unter ungarischer Verwaltung wirtschaftliche Vorteile haben. Herzog Albert, Schwiegersohn der Kaiserin, verhalf dem ungarischen Adel die Zustimmung der Kaiserin, das Banat an Ungarn abzutreten. Am 9.November 1777 gab die Herrscherin schweren Herzens ihre Zustimmung dazu. Nach 63  jährigen Eigenständigkeit fällt das Banat am 6.Juni 1778 Ungarn zu. Zugleich übernahm Graf Niczky die Verwaltung. Er teilte das Banat in drei Komitate: Temescher. Torontaler, und Kraschoer Komitat, ersetzte die deutschen Beamten durch ungarische und führte Ungarisch als Amtssprache ein. In der Batschka begann die Einwanderung der Deutschen 1735, die ersten deutschen Familien ließen sich in Tschatalja 1735, in Neusatz 1739, in Kolut 1756, in Hodschag um 1760, in Bukin 1749, in Apatin 1750 nieder. Da Apatin der Hauptort einer großen ärarischen Domäne war, zogen die dortigen Deutschen mit der Zeit in die umliegenden, der Herrschaft zugehörigen Gemeinden ein. In den Jahren 1763 - 1768 ließen sich Deutsche in der Batschka, in Kernei und Kruschewlje aus Ungarn, in Gakowa aus Böhmen, Österreich und Deutschland, in St.Iwan. Doroslo. Filipowa. Weprowatz und Kolut ausgediente Soldaten des Siebenjährigen Krieges mit ihren Familien aus Deutschland, in Bezdan aus Mähren und Böhmen, in Kupusina ausgediente Soldaten, in Hodschag, Gajdobra aus Lothringen und einige französische Familien, in Bukin, Neupalanka und Apatin aus Deutschland und Lothringen nieder. Die Kaiserin Maria Theresia starb nach 40 jähriger segensreicher Regierung im Alter von 63 Jahren am 22.November 1780. Sie führte in ihrem ganzen Lande Reformen durch, forderte Landbau, Handel, Gewerbe und Industrie. Ihre Verdienste um das Banat waren sehr groß.

 

Die Josephinische Ansiedlung

 

Maria Theresias Sohn und Nachfolger Josef II. (1780 - 1790), der schon nach dem Tode seines Vaters Franz Stephan 1765 als 25 jähriger Mitregent seine Mutter tatkräftig unterstützte, übernimmt am 29. November 1780 die Regierungsgewalt. Er war ein Hauptvertreter des aufgeklärten Absolutismus (unbeschränkte Herrschaft, Willkürherrschaft). Noch in den Jahren 1768, 1770 und 1773 besuchte er des Kaisers statt das Banat, daher waren ihm die Ansiedlungsverhältnisse und Administration Südungarns sehr gut bekannt. Die neu eingeführten ungarischen Verwaltungsregelungen übersah der Kaiser; er nahm sie einfach nicht zur Kenntnis. Die Ungarische Stephanskrone ließ er nach Wien bringen. Die Ansiedlungen der Deutschen auf den leeren, ausgedehnten Staatsgütern wurden von ihm besonders gefördert und unterstützt. Er bevorzugte die Kolonisten des Oberrheingebietes. Das vom 21.September 1782 erlassene Ansiedlungspatent gewährte den deutschen Kolonisten Glaubens- und Gewissensfreiheit. Nun konnten sich die Siedler protestantischen Glaubens in Südungarn niederlassen. Weiter erhalten die Einwanderer genügend Ackerland, Wiesen, Zug- und Zuchttiere sowie Landwirtschaft- und Haushaltsgeräte. Für die Anschaffung von Geräten und Werkzeugen bekommen die Handwerker 50 Rheinische Gulden. Alle Ansiedler sind 10 Jahre steuerfrei usw. In der Zeit der Josephinische Ansiedlung 1782 - 1788 kommen deutsche Kolonisten - vorwiegend deutsche Protestanten aus der Gegend am Oberrhein, aus der Pfalz, Zweibrücken, Hessen und Frankfurt ins Land. Die Ansiedler fanden sich wieder so zahlreich ein, dass man dem Andrang 1787 Einhalt gebieten musste. In der Batschka entstanden von 1784 - 1786 folgende neue deutsche Dörfer: Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Kleinker, Bulkes, Jarek und Sekitsch mit deutschen Protestanten. Durch neue deutsche Kolonisten verstärkt wurden: Palanka, Neusiwatz, Schowe, Kula, Parabutsch, Serbmiletitsch, Brestowatz, Kernei, Tschonopolja, Bezdan, Stanischitsch und Almasch aus der Rheingegend. Um die Ansiedlungskosten zu decken und der Staatskasse mehr Einnahmen zu sichern, ordnete der Kaiser am 1.August 1781 den Verkauf der Staatsgüter (Prädien) an. Näheres darüber wird in der Lazarfelder Geschichte berichtet. Am 7.April 1784 führte Kaiser Josef II. wieder das Deutsche als Verwaltungssprache im Banat ein. Gegen diesen Erlass widersetzte sich der ungarische Adel. Wir finden darüber aus dem Jahre 1785 lateinische Amtsniederschriften. Der fortschrittliche Monarch hob bereits am 22. August 1785 die Leibeigenschaft und die Prügelstrafe auf. Nun konnte jeder Bürger seinen Wohnsitz frei wählen. Noch im selben Jahr versetzte er die drei ungarischen Obergespanne in den Ruhestand. Banat wird in zwei Gebiete eingeteilt: in die Ebene und in das Hügelland. In der Ebene sollten die Serben und Rumänen, nach Meinung des Kaisers, Viehzucht und Handel betreiben und auf dem Hügelland die Deutschen sich mir Ackerbau beschäftigen. Dieser Plan erwies sich alsbald als unwirtschaftlich; denn Handel und Viehzucht reichten damals zur Bestreitung des Lebensunterhaltes kaum aus. Königliche Vertraute verwalteten die Gebiete. Die Verwaltung des Temescher Gebietes (Komitate Batsch, Torontal, Temesch und Krascho) übernahmen am 14.Juni 1785 Johann Bach. Im letzten Türkeneinbruch kommt der Kaiser am 14.September 1788 zum vierten Mal in das Banat. Der Oberbefehlshaber des 50 000 Mann starken türkischen Heeres Jusuf überschritt die Donau und besetzte Orschowa. Der Kaiser wollte persönlich an der Schlacht gegen Jusuf teilnehmen und befehligte den Mittelabschnitt eines Waldgebietes. In der dunklen, stürmischen Nacht vom 20. Auf 21. September bekämpften sich im Dorfe Sakula, in der Meinung es wäre der Türke vor ihnen, zwei kaiserlichen Truppen. Beide Truppen gerieten in ein wirres Durcheinander und ergriffen die Flucht. Der Kaiser, der von einem leichten Wagen aus die Gefahr sah, sprang sofort in den Sattel und versuchte die Ordnung herzustellen. Vergebens! Er selbst kam in das Kreuzfeuer seiner eigenen Soldaten und wurde von ihnen mitgeschleift. Nach langem Irrweg im Waldgebiet fand er erschöpft die Hauptgruppe. Krank und aufs tiefste enttäuscht kehrt der Kaiser nach Wien zurück. Noch kurz vor seinem Tode setzte er am 28. Januar 1790 seine Erneuerungen außer Kraft. Die Verfügungen über die Glaubensfreiheit und Leibeigenschaft bleiben aber in vollem Umfange erhalten. Auch die ungarische Stephanskrone sandte er nach Ofen (Buda) zurück. Ohne Thronerben starb Kaiser Josef II. Am 20.April 1790 im Alter von 49 Jahren.

 

Deutsche Neubesiedelung im Militärgrenzgebiet

 

Nach Josef II. folgte sein jüngerer Bruder Leopold II. Auf den Thron. In seiner kurzen Regierungszeit von 1790 - 1792 suchte er mit den Ungarn einen Ausgleich zu treffen. In den wieder errichteten drei Komitate des Banats war anfangs das Lateinische später wieder das Ungarische als Verwaltungssprache eingeführt. Die Deutschen Beamten mussten die ungarische Sprache erlernen, nur so durften sie im Amte bleiben. Gegen die Angliederung des Banats an Ungarn und die Einführung der ungarischen Verwaltungssprache lehnten sich die Serben auf. Sie forderten als freies, eigenes Gebiet die „Temescher Banschaft“ (Banat). Die Grenzgebiete sollten auch weiterhin unter österreichischer Verwaltung bleiben. Der Kaiser ließ ihnen bloß eine Illirische Hofkanzlei in Wien errichten, die aber alsbald aufgelöst wurde. Weiter gewährte er ihren Orthodoxen Bischöfen im ungarischen Parlament (Oberhaus) Sitz - und Stimmrecht. Das Banat, damals bereits von über 60 000 Deutschen bewohnt, trug alle Ansätze - wie schon früher erwähnt, Keimzelle eines schwäbischen Territoriums zu werden. Durch die Aufhebung der Selbständigkeit verschwanden alle rechtlichen Grundlagen für das Eroberte und aufgebaute Gebiet. Die Serben und Rumänen wurden durch ihre Kirchenorganisationen und Deren Vermögen zusammengehalten. Da die katholische Kirche sich mit Ungarn identifizierte und der deutsche Adel in Südungarn als Armee - und Beamtenadel Raum- und volksfremd war, verblieb den Deutschen nichts Gemeinsames, das Zusammenwachsen zu einem Volkskörper hätte erleichtern können. Kein Monarch brachte es fertig, den deutschen Siedlern ein Sonderrecht als Gesamtheit einzuräumen. Dadurch wurden unsere Ahnen bereits im folgenden Jahrhundert, das im Zeichen des Nationalismus stand, vor die Existenzfrage gestellt. Nach einer Aufzeichnung vom 29.März 1789 verlor infolge des letzten Türkeneinbruchs das Grenzgebiet 13331 Menschen, davon schleppten die Türken 63 Männer, 230 Kinder, 202 Frauen, 272 Mädchen in die Gefangenschaft, die übrigen flohen oder wurden umgebracht. Man war gezwungen, das schwach bevölkerte Militärgrenzgebiet wieder zu besiedeln. Vor der Neubesiedelung des Grenzlandes mit Deutschen mussten die geflüchteten Serben, die im besetzten türkischen Gebiete verfolgt wurden, in den von Serben und Deutschen verlassenen Bauernhöfen untergebracht werden. Es waren eigentlich drei deutsche Grenzansiedlungen. Sie begannen 1790. Die Kolonisten stammten aus dem Elsaß, aus Lothringen, Schwaben, Basel, Württemberg und Nassau. Mit dem ersten Transport kamen 145 mit dem zweiten 735 und mit dem dritten 1045 Siedler. Aus dem Rheingebiet z.b. wurde 1792 aufgebaut und am 24.Juni, es war an einem Sonntag, bezogen die Siedler ihre Häuser. Für das Südbanat und die Grenzgebiete war das Jahr 1794 ein Jahr des Hunger und Elends. Vom November 1793 an fiel weder Regen noch Schnee. Der Januar 1794 war ungewöhnlich trocken und bitter kalt, im Sommer herrschte unerträgliche Hitze. Das Saatgut im Feld und Garten verdorrte und sogar die Brunnen trockneten aus. Die Not war erst im nächsten Jahr groß. Viele Siedler verließen Haus und Hof. Durch Hilfsaktionen versuchte man die Not zu Lindern. Erst die kommende Ernte verbesserte das Leben der Siedler. Mit der Besiedelung des Militärgrenzlandes fand die Ansiedlung der Deutschen in Südungarn, die sich über das 18. Jahrhundert erstreckte, ihren Abschluss. Nach der Jahrhundertwende wurden nur noch Binnenansiedlungen durchgeführt. (Binnensiedlungen sind aus den Erstansiedlungen neu angelegte Ortschaften). Die Zahl der deutschen Einwanderer in Ungarn betrug insgesamt etwa 150000 Bauern und Handwerker. Im Jahre 1789 brach in Paris die Revolution aus. Sie sollte, „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ schaffen. Die fürstlichen Nachbarn Frankreichs erklärten den Krieg, und ein zwanzigjähriger Kampf überzog Europa. Die Franzosen überschritten den Rhein und setzten sich im Rheinland fest. Kaiser Leopold II. Starb im Alter von 45 Jahren am 1.März 1792. Ihm folgte sein 24  jähriger Sohn Franz II. (I.) letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1792 - 1806 und als Franz I. Kaiser von Österreich (1804 - 1835). Das Deutsche Reich, das Otto I. 926 gründete, brach während des Krieges zusammen. Der Kaiser legte 1806 die Krone nieder. Die meisten Fürsten schlossen sich dem Rheinbund an, dessen Haupt Napoleon wurde. Unsere Ahnen haben auch in diesem Krieg reichlich Opfer an Gut und Blut gebracht. Die Chronik von der Eggmühler Schlacht bei Regensburg am 21.und 22.April 1809 zwischen Napoleon (Frankreich / Rheinbund) und Erzherzog Karl (Österreich) berichtet: „Zwei Bataillone Deutsch Banater kämpften unter ihrem General Stutterheim (Österreich) und vollbrachten am Deisenberg bei Eggmühl Wunderder Tapferkeit. Gegen eine erdrückende Übermacht hielten die Deutsch Banater einen ganzen Tag ihre Stellung. Ein Großteil von ihnen ruht im Massengrab auf dem Deisenberg“. Diese Heldentat unserer Donauschwaben ist in der Heimatgeschichte wohl kaum bekannt. Ich fand zufällig diese Chronik im Pfarramt Unterlaichling. Bevor wir die Ansiedlungsgeschichte Südungarns schließen, wären noch die Preise der Gerätschaften, des Viehs und der Lebensmittel in der Ansiedlungszeit zu erwähnen. Es kostete ein Holzpflug 2 fl. (Florin) 30 kr. (Kreuzer), ein Pferd 20 fl., eine Kuh 15 fl., ein zweijähriges Mutterschwein 3 fl., ein Beschlagener Wagen 30 fl., ein Paar Pferdegeschirre 3 fl. 45 kr., ein Oka (2 ¼ Pfund) Fisch war 14 Kreuzer, ein Pfund Rindfleisch 3 Kreuzer, ein Pfund Kalbfleisch im Sommer 3, im Winter 4 Kreuzer, ein Pfund Kerzen 9 Kreuzer, eine Maß (zwei Halbe) Bier 4 Kreuzer, ein Metzen (40 Liter) Weizen 1 fl. 48 kr., ein Laib Brot zu 3 Pfund und 28 Lot ( 1 Lot = 15 Gramm) 3 Kreuzer, zu 8 Pfund 6 Kreuzer, ein Zentner Semmelmehl 2 fl. 7 ½ Kreuzer, ein Zentner Mundmehl 3 fl. 45 kr. W. W. (Wiener Währung). Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass die Preise der Lebensmittel, des Viehs usw. sehr niedrig waren. Ein Landarbeiter (Knecht) verdiente damals nebst Unterkunft und Verpflegung 10 - 14 Zentner Weizen, einen Anzug, ein Paar Schuhe und Leibwäsche. Der Preis eines Zentner Weizen betrug etwa 1 fl. 50 kr., so war der Jahresverdienst des Landarbeiters 20 fl. oder täglich 6 Kreuzer.

 

Verkauf der Prädien

 

Die vor und nach dem Jahre 1787 noch übrig gebliebenen unbevölkerten Teilen Südungarns wurden als Prädien und Pußten teils verkauft, teils verpachtet. Die erste Versteigerung der Prädien im Banat fand am 1.August 1781 statt. Lag der Schätzwert unter 30000 fl., war die Versteigerung in Temeschwar, für Prädien über diesem Betrag war die Wiener Hofkammer zuständig. Die ersten drei Wochentage waren Versteigerungstage. Der Käufer musste die Hälfte des Kaufpreises gleich bezahlen. Solche in der Nähe von der heutigen Gemeinde Lazarfeld bestandenen Gemeinden waren: Klek (Altdorf), Torak, Jankowmost und Pußten: St. Mihalj (Mihajlowo), Kenderesch (später Ernsthausen), Despotowatz und Martinze (später Lazarfeld und Sigmundfeld). Auf Teilen von den letztgenannten Pußten (Despotowatz und Martinze) wurde Lazarfeld erbaut und angesiedelt. Zur Pachtung solcher Prädien und Pußten konnten sich mehrere Personen oder Gemeinden vereinigen, die man „Prädien = Societäten“ (Prädiengeselschaften) nannte, jedoch musste einer aus der Gesellschaft und wenn dies eine Gemeinde war, der Richter (Bürgermeister) die Gutstehung übernehmen. Von den Kameral Prädien hatte die Stadt Großbetschkerek die Pußten St. Mihalj, Martinze, Kenderesch und Despotowatz in Pacht. Die Stadt verpachtete sie bis 1781 wieder an Wiener Viehhändler. Gekauft hat diese der einfache, aus Siebenbürgen stammende armenische Viehhändler Isak Kiss, Pächter des Beljeer Kameral Prädium im Jahre 1781 und zwar St. Mihalj und Kenderesch ganz, von Martinze und Despotowatz aber nur einzelne Teile. Daraus entstanden die Herrschaften Elemir und Itebe. Für erstere bezahlte Kiss 171750 fl. Für letztere aber 472ooo fl. W. W. Die Itebeer Herrschaft zählte 37000 Joch; es kostete demnach ein Katastraljoch 12,75 fl. im Jahre 1900 waren es 10 Kronen und 20 Heller. Die Herrschaft Etschka, zu welcher die Gemeinden Etschka, Klek und Jankowmost (Jankahid) = Janka Brücke), dann die Pußtenteile Martinze und Despotowatz gehörten, erstand im Kaufwege Kameralsguts Pächter Lukas Lazar (Armenische Abstammung aus Szamosujvar, Siebenbürgen) im Jahre 1782 um den Kaufpreis von 217000 fl. W. W. , und nachdem diese Herrschaft etwa 30000 Joche umfasst entfällt vom Kaufpreis auf ein Joch 7 fl. und 24 kr. W. W. im Jahre 1900 waren es 5 Kronen und 88 Heller. Beide Grundherren Kiss sowohl, als auch Lazar und die Prädienbesitzer Südungarns haben diese Prädien und Pußten später durch Kolonisten bevölkert, da sie ja zur Bearbeitung ihrer sehr umfangreichen Besitze fleißige Hände nicht entbehren konnten. Kiss siedelte 1793 Kathreinfeld, Lazar1800 aber Lazarfeld an. Die Ansiedler kamen größtenteils aus den früher angesiedelten Urbarialansiedlungen, wurden jedoch bloß auf eine gewisse Zeitdauer, gewöhnlich auf ein dreißigjährige Dauer angesiedelt mit der Bedingung, dass sie die Felder nach Ablauf des Vertrages der Grundherrschaft wieder zur freien Verfügung übergeben müssen. Sie waren demnach Pächter oder so genannte „Kontraktualisten“. Zwischen den Kameral- oder Urbarialansiedlungen und jenen der einzelnen Grundherrschaften, die bloß Allodialansdiedlungen, Pächter oder Kontraktansiedlungen waren, bestand demnach ein gewaltiger Unterschied. Die Urbarialansiedler mussten zwar den mit dem Urbarialfelderbesitz verbundenen Abgaben, Zehent- und Robotleistungen usw. den Prädienbesitzer gegenüber entsprechen, das Eigentums- und Nutznießungsrecht war aber ihnen für alle Zeiten gesichert; sie konnten nicht abgestiftet werden wie die Kontraktualisten. Die Kontraktualisten, angesiedelt von Privatherrschaften (wie Lazarfeld), fühlten sich anfangs recht wohl, ihr Wohlstand nahm erfreulich zu und sie hatten fast gleiche Rechte mit den Urbarialisten, ja ihre wirtschaftlichen Verhältnisse waren bezüglich der zu tragenden Lasten bedeutend besser. Das Gefährliche ihrer Lage war ihnen erst klar, als ihre Verträge zur Erneuerung gelangten. Aufgrund der Gesetzartikel 8., 9., 12. und 13 vom Jahre 1847/48 wurden die Urbarialisten zu eigentlichen Herren und Eigentümer ihres Grund und Bodens und ihr Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr. Dagegen gestaltete das Verhältnis zwischen den Kontraktualisten und deren Grundherrschaft von dieser Zeit an von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Privatherrschaften steigerten nach jedem Ablauf des Kontraktes ihre Pachtforderungen und schlossen neue Verträge stets nur auf kurze Zeitdauer ab. In Südungarn gab es eine ziemliche Anzahl von Kontraktualistengemeinden und zu dieser gehörte auch die Gemeinde Lazarfeld, darum wanderten später mehrere Familien ab. Die Monographie will dem freundlichen Leser die Gründung, das Leben und Wirken, das Wachsen und Blühen, den Aufstieg und den Untergang einer deutschen Pächtergemeinde im Banat, Jugoslawien vermitteln. Weiter will das Buch die 150 jährige Geschichte unseres Heimatdorfes erzählen, der jüngeren Generation von der harten Aufbauarbeit, von den Entbehrungen, sowie über die kulturelle Entfaltung, Sitten und Brauchtum unserer Vorfahren und über die Jahre der grausamsten Vernichtung der Landsleute wahrheitsgetreu berichten.

 

Kolonistenschicksal ist immer:

 

Die Ersten fanden den Tod, die Zweiten die Not, und erst die Dritten das Brot.

 

 

GESCHICHTE DER GEMEINDE LAZARFELD 1800 - 1950

 

„... Das Dorf, wo meine Wiege stand

Wo froh ich wuchs heran;

Den Ort des stillen Jugendglücks

Ich nie vergessen kann...“ (Peter Poiger)

 

Die Gemeinde Lazarfeld gehört zum Landkreis Zrenjanin (Großbetschkerek), Wojwodina (Banat), Jugoslawien (bis 1918 zum Großbetschkereker Stuhlbezirk des Torontaler Komitates Ungarn). Der Ort wurde an jener Stelle angelegt oder angesiedelt, wo ehemals auf der Pußta Martice fünf Häuser standen, welche dann später von hier zwischen Lazarfeld und Sigmundfeld abermals unter dem Namen Pußta Martinica bis 1920 bekannt waren. Die älteren Bewohner der serbischen Nachbargemeinde Botosch nannten deshalb Lazarfeld früher auch noch „Martinica“ oder „pet kutja“ (fünf Häuser). Die Gestalt des Ortes ist ein Rechteck mit vier Langen- und vier Quergassen und das „Neue Dorf“ mit einer Quergasse und zwei Langen Gassen. Die Nachbargemeinden von Lazarfeld sind: nördlich 8,65 km Kathreinfeld, östlich 13.43 km Sartscha und 10,98 km Ernsthausen, nordöstlich 16,28 km Stefansfeld, südlich 7,19 km Sigmundfeld, westlich 12,47 km Großbetschkerek und nordwestlich 5,29 km Klek. Die Ansiedlung oder Gründung der Gemeinde Lazarfeld geschah im Jahre 1800. Es dürften wohl die Felder bereits im Jahre 1799 im Herbste übernommen und auch bebaut worden sein, doch die Häuser wurden erst in dem erwähnten Jahre aufgebaut. Ein Häuserblock umfasste 2x6 = 12 Joch oder soviel Häuser in den Langen Gassen. „Wir konnten zwar diesbezüglich“, so schreibt Michael Eisler in seiner Monographie, „ trotzt eifrigsten Forschungen keine authentischen Dokumente eruieren oder auffinden, doch der Umstand, dass „Lazarfödje“ nach seiner Gründung in kirchlicher Hinsicht drei Jahre hindurch zur Pfarrei in Etschka gehörte und alldort der Pfarrer Josef Nagy im Februar 1800 in den Matrikeln den Unterschied zwischen „hiesig“ einzutragen beginnt, bestätigt unsere Behauptung. Auch die ersten Matrikeleintragungen zeugen dafür“. Am 11.Oktober 1800 wurde das erste Kind aus Lazarfeld in Etschka getauft. Sie hat folgenden Wortlaut: „Anno 1800 mense Octobris 11 - a Infantem Mathiam ex Lazarfeld, Parentum Jacobi Veger et Elisabethae conjungis. Levantibus Mathia Koller et Margaretha Ipach. Baptisavit Josephus Nagy, Parochus Locus Etschka“. Deutsch: Am 11.Oktober im Jahre 1800 taufte Pfarrer Josef Nagy im Orte Etschka das neugeborene Kind der Eltern Jakob Veger und dessen Gattin Elisabeth aus Lazarfeld auf den Namen Matthias. Als Paten standen Matthias Koller und Margarete Ipach bei. Der erste Todesfall von Lazarfelds aber lautet wörtlich folgendermaßen: “Anno 1800 mense Julio 2 – do Danielem Hartmann ex Lazarfalva Aquae submersum Aetatis 19 annorum. Sepelivit Josephus Nagy Paruchus“. Deutsch: Am 2.Juli des Jahres 1800 beerdigte Pfarrer Josef Nagy den Daniel Hartmann aus Lazarfeld der im 19. Jahre seines Alters im Wasser ertrunken ist. Daniel Hartmann ist demnach in seinem 19. Lebensjahre verunglückt, im Wasser ertrunken, jedoch wie und wo? Vielleicht geschah dies beim Graben eines Brunnens oder beim Baden der Pferde in der Bega. Daß die Wohnhäuser erst im Jahre 1800 erbaut wurden deutet auf die hohe Sterblichkeit im Jahre 1801 hin, die besonders unter den Kinder sehr groß war, denn von 93 Sterbefällen in der Pfarrei Etschka kamen 48 auf Lazarfeld. Diese hohe Zahl der Sterbefälle lässt sich auf die neugestampften Häuser zurückführen, derer feuchte Wände gesundheitsschädigend wirkten. Im darauf folgenden Jahre (1802) kamen nur 27 Sterbefälle vor, was zwar von 74 Todesfällen in der ganzen Pfarrei auch noch viel sagen will, immerhin aber anzeigt, dass durch das Austrocknen der Häuser der Gesundheitszustand sich gebessert hat. Die Ansiedler, unsere Vorfahren, kamen zum größten Teil aus St. Hubert, Soltur und Scharlewil, den so genannten drei welschen Dörfer, vornehmlich die mit französischen Namen (Massong, Marschall, Champier, Dekreon, Descho, Dippong, Welsch, Kortje, Potje, Gajo, Hary usw. ), wie auch anderen Gemeinden des Nordbanats. Nikolaus Heß schreibt in dem Heimatbuch der drei Schwestergemeinden St. Hubert, Scharlewil und Soltur im Banat 1770 - 1927 auf Seite 150. „Um die zukünftige Verarmung der mit Kindern überreich gesegneten Familien zu verhüten, bekamen in der ersten Zeit derer jüngere bei der Heirat auch mir unter vom Kameralrat einen anderen Hof mit Session. Auch zogen Söhne oder nach Heirat des Sohnes dessen Eltern und Geschwister nach anderen, später angesiedelten Ortschaften, um dort Haus und Session zu bekommen. So zogen im Jahre 1800 mehrere nach Lazarfeld, „welche damals im Banat angesiedelt wurde“. Dazu die Erklärung: Als die 40 deutschen Kolonistendörfer nach 1781 an Edelleute verkauft wurden, wollten sich die drei Schwestergemeinden, um den Zehent und die Robot nicht mehr leisten zu müssen, von der Wiener Hofkammer loskaufen. Diese Anfrage wurde abschlägig entschieden. St. Hubert, Scharlewil, Soltur, Mastort, Heufeld und die Prädium Toba kaufte Feldzeugmeister Graf von Ferraris um 152244 Gulden im Jahre 1795. Zwei Jahre später verpachtete Ferraris das Gut auf 9. Jahre für 13 Millionen rheinische Gulden an Baron Lilien. Die Pacht samt Zinsen mussten die Bauern bezahlen. So kamen viele nach Etschka 1793, Kathreinfeld 1793, Lazarfeld 1800, Sigmundfeld 1809, Klek 1818, Stefansfeld 1795, Ernsthausen 1822, und Sartscha 1805. Es sind Sekundär- oder Zweitansiedlungen. Um nachforschen zu können, woher die Vorfahren der Lazarfelder kamen, habe ich in der zweiten Auflage der Monographie die Siedlungsorte des Banats ausführlich behandelt. Beim Einmarsch der Russen 1944 wurden die Lazarfelder Pfarr - und Gemeindebücher verbrannt. Zur Ahnenforschung dienen jetzt nunmehr die Mikrofilme der Pfarrbücher des Banats von der Ansiedlung bis 1836 im Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart, Charlottenplatz 17. Die Gemeinde Lazarfeld erhielt ihren Namen von der grundherrschaftlichen Familie Lazar, Lazarfeld. Pfarrer Nagy, dem Namen nach ein Ungar, schreibt in der ersten Sterbeurkunde Lazarfalva, deutsch: das Dorf Lazar. Diese Benennung finden wir später nicht mehr. Im Jahre 1830 wird das Ungarische als Verwaltungssprache langsam eingeführt und aus Lazarfeld wird Lazarföldje, deutsch: das Feld des Lazar. Das erste Siegel des Pfarramtes, wie auch der Gemeinde, stellt den heiligen Augustinus dar mit folgender Umschrift: „ Sigillum Parochiae Lazarfeldgyeensis“, beziehungsweise „ Sigillum Communitatis Lazarföldgye“. Von welcher Zeit die beiden Siegel stammten, kann man nicht feststellen, vermutlich nach 1830. Beim Siegel der Pfarrei könnte „Lazarfeldgyeensis“ noch der deutsche Namen sein, bei dem der Gemeinde bereits die ungarische Bedeutung d.h. Grundbesitz des Lazar. Lazarfeld und Lazarföld ist etymologische Gleichheit (Stammwortgleichheit) Feld = föld, Feld auch Acker, földje heißt Ungarisch nicht mehr mein Feld, sondern mein Grundbesitz. Ich glaube Feld = föld ist die richtige Bedeutung und nicht földje. Nach 1860 wird schon mit Lazarföld, deutsch: Lazarfeld und auch noch Lazarfödje geschrieben. Im Jahre 1868 bekamen im Torontaler Komitate die Gemeinden erneut ungarische Namen und Lazarföldje fällt allmählich weg und gebraucht wird hauptsächlich der Ortsname Lazarföld. Eisler schreibt in seiner Monographie 1900 noch immer Lazarföldje, weil er diese Benennung als die richtige hielt. Nach 1918 bekommt unser Ort den serbischen Namen Lasarevo (lese Laserewo) und nach der Besetzung des jugoslawischen Teiles des Banats durch die Deutsche Wehrmacht im Jahre 1941 hieß unsere Gemeinde wie ursprünglich wieder Lazarfeld. Unsere Leute haben immer Lasarfeld (Las`rfeld) gesagt. Nach 1944 heißt der Ort wieder Lasarevo. Wie schon erwähnt kaufte der Kameralsguts - Pächter Lukas Lazar die Herrschaft Etschka. Sein Sohn Johann Lazar war der Gründer der Gemeinde Lazarfeld. Am 10. Mai 1791 wurde Johann Lazar geadelt und 1793 übernahm er die Verwaltung des Gutes. Im selben Jahr ließ er in Etschka die Kirche erbauen und als Anerkennung erhielten sein Söhne August und Michael am 9. November 1804 das Adelsprädikat de Etschka („de“ = deutsch = von). Johann war auch Vicegespan des Torontaler Komitates und als Offizier spendete er der Militär Akademie Ludovika im Jahre 1808 über 5000 fl. Er starb, 52 Jahre alt, am 20.Juni 1809 in Etschka. Der Erbe war sein Sohn August.Ursprünglich gab es in Lazarfeld 105 ganze und 32 halbe Sessionen (Bauerngründe). Zu einer ganzen Session gehörten 32 Joch, und zwar: 24 Joch Äcker (8 Joch Winterflur, 8 Joch Sommerflur und 8 Joch Brache), 3 Joch Wiesen, 3 Joch Hutweide, 1 Joch Wiengarten und 1 Joch Hausplatz (12 Kl. Breit und 133 Kl. Lang); eine halbe Session aber bestand aus 16 ½ Joch uzw. 12 Joch Äcker (4 Joch Winterflur, 4 Joch Sommerflur und 4 Joch Brache). 1 ½ Joch Wiesen 1 ½ Joch Hutweide, ½ Joch Weingarten und 1 Joch Hausplatz. Hernach wurden die drei Langen Gassen an beiden Enden mit je 2 Kleinhäuslern verlängert, so dass nun auch 12 Kleinhäusler angesiedelt waren. Später erhielt noch jedes Haus 1/3 Joch Kleegarten. Der ursprüngliche Ansiedlungsvertrag war nicht aufzufinden, man musste sich auf die Angaben alter Leute stützen, um zu erfahren, welche Verpflichtungen die Ansiedler der Grundherrschaft gegenüber hatten. Gemäß diesen Angaben zahlten eine ganze Session jährlich 32 fl. Bargeld, 16 Metzen Weizen, 16 Metzen Hafer oder Kukuruz (Mais) und noch 2 Joch für die Herrschaft frei zu bearbeiten. Die Halbbauern dagegen zahlten jährlich 13 fl. 30 kr. Lieferten 6 Metzen Weizen, 3 Metzen Gerste, 3 Metzen Hafer, 9 Metzen Kukuruz, außerdem hatten sie ebenfalls 2 Joch frei zu bearbeiten und jährlich 12 Tage Robot (Fronarbeit, Knechtschaft) zu leisten. Die Häusler waren mit jährlichen 6 Tagen Robot belastet. Die ganzen Sessionen waren anfänglich von der Robot befreit. Diese Angaben und Gebühren wurden jedoch bei jener Erneuerung des Vertrages besonders durch Hand - und Zugkraft erhöht. Nach einigen aufgefundenen, aus den Jahren 1840 - 1855 stammenden „Frohnbüchlein“ war die Schuldigkeit in Getreide noch immer 16 Metzen Weizen, dazu kamen aber 8 Metzen Gerste, 8 Metzen Hafer, 12 Metzen Kukuruz, ferner 16 Robot, 2 Tagfahrten, ein Tag Weizentreten mir 8 Pferden und 2 Theißfuhren nach einer ganzen Session. Somit sind es 12 Metzen und 21 Tage Hand– und Zugkraft jährlich mehr geworden. Die Halbbauern aber zahlten in dieser Zeit schon 16 fl. Die Naturalienabgabe blieb dieselbe, ebenso die Robot, doch hatten auch sie ebenfalls ein Tag und eine Theißfuhr nebst einem Tag treten mit 4 Pferden zu leisten. Unter Theißfuhr versteht man Getreide bis zur Theiß abliefern und dort Baumaterial anfahren. Die Entfernung von Lazarfeld bis zur Theiß bei Neu Betsche beträgt 60 km oder bis Titel 50 km. Auf Wie viele Jahre der Ansiedlungsvertrag zwischen den Ansiedlern und der Grundherrschaft seinerzeit geschlossen, und wie oft er später erneuert wurde, konnte, wie schon erwähnt - nicht festgestellt werden. Laut einem in dem Kapitel über „Volks und Landwirtschaft“ angeführten Kauf- und Verkaufsvertrag im Jahre 1822 finden wir seitens des herrschaftlichen Plenipotentiäten (Bevollmächtigter) Lapady, der den Vertrag mit der Genehmigungsklausel versah, die Berufung auf den am 29. September 1813 abgeschlossenen herrschaftlichen Kontrakt. Demnach wurde der Ursprüngliche Vertrag schon im Jahre 1813 erneuert, erweitert oder ergänzt. Am 30 .August 1807 nachmittags um 4 Uhr brach in Großbetschkerek ein Großfeuer aus und die ganze Innenstadt wurde ein Opfer der Flammen, nur die zwei Kirchen bleiben vom Feuer verschont. Das Archiv im Komitatsgebäude, in dem vermutlich auch der Ansiedlungsvertrag von Lazarfeld aufbewahrt war, wurde vom Feuer vernichtet. Die Bewohner der Gemeinde Lazarfeld gehörten von 1800 bis 1803 zur Etschkaer Pfarrei, sie hatten in ihrer Gemeinde bloß ein Bethaus, wo sie zu gemeinschaftlichem Gebet zusammen kamen. Als Bethaus wurde zuerst das Haus mit der Hausnummer 78, später jenes von Nr. 68 benützt, bis die Gemeinde nach 1800 das Schulhaus erbaute. Bis zum Bau der Kirche wurde der Gottesdienst im Schulhaus Nr. 100 abgehalten. In der Historia Domus (Hausgeschichte) des Pfarramtes Lazarfeld erwähnte Pfarrer Hilarius Felix, dass der Etschkaer Pfarrer Josef Nagy in einem an das Schulhaus angebauten Saal über zwei Jahre hindurch die Sakramente den Gläubigen spendete. Im Jahre 1803 erhielt die Gemeinde, durch die Grundherrschaft als Patronatsherrschaft, ein selbständiges Pfarramt (Hausnummer 98) und dieses hat seit dieser Zeit auch eigene Matrikeln. Der erste Pfarrer war Hilarius Felix aus dem Orden der Misericordianer (Barmherzigen), er kam von Beodra und wirkte in Lazarfeld von 1803 bis 1805. Die erste Taufe fand, den hiesigen Matrikeln zufolge, am 1. Januar 1803 statt. Getauft wurde die Tochter Barbara der Eltern Adalbert Potie und seiner Gattin Margarethe, als Paten standen bei: Anton Kräuter und Barbara Morel. Als erster Todesfall ist vom 3. Januar 1803 die zweijährige Margarethe Scheuer verzeichnet und am 8 Februar fand eine Doppelhochzeit statt. Getraut wurden Jakob Vorwirth mit Katharina Weiß und Johann Weiß mit Ursula Vorwirth, bei beiden Paaren waren Adalbert Potie und Lorenz Reich Trauzeugen oder Beistände. Da es nicht möglich war, den Ansiedlungsvertrag mit einem Namensverzeichnis der ursprünglichen Ansiedler aufzufinden, wollen wir hier aus den Geburt - und Sterbematrikeln der ersten drei Jahre jene Namen, die 1944 in Lazarfeld vorgekommen sind, wie auch jene, die in dieser Zeit nicht mehr vorgekommen sind, anführen. Vorkommende Familiennamen sind folgende:

Bohn, Bartl, Fent (Pfendt), Fillips, Friedrich, Gajo, Harsch, Hunermann (Heinermann), Kayser, Kipper, Koch, Kristof, Lartie (Lardy), Lung, Mayer, Mie (Michi), Neu, Pent (Pfendt) Prem, Der, Simon, Schaf, Snaider (Schneider), Smidt (Schmidt), Staibel, Wagner, Welter, Wolf.

Nicht mehr vorkommende Familiennamen sind Folgende:

Bell, Busbacher, Taics (Deutsch), Eberhardt, Finadsi, Grindler, Heck, Hein, Holtz, Ipach, Jung, Kolleth, Kappel, Kuwie, Lambing, Melinger, Morel, Potie, Rab, Rath, Rayer, Rettinger, Szutrel (Sotrel), Wambach, Weiß, Weiß.

Nach dem Pfarrer Hilarius Felix wirkte von 1805 bis 1806 Johann Gerstli als Pfarrer in Lazarfeld, er ging nach Lowrin und wirkte dort segensreich bis zu seinem Tode 1820. Während der Wirksamkeit des Pfarrers Johann Gerstli wurde das Kreuz an der Straße gegen Kathreinfeld errichtet, wie dies die nachfolgende Urkunde bestätigt, sie Lautet:

„Contract“. „Welchen ich Endesgefertigter heute, als an dem untenangesetzten Datum und Jahre von mir gegeben, unter folgenden Bedingniße: Daß ich Adrian Marschall hierortiger Innsaß das zum Andenken des für uns gekreuzigten Heiland von mir auf der Kathreinfelder Straße errichtete Kreuz, zu erhalten, und zwar im gehörigen und christlichen auf erbaulichen Stand: mich Verbinde; Aus diesem bedacht habe ich ein Stiftgeld von 30 fl. als ein immerwährendes Kapital angelegt, von dessen alljährlichen Zinsen auch nach meinem Ableben zu erhalten seyn wird obgedachtes Kreuz: Die hierortiger Kirchen Kassa Abzulegen“. Lazarfeld. D. 9. Junius 1805. (L.S. ) Johann Schneider, Schulz. Adalbert Potie, Geschworener. + Blasius Dipol Geschworener. Dominikus Harsch.

Nach Johann Gerstli kam als Pfarrer Emanuel Degen aus dem Orden der Cap. Franziskaner und wirkte in Lazarfeld bis 1808. Während seiner Amtszeit wurden die Kreuze an der Straße gegen Sartscha und Großbetschkerek und vor dem Friedhof aufgestellt. Auch diese Kreuze wurden von einzelnen Familien errichtet und deren Erhaltung durch Stiftungsgelder gesichert, wie dies aus der folgenden Urkunden ersichtlich ist:

„Pro Memoria“. „ Da der Geist Gottes und Regierer der Menschlichen Herzen Zweien ehrwürdige Männer von Lazarfeld Hr. Albert Potje, Handelsmann, und Hr. Peter Forwith Mühleninhaber allhier, welche beyde als Eiferer und Beförderer der Religion und des ächten Christentums rühmlich bekannt sind, dahin bewogen hat, daß Sie, um das Andenken des Leidens und Sterbens unseres Heylandes Jesu Christi in den Herzen der Gläubigen zu erneuern und das große Geheimnis unserer Erlösung zu verherrlichen, zwey erhabene Kreuze samt daran gehefteten Kruzifixe auf eigene Kosten verfertigen ließen. Demnach ist die Errichtung und feierliche Einweihung gedachter Kreuz ex Gratiosissimo Indultu Illustritatis Suae Eppalis die 9 - a Decembris 1806 per R. D. Parochum Szarcsensem Johannem Ludov. Bellner geschehen. Das von Albert Potje gestiftete Kreuz kam außer Ort am Wege gegen Stefansfeld zu stehen; das andere aber, nämlich des Peter Forwith war vor seinem Haus mitten in der Gasse versus Coemeterium (Friedhof) errichten und eingeweiht. Damit aber die beyde Kreuze auch von den Nachkommen der edeldenkenden Guthäter bis auf die spätesten Zeiten erhalten werden möchten, so machen Beyde eine Stiftung, jeder in 30 fl. Sage: Dreißig Gulden, welches Geld wirklich richtig und paar angelegt und laut beyliegenden Obligationen sub Littera A. et B, des zweyten aber nämlich des Peter Forwith 30 fl. Stiftungsgeld bey Heinrich Bartl, Wirth allhier gegen Erstattung jährlicher Interesse 6 fl. angelegt worden. Zur Beglaubigung und Sicherheit alles dessen ist gegenwärtiger Stiftungsbrief von beyden Guthätern und Errichten der Kreuze eigenhändig Unterfertigte und von dem Orts Gerichte mit Namens Unterschrift und Gemeinde Sigill bestätigt worden“. Sig. Lazarfeld d. 14. December 1806. Adalbert Pottie Johann Schneider, Schulz Peter Vorwith L. S. Andon Greüter, ge Johann Heck, ge Schworener Sic est. Emanuel Degen Paroch, Adm. In derselben Zeit wurde auch das Kreuz an der Straße gegen Großbetschkerek von Georg Morel errichtet und für die Erhaltung hinterlegte er als Kreuzstiftungskapital 28 fl.

Im Jahre 1807 wurde der Bau der Kirche begonnen und 1809 vollendet. Kurz vor der Kirchenweihe verstarb der Gründer der Gemeinde Lazarfeld am 20. Juni 1809 Johann Lazar. Die feierliche Weihe erhielt die Kirche durch den Pfarrer und Dechant Adam Magditsch aus Großbetschkerek am 12. November 1809. Zum Kirchenpatron wurde der Namenspatron des Grundherrn und Erbauer der Kirche August Lazar, der heilige Augustinus gewählt. Er war Bischof von Hypo und Kirchenlehrer. In der Regel war es so eingeführt, daß die Grund- und Patronatsherrschaft die Kirche erbauen ließ, doch die Bewohner des Ortes mussten die dazu notwendigen Hand- und Spanndienste leisten. Die Bewohner der Gemeinde Lazarfeld hatten nun wohl ihre eigene, schöne Kirche, doch fehlte ihr die innere Einrichtung, für welche die Gemeinde zu sorgen hatte. Die Gemeinde war in dieser Zeit noch arm und konnte sich keine größeren Auslagen leisten. Um die notwendigen Einrichtungen für das durch die Patronatsherrschaft erbaute Gotteshaus anschaffen zu können, entlehnte sie als Korporation ( Körperschaft) die vorher angeführten Kreuzstiftungen und stellte der Kirche Obligation wie folgt wörtlich aus: Obligation

"Wir Unterfertigte als Vorsteher machen hiermit bekannt in Namen, und auf Einwilligung der Ganzen Gemeinde, daß wir das Stiftungsgeld zur Erhaltung der auf unseren Teren errichteten Kreuze, und zwar von Adalbertus Potje 30 Rh. H. von Peter Forwith dem älteren 30 Rh. H. von Adrian Marschall 30 Rh. H. und von Georg Morel 28 Rh. H. in Summa 118 Rh. H. übernommen haben um dieses Geld zur Einrichtung der neu aufbauten Kirche zu verwenden und an der statt des Interessen obligirt sich die Lazarfelder Gemeinde die oben genannten Kreüze, immer, und ewig zu reparieren und zu erhalten. Sig. Lazarfeld den 3. Dezember 1809. ( L.S.) Adalbert Pottie, Ortsrichter, Heinrich Dell, Geschworenen. Johann Heck, Geschworener. + Johann Steinmetz, + Joseph Welter Adam Wagner, + Lorentz Wolf, + Frantz Schira, + Gregor Mie, + Heinrich Ney, + Conrath Gemel. Ezen összeget Lazarfölje közseg az 1897. evi November ho 3- an minden hiany nelkül visszafizette es a keresztek tovabi fentartasa alol felmentetett. Lazarföldje, 1897. evi nov. ho 3 - an. ( L.S.) Olajos Jozsef, Plebanos. Deutsch: Diesen Betrag hat die Gemeinde Lazarföldje am 3. November 1897 voll zurückbezahlt und somit von der weiteren Erhaltung der Kreuze entbunden. Die Gemeinde hatte demnach volle 88 Jahre hindurch für die Erhaltung der Kreuze gesorgt und laut Bestätigung des Pfarrers Josef Olajosch das seinerzeit entlehnte Stiftungskapital zurückgezahlt, somit auch sich der von ihren Vorfahren ihr auferlegten Verpflichtung entledigt.

"Das Jahr 1810", schreibt Eisler in seiner Monographie, "bildet den Glanzpunkt in der Geschichte von Lazarföldje. Im genannten Jahre fand nämlich ein Ereignis statt, das, unserem Wissen gemäß, keine Gemeinde Ungarns in ähnliche Beispiele aufweisen kann und das von dem schönsten, innigsten Verhältnisse zwischen Herrschaft und Untertan beredtes Zeugnis abgibt. Die Grundherrschaft wählte die ganze Gemeinde zum Paten ihrer neugeborenen Tochter und der Ortsrichter(Bürgermeister) trug das Kind in Vertretung der Gemeinde zur Taufe. Diese Tatsache ist im Taufprotokoll zu Etschka wie folgt eingeschrieben:

Anno 1810 mense Augusto die 30-a Infantem Emiliam, Luduvicam, Vilhelminam Parentum Illustrissimi Domini Augustini Lazar de Etska Insurrectionalis Militiae Collonelli et Illust. Dominae Elisabethae leg. Conj. Levantibus Nomine totius Communitatis Lazarfeld: Alberto Potie judice. Baptisavit Josephus Nagy Parochus loci." Deutsch: Am 30. des Monats August 1810 hat Josef Nagy, Ortspfarrer, das Kind Emilie, Ludovika, Wilhelmine der hochgeborenen Eltern August Lazar de Etschka, Insurrektions Oberst und dessen. hochgeborenen gesetzlichen Gattin Elisabeth getauft. Taufpate war im Namen der ganzen Gemeinde Lazarfeld Adalbert Potie, Richter.

 Daß hochgestellte Personen, Grafen und Fürsten, selbst gekrönte Häupter bei niedrigen, armen Leuten als Paten fungierten, war damals keine Seltenheit; daß aber hochgestellte Personen, wie in diesem Falle eine Herrschaft, ihre armen Untertanen zum Paten wählten, war vor 1848 gewiss etwas Einmaliges. Durch diese Patenschaft war die ganze Gemeinde in vorzüglicher Weise geehrt und ausgezeichnet. Die Gemeindebewohner waren aber auch nicht wenig stolz auf ihre Patenschaft, denn so oft und bei welcher Gelegenheit immer von der Herrschaftstochter die Rede war, hieß es stets: "Das ist ja uns're Godl." Die Godl war an einen holländischen Edelmann Benzon verehelicht und starb kinderlos am 15.Oktober 1871 zu Etschka." Die im Jahre 1811 stattgefundene Devalvation (Herabsetzung) des Geldes in seinem Werte war für Österreich- Ungarn, also auch für unsere Gemeinde, von großem Nachteile. Die Schuldenlast des Landes betrug 1060 Millionen Gulden, eine damals unerhört hohe Summe. Das Silber und Gold verschwand gänzlich aus dem Verkehr. Es konnte nur durch die Herabsetzung des Geldwertes dem trostlosen Zustande ein Ende bereitet werden. Der Wert des Geldes wurde auf ein Fünftel herabgesetzt, die Staatsschuld sank demnach auf 212 Millionen Gulden herab; aus 5 fl. wurde l fl. Auch das Kupfergeld wurde herabgesetzt. So wurden 15 Kreuzer (damals 1/4 Gulden) 3 Kreuzer, 30 Kreuzer (damals l/2 Gulden) 6 Kreuzer, beide Kupfermünzen waren später als Groschen- und zwei Groschenstücke bekannt. Diese Geldentwertung brachte viel Leid und Verwirrung, denn jeder Staatsbürger verlor dadurch über Nacht vier Fünftel seines Vermögens. So freudevoll das Ereignis der Taufe der Grundherrschaftstochter für. Die Gemeinde Lazarfeld war, umso schmerzlicher berührte die Lazarfelder der tragische Tod des Michael Lazar in unserer Gemeinde. Im Herbst des Jahres 1815 gerieten die Brüder August (Erbauer unserer Kirche) und Michael Lazar wegen der Verteilung einiger Ochsen in einen Streit, welcher auch auf deren Untertanen überging. Michael Lazar, in Neupetsch wohnend, kam nach Etschka und ließ ohne Wissen seines Bruders August Lazar die Ochsen wegtreiben. Letzterer befahl seinen Leuten, die Tiere wieder zurückzubringen, doch wurden sie durch die Leute des Michael Lazar verhindert. Die Untertanen der beiden Brüder teilten sich in zwei Lager und es entspann sich ein förmlicher Krieg zwischen den Bewohnern von Lazarfeld (Anhänger des Michael Lazar) und jenen von Sigmundfeld und Etschka (Anhänger des August Lazar.) Verfolgt von den Leuten seines Bruders, flüchtete Michael Lazar in das Lazarfelder Gemeindehaus, das damals noch Herrschaftshaus war. Einer von den Verfolgern schoss durch die Zimmertür und verwundete Michael Lazar. Der Schwerverletzte wurde in das Lazarfelder Pfarrhaus gebracht und dort gepflegt. An den Folgen seiner Verwundung starb der 43-jährige Michael Lazar am 11. Dezember 1815 und wurde in der Familiengruft in Etschka begraben. Die ganze Begebenheit war auch in Druck erschienen, doch hat die Grundherrschaft sämtliche Exemplare eingesammelt und vernichten lassen. Pfarrer Pater Illuminatus Galyi, der von 1808 – 1825 in Lazarfeld wirkte, erwähnt in der "Historie Domus", das sowohl im Jahre 1814, aber besonders im Jahre 1815 außergewöhnliche große Regengüsse die Felder der Gemeinde überschwemmten. Sogar die Straßen waren überschwemmt, der Verkehr zwischen Lazarfeld und Großbetschkerek, Lazarfeld und Etschka war unmöglich. Durch das Hochwasser konnte das Feld nicht bestellt werden, die Ernte fiel aus und es herrschte Hungersnot. Dazu kam noch ein strenger Winter; am 2. Februar 1816 brach eine so außergewöhnliche Kälte ein, dass die Leute es nicht wagten, aus der Stube zu kommen. Noch lange nachher erwähnten die Lazarfelder diesen überaus kalten Tag, den sie nur den "kalten Montag " nannten.

Wie schon erwähnt, waren Umsiedlungen aus den Kontraktualistengemeinden häufig. Nach dem vierten Türkeneinfall suchte man für das schwach besiedelte Grenzgebiet neue Siedler. So verließen 20 Familien im Jahre 1817 unsere Gemeinde und wanderten nach Franztal bei Semlin. Die Gründe der Umsiedlung sind heute schwer festzustellen. War es der im Jahre 1813 erneuerte Ansiedlungsvertrag oder aber die letzten nassen Jahre, wo das Grundwasser hochstieg und Hungersnot verursachte, oder vielleicht auch beides.

Die erste Kirchenorgel kaufte die Gemeinde im Jahre 1815 am 9.Oktober um 1150 fl. W.W. Zum Kaufpreis spendete die Grundherrschaft 500 fl. Es war eine gebrauchte Wäld'sche Orgel und wurde von der Gemeinde Marienfeld gekauft, von Lazarfeld kam sie 1883 nach Neusin, Orgelbauer Wälder war damals sehr bekannt, daher trifft man im Banat viele Wäld'sche Orgeln. Der bis zum Jahre 1884 im Gebrauch gewesene Baldachin (Himmel) wurde im Mai 1815 angeschafft. Zur Anschaffung des Baldachins spendeten: Josef Kräuter 50 fl., Andreas Jakschitz 10 fl., Heinrich Kappel 5 fl., Peter Vorwith der ältere 20 fl. und Simon Franges (der spätere Zoldy de Zold) Sfl. zusammen 90 fl. Die Kirchenkasse gab noch 53 fl. dazu, somit kostete der Baldachin 143 Gulden W.W. Zur Anschaffung des neuen Baldachins spendeten: Josef Massong HNr.95, dessen Bruder Peter Massong, Johann Welter und Franz Welsch je 40 fl. Ö.W. Ihre Namen waren in den vier Trägerstangen vermerkt. Die Stifter und später ihre Nachfolger trugen bei Prozessionen den Baldachin, er zierte unsere Kirche im Presbyterium bis zur Vertreibung. Die erste kleine Glocke kaufte die Gemeinde im Jahre 1804, sie wurde in Großbetschkerek auf den Namen des heiligen Florian geweiht. Am 4. Juni 1817 fand in Lazarfeld die erste Firmung statt. Bei dieser Gelegenheit weihte der Bischof Ladislaus Kößeghy de Remete die damals angeschafften zwei größeren Glocken feierlich ein. Die größere, fünf Zentner schwere Glocke wurde der seligsten Jungfrau und Muttergottes Maria, die kleinere, drei Zentner wiegende Glocke aber dem heiligen Augustinus zu Ehren geweiht. Diese beiden Glocken zersprangen gegen Ende des Jahres 1888 und wurden dann durch den Glockengießer Anton Novotny in Temeschwar für den Betrag von 500 fl. umgegossen. Unter Beibehaltung derselben Namen wurden die Glocken in Temeschwar geweiht und wieder ihrer Bestimmung übergeben. Das nötige Geld entlehnte sich die Gemeinde aus der Kirchengeldstiftungskasse und zahlte den Betrag später nach und nach aus der Kultuskasse wieder zurück. Im zweiten Jahr des ersten Weltkrieges (1915) musste die Gemeinde die zwei großen Glocken für die Kriegsindustrie abliefern. Im Kirchturm blieb bloß die kleine Glocke. Erst nach acht Jahren konnte man wieder neue Glocken anschaffen. In der Gemeindekasse fehlte aber dafür das nötige Bargeld, daher streckte Herr Johann Brem zinsfrei der Gemeinde für den Glockenkauf 50000 Kronen vor. Die Gemeinde kaufte in Modosch zwei neue Glocken. Die dritte, große Glocke spendete allein Herr Michael Bohn im Jahre 1928. Der alte hölzerne Glockenstuhl wurde durch ein Eisengerüst ersetzt. Das Glockengeläut war im A-Akkord abgestimmt. Das festliche Geläute der vier Glocken war weit über unser Dorf zu hören und rief bis zur Vertreibung an Sonn- und Feiertagen die Gläubigen zum Gottes-Dienste. Noch im selben Jahre, 1817 spendeten Simon Franges (nachmals Zoldy de Zold) und Peter Vorwith der ältere der Kirche für 200 fl. W.W. eine Altarlampe, welche bis zum Jahre 1893 im Gebrauch war. Im gleichen Jahre spendete das Ehepaar Franz und Anna Klötzl 100 fl. Ö.W. zum Ankauf einer neuen Altarlampe, die bis zur Vertreibung erhalten blieb. Im Jahre 1821 zählte unsere Gemeinde 1332 Einwohner.

Nach 17-jährigem segensreichem Wirken starb am 17.November 1825 der allgemein beliebte Pfarrer Pater Illuminatus Galyi aus dem Franziskanerorden. Er war der erste Pfarrer, der in Lazarfeld begraben wurde. Nach ihm war Sylvester Jablonsky vom 17.November 1825 bis 26.März 1826 als Pfarradministrator tätig. Er war später Pfarrer in Jabuka (Apfeldorf) und starb als Jubilarpriester in Startschewo. Auch Johann Lener, der nach dem Pater Illuminatus Galyi die hiesige Pfarrei erhielt, starb nach zweijähriger Wirksamkeit am 8.Mai 1828 und ist ebenfalls in Lazarfeld begraben. Die "Historie Domus" erzählt uns ferner, daß am 24.September (am Tag des hl. Gerhardus) und am 15.Oktober (am Tage der hl. Theresia) des Jahres 1826 der Erzieher bei der Grundherrschaft, Pater Scheftschick jedes Mal ein feierliches Hochamt hielt. Auf dem Chore wurden unter der Leitung des Kapellmeisters Kratochwill von dem berühmten Musikkomponist Kratochwill aus Bayern in Anwesenheit der herrschaftlichen Familie musikalische Messen aufgeführt. Die Orgel spielte der junge Grundherrnsohn Sigmund Lazar. Aus welchem Anlasse die beiden Festmessen stattfanden, ist nicht angegeben. Vermutlich wollte man von den musikalischen Kenntnissen des Grundherrnsohnes Zeugnis geben. Ob der genannte Kapellmeister Kratochwill mit dem damaligen berühmten Regensburger Domchordirigenten und Komponisten Kratochwill identisch ist, wäre ebenfalls noch aufzuklären. Nach dem verstorbenen Pfarrer Johann Lener kam Adam Schwerthöfer am 1.Juni 1828 als Pfarrer nach Lazarfeld und wirkte bis 20.März 1842. Wegen seines dichten, Aufwärtsstehenden Haares nannten ihn seine Gläubigen "Stachelpfarrer". Alte Leute erzählten noch später, daß er ein äußerst strenger, in seinem Dienste aber überaus eifriger Priester gewesen sei, so dass in dieser Hinsicht niemand, selbst sein ärgster Feind ihm nicht näher treten konnte. Brautleute mussten öfters wochenlang auf ihre Trauung warten, bis sie die vorgeschriebene Religionslehre und die üblichen Gebete erlernt hatten. Auch soll er ein besonders großer Feind des Tabakrauchens gewesen sein. Wer dem Pfarrer begegnete und seine Pfeife nicht rechtzeitig verbarg, musste sie vor ihm zertreten. Auch die auf dem Wagen fahrenden Raucher ließ er, besonders zur "Beiführzeit", stille halten, nahm ihnen die Pfeife ab, legte sie unter das Wagenrad und hieß sie dann fortfahren. Man muss bedenken, daß dieses drastische Vorgehen noch vor 1848 war. Im Frühjahr des Jahres 1831 trat eine bisher unbekannte, furchtbar ansteckende Seuche, die "Asiatische Cholera" auf, welche selbst die kräftigsten Menschen innerhalb einiger Stunden dahinraffte. Diese schreckliche Krankheit, der Tausende Menschen zum Opfer fielen, wurde durch Tataren, welche die Russen im Kriege gegen die Polen einsetzten über Galizien nach; Ungarn eingeschleppt. Hauptsächlich forderte die Seuche ihre Opfer auf den Dörfern, wo es noch kaum Ärzte und Apotheken gab. Dieses Jahr war auch für die Bewohner unserer Gemeinde recht traurig. Der erste Cholerafall ereignete sich in Lazarfeld am 1.April und diese fürchterliche und schreckliche Krankheit muss in unserem Dorf außergewöhnlich arg gewütet haben. Wenn wir bedenken, das in diesem Jahre 311 Todesfälle waren, von welchen über 250 der Cholera zum Opfer fielen, können wir uns ein beiläufiges Bild von dem großen Unglück, das unsere Ahnen traf, vorstellen. Das war die erste Cholera in Lazarfeld und dauerte bis 10.Oktober. Besonders viele Ehegatten wurden durch diese schauerliche Seuche von einander getrennt. Noch im gleichen Jahre wurden 42 und im nächsten Jahre aber 46 Ehen geschlossen, also eine Zahl, die in den folgenden hundertfünfzehn Jahren nicht mehr erreicht wurde. Im Banat wütete die Cholera auch noch in den Jahren: 1836, 1839, 1849, 1859, 1866, 1873 und 1893. In Lazarfeld jedoch nur in den Jahren 1836, 1849 und zuletzt im Jahre 1873, stets in geringerem Grade.

Am 7. August 1833 starb in Etschka der Grundherr und Erbauer unserer Kirche Insurrektions - Oberst August Lazar. Alleinerbe war sein Sohn Sigmund Lazar. Die Mutter des neuen Grundherrn Elisabeth geborene Gyorogi Edelsbach half ihm bei der Verwaltung des Gutes. Im Jahre 1834 brannten die zwei Rossmühlen beim Friedhof ab. Der Besitzer ließ die zwei Gänge wieder aufbauen. Am 3. Mai 1836 war zum zweiten Mal Firmung in Lazarfeld und zwar durch Bischof Josef Lonowitsch de Krivina. Bei dieser Gelegenheit hielt der Bischof auch die übliche kanonische Visitation. Laut diesem kanonischen Visitationsprotokoll war der dritte Tag der drei höchsten Feiertage (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) schon seit dem Bestand der Pfarrei als Gemeindefeiertag gehalten worden, an welchem stets um 7 Uhr früh das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt und um 9 Uhr ein Hochamt, nachmittags aber Litanei abgehalten wurde. Auch der 1.Mai und der 2.Juli galten als Gemeindefeiertag und zwischen diesen beiden Tagen wurde jeden Donnerstag ein Hochamt gegen Hagelschäden gelesen. Es waren dies die so genannten "Hagelämter" welche halten zu lassen die Gemeinde gelobt hatte und von ihnen werden wir später noch mehr berichten. Im Frühjahr 1841 war der ganze Hotar der Gemeinde abermals infolge der vielen Regengüsse arg überschwemmt. Trotzdem der Sommer trocken war, ging in diesem Jahre die Fechsung verloren. Bei regennassen Jahren hat das steigende Grundwasser stets Überschwemmungen verursacht. Wenn innerhalb kurzer Zeit mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlagsdurchschnitts (660 mm) niedergeht, so übertrifft die Ballung des Wassers das Speichervermögen des Bodens und verursacht Überschwemmungen. Weil unser Hotar eben ist und kein Gefälle hat, versuchte man das Wasser durch Gräben abzuleiten. So wurde noch in diesem Jahre durch die Untertanen als Robotleistung der heute noch vorhandene tiefe Graben zwischen der Herrschaft Etschka und Itebe gegraben. Er verbindet die Sozov (Schos'e) mit der Bega und sollte das Regen- und Schneewasser ableiten. Leider hat der Graben nur teilweise seinem Zweck entsprochen, er blieb immer nur ein Gemeindegrenzgraben.

Vorgekommene Elementarereignis und - Schäden in den Jahren von 1830 – 1850 waren: Der überaus kalte und lange Winter von 1830, auf welchem ein unfruchtbarer Sommer folgte. Die Ausdünstungen der vielen, anhaltenden kalten Niederschläge von 1831 trugen zur Ausbreitung der eingeschleppten Cholera wesentlich bei. Am Christiehimmelfahrtstag, 12. Mai 183; vernichtet der Schneefall in Begleitung von großem Frost die junge Saat. Zur großen Trockenheit in diesem Sommer kam noch die Feldmäuseplage, die restliche Herbsternte so vernichtete, daß die Haustiere fast verhungerten. Die zwei Erdbeben in der Nacht vom 23.Dezember 1837 und am 23.Jänner 1838 waren so heftig, daß die Schornsteine vieler Häuser einstürzten und Risse an den Gebäuden verursachten. Im Sommer 1838 stand ein Teil unseres Hotars wieder unter Wasser. Im Jahre 1846 herrschte abermals ähnlich wie vor zehn Jahren eine große Trockenheit. Der Sommer des Jahres 1849 brachte sehr zahlreiche Heuschreckenschwärme, die über die Ernte fielen und sie teilweise vernichtete. Die Wanderheuschrecke wird bis sechs Zentimeter lang und durchzieht fliegend große Gebiete. Pfarrer Adam Schwerthöfer kam im Jahre 1842 von Lazarfeld nach Glogowatz und seine Stelle erhielt Pfarrer Karl Christ. Wegen des schadhaften Turmdaches musste der Kirchturm in diesem Jahre abgetragen und ausgebessert werden. Der frühere schlanke, spitzige Turm erhielt jetzt eine kuppelförmige Gestalt, die bis zum Einmarsch der Russen im Oktober 1944 erhalten blieb. Im Jahre 1849 ließ die Gemeinde das Sanktuarium recht geschmackvoll ausmalen, diese Malerei zierte die Kirche bis zum Sakristeibrand 1891

Im Jahre 1848 kam es in mehreren Ländern zu neuen gewaltsamen Versuchen, eine neue freiheitliche Ordnung zu erreichen. Aus Frankreich griffen die Unruhen auf deutsche Länder über und pflanzten sich nach Österreich fort. Hier waren es vor allem die Ungarn, die nach nationaler Freiheit und staatlicher Unabhängigkeit drängten. Kaiser Ferdinand I. 1835 - 1848 (bei den Ungarn der V. und Sohn des Kaisers Franz I. 1792 - 1835) wollte den übertriebenen Forderungen der Ungarn nicht nachgeben. So griffen die Ungarn zur Gewaltanwendung, vertrieben die Vertreter des alten Staates und erklärten sich zu einem freien und unabhängigen Ungarn. Ihr Anführer war der nationalistische Vorkämpfer Ludwig Kossuth. Die in Ungarn lebenden anderen Nationalitäten, die mehr als die Hälfte der Bewohner zählten, konnten sich mit der ungarischen Alleinherrschaft nicht abfinden. Der Kaiser sorgte sich um ihre nationale Zukunft und betrachtete sie als seine Bundesgenossen. Diese konnten sich noch eher der Herrschaft des Kaisers und Österreichs in einem übervölkischen Staate unterwerfen als einer Bevormundung durch neue, nationalistisch eingestellte Machthaber in einem neuen ungarischen Staatsgebilde. Seit den Türkenkriegen wurde das Donauland jetzt erstmalig wieder zum eigentlichen Kriegsschauplatz. Die Ungarn kämpften gegen die kaiserlichen Heere. Gegen die Ungarn erhoben sich die Serben, die Kroaten, die Slowaken und später die Rumänen. Die serbischen Gesandten von Neusatz verlangten anfangs April 1848 von der neuen ungarischen Regierung in Pressburg ihre nationale Freiheit und Selbständigkeit. Die Regierung lehnte ihre Forderungen ab. Schon am 24.April hissen die Kikindaer Serben im Banat ihre Fahne auf das Rathaus, forderten die Aufteilung der Staatsfelder, vertrieben die dort. kasernierten Husaren (Reiter) und plünderten die Stadt. Während Oberst Ernest Kiss, Grundherr von Elemir und Itebe, die aufständischen Serben in Kikinda niederschlug und ihre Anführer erhängen ließ, versammelten sich 300 - 400 Serben in Betschkerek und verbrannten vor ihrer Kirche die in ungarischer Sprache geschriebenen Matrikelbücher. Der serbische Nationalkongress, in Karlowitz rief am 13.Mai 1848 den Erzbischof von Karlowitz Josef Rajasitsch zum Patriarchen aller Serben der Monarchie und die serbische Wojwodschaft aus. Sie wählten den Obersten Stephan Schuplikatz zum Wojwoden der serbischen Nation. Ihr Anführer Stratimirowitsch rief die Serben der Monarchie zum Freiheitskampf gegen die Ungarn auf. Die Sammellager waren Alibunar, Tomaschewatz, Perles, Lagerdorf und in den Römerschanzen. Oberst Drakulitsch organisierte den Aufstand in den Gemeinden der Militärgrenze. Die Militärgrenze, bis 1848 ein unter österreichischer Militärverwaltung stehendes Gebiet Ungarns, wurde am 7. Mai 1848 an Ungarn zurückgegeben und das in Ungarn stehende kaiserliche Militär dem ungarischen Verteidigungsminister unterstellt. Dies löste nicht nur bei der slawischen Bevölkerung Unwillen aus, sondern auch beim österreichischen Militär. In den Lagern sammelten sich etwa 10000 Aufständische, ihnen schlossen sich Serbianer (aus dem Fürstentum Serbien) an, die aber hauptsächlich auf Mord und Raub eingestellt waren. Anfangs zählte das serbische aufständische Heer 20000 Mann. Ihnen gegenüber standen 10000 gut bewaffnete ungarische Honved, unter der Führung von Bechthold und Kiss. Zum ersten Kampf kam es am 15.Juli 1848 zwischen den Serben aus dem Perlaser Lager und den Ungarn. Am 23.Juli besetzte Stratimirowitsch Pantschowa und schlug dort seinen Sitz auf. Weitere kleine Kämpfe fanden am 3.August bei Neusin, 5.August brannten die Serben Ernsthausen und einen Teil von Sartscha nieder. Weitere Kämpfe am 28.August wieder bei Etschka, am 29.August bei Stefansfeld und 5.Oktober in Sigmundfeld usw. Der Feldhüter Matthias Herf aus Sigmundfeld wurde bei Tomaschewatz von den Serben geköpft und sein Kopf auf eine Lanze an der Brücke aufgespießt. Die Ungarn erhielten von der Regierung Verstärkung und so konnten sie Drakulitsch angreifen. Die erste größere Niederlage erlitten die Aufständischen am 3.September bei Perles. Das Dorf wurde von den Ungarn niedergebrannt und ganz zerstört. Kiss ließ in Sigmundfeld ein Feldlazarett errichten. Die Bewohner unserer Gemeinde waren deshalb in ständiger Aufregung und Furcht, daß auch ihre Wohnstätten über Nacht eingeäschert werden könnten. Mit den notwendigen Habseligkeiten waren die Wagen beladen und zur Bespannung immer in Bereitschaft gestanden. Damit man aber rechtzeitig von der drohenden Gefahr verständigt sei, wurden an der Südseite des Ortes, von woher man den Feind zu erwarten hatte, strenge und verlässliche Wachen aufgestellt. Ein großes Glück für unsere Gemeinde war General Ernest Kiss, dessen Hauptquartier in Betschkerek war, von wo aus er die zahlreichen Angriffe der Serben in unserer nächsten Nähe, im Dezember bei Jarkowatz, Tomaschewatz, Botosch und Sigmundfeld, abwehrte. Der zweite Beschützer unserer Gemeinde war der gefürchtete Räuberhauptmann Schandor Rozsa, der sich mit seiner 200 Köpfe zählenden Freischaar (Reiter) mehrere Wochen in Lazarfeld und Klek aufhielt. Den Serben war sein Aufenthaltsort bekannt, daher mieden sie unsere Gemeinden. Schandor Rozsa wollte sich im Freiheitskampf seines Vaterlandes bewähren, damit er für seine früheren argen Vergehen begnadigt werde. Er wohnte in dem Hause Nr.103 war leutselig und freundlich, verkehrte mit den Dorfbewohnern, lud Gäste ein und bewirtete sie. Wegen seines heiteren Wesens, seiner flinken Bewegungen und lebhaften Ganges gefiel ihm der Bauer Johann Lardy (Stef's Hansi) besonders gut. Bei einer Gelegenheit behauptete Lardy er könnte den Räuberhäuptling bekämpfen. Er ging auf einen Ringkampf ein wobei ihm Lardy tatsächlich besiegte. Darauf ' richtete er folgenden Antrag: "Lardy, bisher hat mich noch keiner besiegt, komme mit mir, ich nehme dich in meine Gefolgschaft auf!" Bei seinem Abzug von Lazarfeld wollte Schandor Rozsa den ihm lieb gewordenen Lardy allen Ernstes dazu überreden, dass er mit ihm ziehen möge. Lardy aber dankte für die Ehre und blieb Zuhause. Ende August traf der Räuberhauptmann mit seinen Reitern in Werschetz ein. Er sollte, von dem ungarischen Ministerium begnadigt, seine Reiter anführen und die Stadt schützen helfen. Sein Erscheinen auf dem südlichen Kriegsschauplatz löste bei den ungarischen Offizieren Empörung aus. Im Kampfe um Lagerdorf nahm auch Rozsa mit seinen Reitern teil. Dort zeigte es sich, daß seine Leute mehr auf das Morden und Plündern ausgingen; das führte schließlich zu Auflösung seiner Truppe. Im Jahre 1860 wurde Schandor Rozsa nach Kufstein abgeführt.)Die Ereignisse der Revolution waren die Auswirkung tatsächlich vorhandener nationaler politischer Kräfte, die nicht mehr zu übersehen waren. Eine Neuordnung des Staates musste deshalb mit diesen Gegebenheiten rechnen. Es war Österreich nur mit russischer Hilfe möglich, der Revolution Herr zu werden. Der Staat war nicht mehr in der Lage, die widerstrebenden Kräfte, die hauptsächlich aus der nationalen Orientierung kamen, zu bändigen. Österreich musste deshalb seine Existenz auf eine neue Grundlage stellen, andernfalls trieb es unweigerlich der Auflösung und dem Untergang entgegen. Am 5. Januar 1849 zogen die österreichischen Truppen unter Führung des Herzogs Windischgrätz in Budapest ein. Nachdem sich die ungarischen Truppen aus Südungarn zurückzogen, konnten die Serben ohne Widerstand dieses Gebiet besetzen. Banat und Batschka wurden Bestandteil der neu geschaffenen österreichischen Provinz "Serbische Wojwodschaft und Temescher Banat", mit Temeschwar als Hauptstadt. Als Militärkommandant und später als Landesoberhaupt der Wojwodschaft und des Banats wirkte bis 1851 Ferdinand Mayerhofer. Er arbeitete schon früher als österreichischer Gesandter in Serbien mit den Aufständischen auch auf militärischem Gebiet eng zusammen. Eine serbische Wojwodschaft gab es in Wirklichkeit auf ungarischem Boden nie.

Auf dem großen Gebiete, das die Aufständischen beanspruchten, lebten mehr Nichtserben als Serben. Ihren Wünschen stand man in Wien von vornherein ablehnend gegenüber. Darum wurde auch das Deutsche als Verwaltungssprache im Banat bis zum Ausgleich 1867 wieder eingeführt. Mayerhofers Nachfolger wurde General Graf Johann Cronberg. In dieser so genannten Bachzeit legte Österreich im Banat und in der Batschka die Grundbücher an und gründete Steuerämter. Am 4.Jänner 1851 erschien die erste deutsche Zeitung "Das Wochenblatt", in Betschkerek. Im Jahre 1852 bereiste der junge Kaiser Franz Josef I. den größten Teil der neu gegründeten Wojwodschaft, ließ auf Staatskosten Straßen bauen und ordnete die Regulierung der Flüsse Theiß und Bega an. Nach dem verlorenen Krieg im Jahre 1859 gegen Italien, söhnte sich der Wiener Hof mit seinen Völkern aus. Die Ungarn forderten die Auflösung der "Serbischen Wojwodschaft und Temescher Banat". Die amtliche Auflösung geschah am 27.Dezember 1860. Die erste Abgeordnetenwahl für den Landtag fand am 23.März 1861 statt. In unserem Wahlbezirk St.Georgen wählte die Bevölkerung Willibald Bogdanowitsch. Schon am 22.August ließ der Kaiser diesen Landtag bis zum Ausgleich 1867 auflösen. Kaiser Franz Josef I. regierte von 1848 bis 1916 und war der Neffe des Kaisers Ferdinand I. (bei den Ungarn der V.). Wie schon erwähnt, stellte Kaiser Joseph II. das freie Zugrecht der Bauern her. Durch das Urbarialgesetz vom Jahre 1836 wurden die kleineren Dienstleistungen, Abgaben von Hühnern, Eiern, Butter usw. abgeschafft, nur Robot und Zehent hielt man noch aufrecht. Erst der Landtag vom Jahre 1848 hob endlich in seinem IX. Gesetzartikel das Frondienstwesen, Robot und Zehent mit allen Abgaben der Bauern an ihren Grundherrn für ewige Zeiten auf. Dies galt jedoch nur für die Urbarialisten. Der nächste Landtag sollte die Lage der armen Kontraktualisten endgültig regeln. Wegen der Revolution trat das Gesetz erst im Jahre 1873 in Kraft.

Die denkbar traurigste Vergangenheit hatte die Gemeinde Lazarfeld in der Zeit von 1855 bis 1879. Der Pachtvertrag zwischen der Grundherrschaft und der Gemeinde lief 1855 ab und sollte wieder erneuert werden. Den veränderten Zeitverhältnissen entsprechend, hätten die Lazarfelder als Kontraktualisten auch größere Lasten übernehmen sollen. Der Grundherr Sigmund Lazar de Etschka, k.k. Generalmajor a.D., hielt sich damals in Bukarest auf und überließ die Abschließung eines neuen Vertrages seinem Bevollmächtigten Josef Lapady, der sich alle Mühe gab, eine neue Vereinbarung mit den Untertanen seines Herrn zustande zu bringen. Er versprach, einen Vertrag auf 20 bis 30, ja sogar auf 50 und noch mehr Jahre abzuschließen. Dabei machte er die prophetische Bemerkung, es werde eine Zeit kommen, in welcher man seine wohlgemeinten Absichten zu spät erkennen werde. Leider hatte er recht! Die armen Kontraktualisten, einerseits durch die Urbarialansiedler befreienden 1847/48. Gesetze, anderseits durch die Schlagworte: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie auch durch gewissenlose Agitatoren verblendet und irregeleitet, waren zur Abschließung eines nur unwesentlich schwereren Vertrages, als sie bisher hatten, nicht zu bewegen. "Nicht 20 bis 30 Jahre dauernde Verträge brauchen wir, auf ein Jahr lautende Kontrakte ist zu lange, das Feld gehört unser", sprachen einige Wort- und Anführer. Dadurch kam es zu einem gänzlichen Bruch. Einige von den Besonnenen sahen wohl ein, dass die Weigerung einen neuen Vertrag zu schließen, zu keinem guten Ende führen kann. Weil sie jedoch in der Minderheit waren, trauten sie sich nicht, ihrem Bedenken Ausdruck zu verleihen. Der herrschaftliche Bevollmächtigte, einsehend die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen, zog sich zurück und stellte weitere Verhandlungen ein. Erst im Herbst 1855 meldeten sich 60 Lazarfelder zur Abschließung des neuen Pachtvertrages. Jeder Pächter sollte 19 Joch Feld erhalten, nämlich 4 Joch für Wintersaat, 4 Joch für Hafer, 4 Joch für Mais, 4 Joch in der Brache und 3 Joch Hutweide. Doch war die Pacht bedeutend höher, denn sie mussten jetzt jährlich für ein Joch 4 Metzen Weizen, 7 Metzen Hafer, 12 Metzen Mais in Kolben oder 6 Metzen in Kern in das herrschaftliche Magazin abliefern und noch 2 Joch Weizen sowie 2 Joch Mischling für die Benützung der Hutweide frei bearbeiten. Es ist verständlich, daß sich die Bauern gegen diesen hohen Pachtvertrag (früher für ein Joch etwa 1,5 Metzen) auflehnten. Jeder, der solchen Vertrag einging, erhielt auch zugleich noch so viel Halbscheidfeld, als er bearbeiten konnte. Wer den neuen Vertrag nicht unterzeichnete, erhielt auch kein Halbscheidfeld. Zuletzt blieben nur noch 42 Lazarfelder, die auf diese Bedingungen eingingen, alle übrigen blieben ohne Pachtvertrag und somit auch ohne Feld. Die Grundherrschaft ging soweit, dass sie die so genannten "Anführer" als abschreckendes Beispiel sechs Familien mit ihren Habseligkeiten aus ihren Wohnungen auf die Straße setzte. Wir wollen die sechs Lazarfelder namentlich anführen:

Peter Steibel, Jakob Heindl, Bernhard Kern, Johann Valery, Josef Bering und Filipp Schwemlein.

An deren Wohnungen waren wohl Siegel angelegt, doch sobald die Gerichtskommission sich entfernt hatte, kehrten unsere tapferen Lazarfelder mit ihren Habseligkeiten ganz einfach wieder in ihre Wohnungen zurück. Bezüglich der Weingärten wurde bestimmt: Wer Pachtvertrag genommen hatte, gab von der Weinernte Zehent(den 10. Teil) und durfte ungestört seine Weintrauben schneiden; wer keinen Vertrag nahm, durfte auch nicht lesen, die Fechsung nahm die Grundherrschaft. Später wurde 1 Joch Weingarten jährlich für 16 fl. verpachtet. Bezüglich der Intravillangründe (Hausplätze) wurde in dieser Zeit folgendes vereinbart: Wer vom Hausplatz Vertrag nahm, zahlte jährlich 8 fl.; wer ohne Vertrag blieb, musste jährlich 16 fl. zahlen. Diejenigen, die von ihrem Hausplatz keinen Vertrag annahmen und demnach jährlich 16 fl. zahlen sollten, blieben in der Regel mit dieser Schuld natürlich im Rückstand, was in einigen Jahren eine bedeutende Summe ergab. Da ließ die Herrschaft mehreren Schuldnern auf gerichtlichem Wege ihre Häuser versteigern. Wegen Mangel an Lizitanten erreichten einige Häuser den Betrag von nur 40 - 100 fl. Auf manchen Häusern lasteten 250 - 300 fl. Einige Hausbesitzer lösten ihren Intravillan (Hausplatz) für 20 Kreuzer pro Quadratklafter, also ein Joch mit 320 fl. ab und kamen als Eigentümer in das Grundbuch. Diese waren die ersten Besitzer in Lazarfeld. Doch durften sie in ihrem Hausgarten keine Weinreben zur Weinbereitung ohne Genehmigung der Herrschaft pflanzen und laut erhaltenem Gewährschein kein Gewölbe (Kramladen oder Geschäft, weil in der Ansiedlungszeit das Haus der Standesherrschaft gewölbt war) eröffnen oder Branntweinbrennerei errichten.

Solche, schon im Jahre 1855 abgelösten Hausplätze waren die Häuser auf Nr. 56, 57, 70, 71, 72, 73, 74, 94, 97, 216 (später 68), 217 (später 104 ), 122 und 136.

1856 brannte auch das Haus Nr.18 des Anton Sehr nieder. Dazu trat noch am 1.November 1858 die österreichische Währung (Ö.W.) in Gültigkeit. Die Lage der Lazarfelder gestaltete sich unter diesen Umständen immer kritischer. General Ernest Kiss de Elemir und Itebe wurde als Oberkommandierender der ungarischen Truppen in Südungarn am 6.Oktober 1849 in Arad erschossen und sein ganzes Vermögen beschlagnahmt. Familie Kiss war ungemein reich, das Silberzeug allein soll 20 Zentner gewogen haben. Sein Denkmal stand von 1906 - 1918 auf dem Hauptplatz in Großbetschkerek. Schon einige Jahre vor Ablauf des Pachtvertrages mit der Grundherrschaft pachtete die Gemeinde Lazarfeld und einzelne Bewohner von dem beschlagnahmten Feld der Herrschaft Kiss auf der Pußta Kenderesch. Es waren nur einige hundert Joch und sie zahlten jährlich für das Joch 10 - 12 fl. Pacht. Die Anzahl der Joche, welche auf einen Bauer entfiel, war zu gering und so geschah es, daß die Fechsungen verlebt wurden, der Pachtzins aber im Rückstand blieb. Dazu kam noch das trockene und dürre Misserntejahr 1863. Es bestand vor allem so große Futternot, dass die Leute die Stroh- und Rohrdächer von den Scheunen und Schuppen dem Vieh im Winter verfütterten. Die bösen Folgen der Pachtrückstände blieben auch nicht aus. Im Jahre 1865 wurde wegen dem rückständigen Pachtschilling die ganze Weizenernte verpfändet und im Gasthaussaal etwa 770 Metzen Weizen eingelagert. Aus dem verkauften Weizen konnten die Bauern einen Teil ihrer Schulden tilgen. Die Familie Kiss bekam nach dem Ausgleich und nach der Krönung des Kaisers Franz Josef I. 1867 ihr Gut zurück. Bei dieser Gelegenheit verzichtete die Itebeer Kameralherrschaft mit Rücksicht auf die traurigen materiellen Verhältnisse der Lazarfelder Pächter auf die Bezahlung der restlichen Pachtschuld. Nun war auch diese Erhaltungsquelle versiegt. In der benachbarten Grenzgemeinde Botosch war wohl billiges Feld von Jahr zu Jahr zu pachten, doch war es den benachbarten Gemeindebewohnern strengstens verboten. Wahrscheinlich wollten die Militärbehörden die Grenzbewohner zur Bearbeitung ihrer Felder zwingen. Wagte es jemand auf dem Schleichwege dort Feld zu pachten und es wurde entdeckt, so verlor der Pächter die ganze Ernte. Wer von einem ehrlichen Serben Feld pachtete, konnte wohl unter der Hand seine Fechsung einheimsen; war dies jedoch nicht der Fall, so führte der Pachtgeber selbst die Ernte Nachhause und der arme Pächter durfte keine Klage führen, weil er in diesem Falle straffällig geworden wäre. Zu diesem Übel gesellte sich noch ein zweites. Die Gemeinde Botosch lag im Grenzgebiet und daher mit unserer Gemeinde mit keiner öffentlichen Straße verbunden. Auf öffentlicher Straße nach Botosch zu gelangen, musste man über Sigmundfeld fahren. Seit der Gründung unserer Gemeinde benützten die Lazarfelder einen etwa über zwei Ackerlängen verkürzten Weg. Dieser führte von der Straße Lazarfeld - Sigmundfeld über die herrschaftlichen Felder zum Botoscher Hotar, wodurch ein über zwei Stunden dauernder Weg erspart blieb. Im Jahre 1866 ließ die Herrschaft diesen Weg plötzlich absperren. Trotzdem das Verbot der Feldpachtung der Lazarfelder in Botosch bereits aufgehoben war, machte die Herrschaft durch diese Maßnahme eine weitere Pachtung fast unmöglich. Der Oberstuhlrichter Demeter Sawitsch entschied auf die Beschwerde der Lazarfelder zu ihren Gunsten mit der Begründung, das der fragliche Weg schon über 30 Jahre ohne Einspruch der Herrschaft befahren werde. Von dieser Zeit an fristeten viele unserer Lazarfelder, durch die Pacht der Kirchen-, Schul- und Gemeindefelder auf dem Botoscher Hotar, ihr trauriges Dasein. Nach Auflösung der Deutsch - Banater Militärgrenze 1872 kauften unsere Ahnen auf dem Botoscher Hotar Jochweise Feld, besonders als der Feldpreis in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre dort sehr niedrig war. Es kostete ein Joch Feld damals nur 50 - 60 fl. (Ö.W.). Im Jahre 1900 besaßen die Lazarfelder 569 und vor der Enteignung 1944 rund 1200 Joch Ackerfeld auf dem Botoscher Hotar. In der Zeit nach 1855, als die Bewohner von Etschka, Sigmundfeld und Lazarfeld ohne Feld und Vertrag in größter Armut lebten, tauchten wiederholt verschiedene Ansiedlungsprojekte auf. Bald wurde um Ansiedlung auf der Pußta Kenderesch (Herrschaft Kiss) oder in den Donaubuchtungen bei Kulpin, bald im Riede bei Großbetschkerek (Debela Hunka) usw. angesucht. Dieses Vorhaben kostete auch Geld. So wie der Ertrinkende sich an einem Strohhalm klammert, um sein Leben zu retten, ebenso opferten die einstens wohlhabenden Pächter oft das letzte Geld, wenn es galt, eine neue Ansiedlung und somit eine neue Heimat zu erhalten. Wegen verschiedenen Prozess Führungen gegen die Herrschaft erweiterte sich die Kluft zwischen Herrschaft und Untertanen immer mehr und mehr. Eine Überbrückung schien vorerst unmöglich. Das Notstandsjahr 1863, wie schon erwähnt, traf die Pächter der drei Gemeinden der Etschkaer Herrschaft doppelt schwer. Wegen der Unsicherheit des ferneren Fortbestehens der Gemeinden vernachlässigten sie ihre Wohnhäuser. Endlich gelang es den Etschkaer 1865 in den zur Militärgrenze gehörenden Perleser Ried, gegenüber von Titel, eine neue Ansiedlung zu gründen. Die Bewohner von Etschka, etwa 200 Familien, 85 Familien von Sigmundfeld und auch mehrere Familien unseres Ortes übersiedelten in den neu gegründeten Ort - Rudolfsgnad -, welcher am Ostermontag, 2.April 1866 seinen Einzug feierte. Zwei Jahre später genehmigte die Regierung eine weitere deutsche Ansiedlung im Donauried bei Opowo. Auch Lazarfelder sowie Sartschaer, Sigmundfelder usw. zogen nach Königsdorf und Albrechtsflor. Leider überschwemmte das Hochwasser 1874 und 1875 die zwei deutschen Dörfer und vertrieb endgültig die Siedler. Ein Grund, weshalb Etschkaer ihre Herrschaft verließen, schreibt Leo Hoffmann in seiner Geschichte der Banater Deutschen von 1717 bis 1848 auf Seite 94: "Die leidvolle Geschichte der Banater Dörfer ließe sich um viele Fälle vermehren; denn nicht überall war die Ortsgründung ohne Elend und Mühsal vonstatten gegangen. Oft hatten die Gemeinden vom einzelnen geldgierigen Grundherrn viel zu leiden, wie z.B. Deutsch Etschka (angesiedelt mit Deutschen 1802) wo die Grundherrschaft die Felder vertauschte, verkleinerte und die Bauern auf unerhörte Weise prellte." Dies trifft auch auf Sigmundfeld (gegr. 1809) und unsere Gemeinde zu. Dazu kamen noch in Lazarfeld der unaufschiebbare Schulbau 1869 und die furchtbare Cholera 1873, die etwa 50 - 60 Menschenleben in unserer Gemeinde forderte. Diese Verhältnisse erwägend, zeigt sich unserem geistigen Auge ein jammervolles Bild, ein Bild, das die hoffnungslos gewordenen Bewohner fast zur Verzweiflung trieb. Die verschiedenen Schicksalsschläge, welche über diese armen Kontraktualistengemeinden und deren Bewohner kamen, waren nicht im Stand, diese zu vernichten. Mit außergewöhnlichem Fleiß und äußerster Sparsamkeit kämpften unsere Ahnen für ihren ferneren Bestand. Eine Wendung zum Besseren trat ein, als im Jahre 1872 die Grundherrschaft ihre sämtlichen Felder teils an Großpächter, teils aber auch an einzelne Bewohner Lazarfelds Parzellen zu 200 - 400 Jochen in Pacht gab. Der k.u.k. General Sigmund Lazar, der die Widerspenstigkeit und die Pachtverweigerung seiner Untertanen im Jahre 1855 nicht vergessen konnte, starb am 17.Mai 1870. Die Verwaltung der ganzen Herrschaft überging an seine Witwe Viktoria geb. Gyorogi Edelsbacher, als der natürlichen und gesetzlichen Vormünderin ihrer Tochter, der Erbin Marianne Lazar de Etschka (1867 - 1893).

Die außergewöhnlichen Regengüsse der Jahre 1870 und 71 verursachten auf dem ganzen Hotar eine solche Überschwemmung, das nur mehr Rohr, Schilf ja sogar Weidenruten wuchsen. Fürst Egon von Thurn und Taxis als Gatte der Witwe des verstorbenen Generals Sigmund Lazar de Etschka beantragte, die herrschaftlichen Felder in Pacht zu geben und dabei auch die ehemaligen Untertanen, die Kontraktualisten von Sigmundfeld und Lazarfeld zu berücksichtigen. Seinen Antrag nahmen kompetente Stellen an, somit war der erste Schritt zur Verbesserung der Verhältnisse getan. Die besser gestellten Lazarfelder und Sigmundfelder beteiligten sich auch an der Pachtung. Zur Übernahme einer Parzelle vereinigten sich mehrere Bauern. Die übrigen Leute aber erhielten bei den Großpächtern Junga, Popowitsch, Ormody und Winter wenigstens Halbscheidbauer. Das Jahr 1873 aber brachte endlich das lang ersehnte Gesetz über die Kontraktualisten. Der 12. Gesetzartikel vom Jahre 1873, am 2.Juni d.J. sanktioniert, war nicht bloß von der Gemeinde Lazarfeld, sondern auch von vielen anderen Kontraktualgemeinden Südungarns freudigst begrüßt. Bald nach der Verabschiedung dieses Gesetzes übernahm der gewesene Oberstuhlrichter und Rechtsanwalt Demeter Sawitsch, der die Verhältnisse unserer Gemeinde genau kannte, die Vertretung der Kontraktualisten beim Gericht. Bei der nächsten Gemeindeversammlung ersuchte Ortsrichter Franz Klötzl auch den Oberlehrer Michael Eisler, der das Kontraktualistengesetz eifrig studiert hatte, bei der Verhandlung zu erscheinen. Rechtsanwalt Sawitsch vertrat die Meinung, dass die Gemeinde auf dem Prozesswege auf Grund des Gesetzes von der Grundherrschaft Ablösfelder beanspruchen kann. Oberlehrer Eisler erinnerte den Rechtsanwalt an den vorletzten, den 28.§ des Gesetzes, welcher sagt: "Die Verfügungen dieses Gesetzes beziehen sich auf alle jene Kontraktualisten, deren Vertrag zwar schon zu Ende ist, die jedoch noch im Besitze der Felder sind, ohne Rücksicht darauf, ob der Grundherr wegen Rückgabe derselben die Klage eingereicht hat oder nicht. Sollte jedoch in einem solchen Prozess bereits ein rechtskräftiges Urteil bestehen, oder die Kontraktualisten nur mehr im Besitze der Intravillangründe (Hausplätze) sein, können dieselben bloß die letzteren ablösen." Eisler betonte gleichzeitig, dass seinem Wissen gemäß die Bewohner von Lazarfeld bereits im Jahre 1856 durch gerichtliches Urteil aus dem Besitze der Felder gehoben wurden und in Wirklichkeit derzeit bloß im Besitze der Hausplätze sind. Rechtsanwalt Sawitsch anerkannte die Richtigkeit dieser Ansicht, bemerkte jedoch, das er es dennoch im Prozesswege versuchen wolle. Auf Anraten Eislers erhielt Sawitsch als Vorschuss bloß 50 fl. Nach erfolgter Durchführung bekommt er nach jedem Joche des zu erhaltenden Extravillans einen Gulden. Der Rechtsanwalt war damit einverstanden, strengte sofort im Sinne des Gesetzes die Klage gegen die Grundherrschaft an und verlangte Ablösfelder. Sawitsch ließ die Superädifikate (Wohnhäuser) gerichtlich abschätzen und brachte es wirklich soweit, das die Bewohner unserer Gemeinde Ablösfelder erhielten. Sein Gegner, der herrschaftliche Rechtsanwalt Vecsey hat entweder den von Eisler erwähnten 28.§ des oft genannten Gesetzes nicht gelesen, oder wollte von demselben, der Herrschaft in diesem Falle ein großes Recht sichernden Paragraphen, keinen Gebrauch anwenden. Wahrscheinlich trifft das erste zu, weil die Herrschaft zur Ablösung der auf 191700 fl. Geschätzten Wohnhäuser oder zur Ausfolgung von Ablösfelder vom Gericht verhalten wurde. (Siehe Beilage III. Erste Ablösung) Bezüglich der Ablösfelder haben die Bewohner unserer Gemeinde dem Fürsten Egon von Thurn und Taxis sehr viel zu verdanken, er wirkte dahin, dass nicht nur die berechtigten Originalhausbesitzer, sondern überhaupt jeder Hausbesitzer, der sich meldete, Ablösfelder erhielt. Die Ablösungssumme wurde mit 250 Gulden für ein Joch bestimmt und ist in 33 Jahren, also bis zum Jahre 1911 zu tilgen. Es entfällt demnach mit Zinsen und Kapitalstilgung für ein Joch 17 fl. 50 kr. jährlich in zwei Raten, am 1. Mai und 1. November, zu entrichten. Im Ganzen haben im Jahre 1879 von 217 Hausbesitzern 168 Parteien je 4 Joch Baufeld und 1 Joch Hutweide zur Ablösung übernommen. Von den übrigen 49 Hausbesitzern sei erwähnt, daß diese teils nicht in der Lage waren Ablösfeld anzunehmen, teils aber auch solches nicht annehmen wollten. Das Gerichtsprotokoll der Ablösfelder sowie das Namensverzeichnis der Ablöser bringt die Beilage III. Von dieser Zeit an entstand wieder neues Leben in unserer Gemeinde. Die Tatsache beweist, das allein im Jahre 1880 die Lazarfelder über 40 neue Wohnhäuser erstellten und vergrößerten. Die Zahl der Wohnhäuser nahm von Jahr zu Jahr zu, ebenso verschönerte und erneuerte man die alten Wohnhäuser. Durch die Ablösfelder, wenn auch nur geringe Anzahl von Jochen, war der fernere Bestand der Gemeinde gesichert. Seit dieser Zeit ließ die Herrschaft ihre übrigen Felder vorzugsweise im Pachtwege und Halbscheidbau wieder den Bewohnern von Lazarfeld und Sigmundfeld zukommen. 18 Jahre später, im Jahre 1897 suchten die Feldlosen, welche im Jahre 1879 keine Ablösfelder übernehmen konnten oder nicht übernehmen wollten, weil sie mit ihrem Intravillangründe noch immer nur Pächter waren, abermals im gerichtlichen Wege um Ablösfelder durch den Rechtsanwalt Nagy an. Das Gericht nahm die Schätzung der Häuser vor und die Herrschaft erklärte sich bereit, außer dem Hausplatze, je 5 Joch Ablösfelder zu überlassen. Die Ablösungssumme wurde mit 300 Gulden für ein Joch bestimmt und ist in 40 Jahren, also bis zum Jahre 1937 zu tilgen. Auch diesmal erhielten nicht nur die ehemaligen, zur Ablösung berechtigten Originalhausbesitzer, sondern überhaupt jeder Hausbesitzer, sogar jene, die mittlerweile auf den an die Gemeinde unmittelbar angrenzenden Extravillangründen der ersten Ablöser sich Häuser erbauten, je 5 Joch Ackerfeld. Für die betreffenden Ablöser setzten sich der herrschaftliche Güterinspektor Ignaz Winkler und unser bekannter Kreisnotar Peter Lafleur ein. Beide baten an der maßgebenden Stelle für die Nichtberechtigten so lange, bis man ihre Bitte erhörte. Wie sehr unsere Gemeinde an Wohnhäusern zugenommen hat, beweist die Tatsache, daß die bei der ersten Ablösung übrig gebliebene Häuserzahl von 49 bei der zweiten Ablösung auf 113 stieg. Das Gerichtsprotokoll der zweiten (neue) Ablösung sowie das Namensverzeichnis der Ablöser bringt die Beilage IV.

Nun nehmen wir den Faden der geschichtlichen Ereignisse unserer Gemeinde wieder auf, um ihn weiter zu spinnen. Am 8.Mai 1863 fand die Firmung der Lazarfelder Firmlinge durch Bischof Bonnanz in Kathreinfeld statt. Dieses Jahr war nicht bloß für die Bewohner Lazarfeld, sondern auch für ganz Ungarn ein sehr schlimmes Jahr, es war das Jahr des allgemeinen Notstandes. Infolge der Trockenheit war der Weizen größtenteils, der Mais dagegen gänzlich missraten. Wie in vielen anderen Gemeinden, mussten auch bei uns die armen Leute durch die so genannte "Volksküche" von 1863 auf 1864 ernährt, die Bauern aber mit Anbausamen versorgt werden. Während der Winterkälte hätten die Leute erfrieren müssen, wenn zum Glück in diesem Jahre die "Windhexe" (Unkraut) nicht in außerordentlicher Menge gewachsen wäre, die sie als Brennmaterial benützten. Auch die Schulen hat man mit "Windhexen" geheizt, denn das wenige Stroh, wie schon erwähnt, war ungemein teuer und nur korbweise zu kaufen. Eine Klafter Mohar (Kolbenhirse, Setaria, ein Pferdefuttergewächs) war eine Seltenheit und kostete 50 - 60 fl. Eine Klafter Stroh kostete 20 - 30 Gulden und ein Bund Maislaub 10 kr. Infolge der kärglichen Ernährung und C - Vitaminmangel erkrankten viele Leute an Skorbut. Das arme Vieh war wegen Futtermangel so kraftlos, daß es nicht stehen konnte. Lagerte es, konnte es ohne menschliche Hilfe nicht aufstehen. Die erhaltenen "Notstandsdarlehen" waren für die Bewohner Jahre hindurch eine drückende, schwere Last. Wegen der misslichen, traurigen materiellen Verhältnisse beschloss die Gemeinde, das von den Ahnen stammende Gelöbnis bezüglich der Hagelämter teilweise aufzulassen. Bis dahin war es laut einem Gelöbnis der Gemeinde, wie schon erwähnt, üblich, am dritten Tage der drei höchsten Feiertage (Weihnachten, Ostern und Pfingsten) je ein Hochamt, ferner am 1.Mai und am 2.Juli und an den zwischen diesen Tagen vorkommenden Donnerstagen je ein Hochamt unter dem Namen "Hagelamt" aus der Gemeindekasse lesen zu lassen. Es sollte fernerhin nur der dritte Tag der 3 Feiertage mit der Bedingung gehalten werden, daß für den Betrag der Festmessen nachmittags auch eine Andacht (Litanei) zu halten sei. Als der Ortsrichter Johann Bohn dem Pfarrer Julius Weitersheim dies mitteilte, erklärte der Pfarrherr, dass für die Litaneien, sowie für die Hochämter eigens 2 fl. zu zahlen sind. Bohn berief sich auf die schlechten finanziellen Verhältnisse der Gemeinde und erklärte sich bereit, das Gelöbnis der Vorfahren teilweise zu erfüllen, Weil der Pfarrer Weitersheim die Nachmittagsgottesdienste unentgeltlich nicht halten wollte, beschloss die Gemeinde im Jahre 1864 sämtliche bis dahin üblichen Gemeindegottesdienste gänzlich aufzulassen.

Zum Ausgleich mit den Ungarn so auch mit den Kroaten entschloss sich der Kaiser nach seiner zweimaligen Niederlage im Jahre 1867. Den ersten Anlass, wie schon erwähnt, ergab die Niederlage Österreichs durch den Verlust der Lombardei in Italien in der Schlacht bei Custozza und Solferino 1859. Der Kaiser versuchte anschließend die Zustimmung seiner Völker zu gewinnen und auch mit ihnen zu regieren. Das absolutistische System ließ man allmählich auflockern. Ausgeschaltete Volksvertretungen werden wieder herangezogen und es wird nach einer neuen Staatsregierungsform gesucht. Der zweite Anlass ergab sich erst als Österreich auch im preußischen - österreichischen Kriege in der Entscheidungsschlacht bei Königsgrätz 3.Juli 1866 besiegt und 1867 aus dem Deutschen Bund ausschied. Das Ausgleichsabkommen wurde geschlossen zwischen dem Kaiser und seiner Wiener Zentralregierung einerseits und Ungarn und Kroaten andererseits. Für Ungarn und Kroatien war eine nationale eigen sprachliche Selbstverwaltung mit eigener Gerichtsbarkeit. Landwehr, Kultus– und Unterrichtsverwaltung, Volksvertretung und Regierung vorgesehen. So entstand die österreichische – ungarische Doppelmonarchie, Kaiser Franz Josef I, war zugleich König von Ungarn. Weil man in dem Ausgleich tatsächlich nur die Ansprüche der Ungarn und Kroaten berücksichtigte, war es nur eine halbe Lösung. Der Ausgleich brachte zu der gesetzlich anerkannten Gleichberechtigung der Bürger und der Konfessionen nicht aber auch die Gleichberechtigung der Nationen und Nationalitäten. Um die beim Ausgleich unberücksichtigt gebliebenen Nationalitäten zu beschwichtigen, erließ man wohl das Nationalitätengesetz. Dieses war im Großen und ganzen nur ein Sprachengesetz und kam ohne Mitarbeit und Billigung der Deutschen und der übrigen Nationalitäten zustande. Es sicherte wohl den freien Gebrauch der Muttersprache auf allen Gebieten der öffentlichen Verwaltung. Der ungarische Staat war danach verpflichtet, Schulen aller Schulgattungen mit nicht ungarischer Unterrichtssprache zu errichten. Sogar die Beamten sollten aus den verschiedenen Nationalitäten hervorgehen. Der Kaiser mit seiner Wiener Regierung aber, der als Partner und Interessenvertreter der übrigen Nationalitäten (Deutsche, Serben, Rumänen, Slowaken, Tschechen, Bulgaren, Bunjewatzen, Schokatzen usw.) beim Zustandekommen des Gesetzes auftrat, überließ diese nach 1868 bis zur Auflösung der Doppelmonarchie 1918 untätig und gleichgültig ihrem Schicksal. Bei der Ansiedlung haben die Kaiser und die Kaiserin mit der Wiener Regierung unseren Ahnen das wichtige Amt eines Wächters an der Grenze gegen die Türken anvertraut. Sie waren gewillt und fähig die eigene Scholle, ihre Heimaterde und damit den Staat mit Leib und Leben zu verteidigen. Öfters verlangten unsere Ahnen vom Kaiser ihr Eigenrechtsdasein. So zum Beispiel der Vorschlag der "Bogaroscher Schwabenpetition" von Pfarrer Josef Novak ist am 2.Oktober 1849 Kaiser Franz Josef I. vorgelegt worden. Unverständlicherweise lehnte die Wiener Regierung solche Bitten der Deutschen Südungarns immer ab. Nach dem Ausgleich waren unsere Vorfahren einem übertriebenen nationalistischen kleinen Volke, nämlich den Ungarn, ganz ausgeliefert. Eine Volksgruppe weit außerhalb der deutschen Staatsgrenze ansiedeln und diese nachher für immer im Stich lassen, ist nicht nur eine politische Fehlentscheidung sondern eine schweres Vergehen gewesen. Die nationalpolitische Bedrohung begann, sie war für uns, die wir es später selbst miterlebten, die ärgste Gefahr. Der rücksichtslosen Magyarisierung der zwei Millionen Deutschen in Ungarn öffnete der Ausgleich Tür und Tor.

Im Jahre 1869 baute die Gemeinde das Schulhaus Nr. 100. (Siehe Schulwesen). 1870 und 1871 regnete es so viel, dass der ganze Hotar einem Meer glich. In den Gräben und Grundlöchern der Gemeinde konnte man fischen. Die Folge davon, im nächsten Jahr (1873) überwucherten die Felddisteln die Getreidefelder dermaßen, daß deren Vertilgung trotz größten Fleißes unmöglich war, Die Disteln unterdrückten den Weizen und zur Erntezeit glichen die Weizenfelder einem blauen Meere. In diesem Jahre kam noch dazu der gefürchtete, unheimliche Gast "Cholera" bereits schon zum vierten Male in die Gemeinde. Der erste Fall ereignete sich am 20.August. In diesem Falle finden wir ein merkwürdiges Zusammentreffen der Zahl 20. Es starb nämlich Theresia Marschall, 20 Jahre alt am 20.August und dies war zugleich die 20. Leiche in diesem Jahre. Diese fürchterliche Krankheit raffte abermals etwa 50 bis 60 kräftige Leute hinweg, erreichte am 2.September ihren Höhepunkt mit 14 Toten und erlosch gegen Mitte November.

Nach dem Ausgleich fand im Jahre 1872 die erste Abgeordnetenwahl für den Landtag statt. In unserem Wahlbezirk St.Georgen wählte die überwiegend deutsche Bevölkerung den ungarischen Großgrundbesitzer Ernö Daniel als ihren Vertreter. Auch nach der nächsten Wahl 1875 zog er wieder in das Parlament. Ihm folgten im Jahre 1878 Miklosch Kisch, 1881 und 1884 Graf Guido Karatschonyi, 1892, 1896 und 1901 Großgrundbesitzer Baron Dr. Geza Pap aus Elemir. Nur einmal errang die Opposition (die Partei "1848") im Jahre 1906 in unserem Wahlbezirk die Stimmenmehrheit. Gewählt wurde der Rechtsanwalt Samu Kardos aus Großbetschkerek. Bei der nächsten Wahl im Jahre 1910 zog wieder Baron Dr. Geza Pap in das Parlament. Er blieb bis Ende des ersten Weltkrieges 1918 unser Landtagsabgeordneter. Aus dieser Namensliste unseres Wahlbezirkes ist zu ersehen, daß die Abgeordneten ausschließlich ungarische Großgrundbesitzer waren und für deutsche Interessen, sowie für den Kleinbauern wenig Verständnis zeigten.

Im Jahre 1874 kaufte die Gemeinde um 2000 fl. von Franz Klötzl das Gemeindehaus. Klötzl hatte sowohl dieses, auch das andere dazugehörige ehemalige Herrschaftshaus. an dessen Stelle später die Schule HNr.72a stand, kurz vorher von Michael Zoldy gekauft. Er verkaufte das größere Haus der Gemeinde als Gemeindehaus, das andere aber der Regierung zu Schulzwecken. Beide Häuser nannte man die "Zoldy'schen Häuser", sie waren früher Herrschaftshäuser, fest gebaut, mit Magazin, Stallungen und geräumigen Kellern versehen. Das zu Schulzwecken gekaufte Haus wurde abgetragen und an seine Stelle mittels Staatshilfe das Schulhaus HNr.72a erbaut. (Siehe Schulwesen). Das als Gemeindehaus gekaufte Haus aber wurde im Millenniumsjahre durch entsprechende Umgestaltung des Magazins und der Stallungen in den Kindergarten verwandelt und durch einen Zubau gegen den Kirchplatz zu mit den nötigen Amtsräumen erweitert. Im selben Gebäude zwischen Kindergarten (nach 1918 Schule) und Notarswohnung ließ 1927 die Gemeinde drei Räume für das Postamt ausbauen. Bei der Gemeindegründung dürfte das Haus des jeweiligen Ortsrichters als Gemeindehaus gegolten haben, wie es noch heute in kleinen Gemeinden der Fall ist. Das erste Gemeindehaus war das Haus Nr.99 von wann bis wann ist nicht bekannt, nur soviel ist gewiss, dass in den vierziger Jahren das Haus Nr.102 bis 1874 das Gemeindehaus war. Das Lazarfelder Gemeindehaus, ein schöner, massiver Bau, entsprach in jeder Hinsicht seinen Anforderungen. Im Jahre 1892 ließ die Gemeinde die Dorfmitte mit Bäumen bepflanzen, die später als Parkanlagen dienten und sehr zur Verschönerung des Ortes beitrugen. Am 18.Februar 1874 fand ein grauenerregendes, blutiges Ereignis, ein schreckliches Verbrechen in unserer Gemeinde statt.

Der von St. Hubert zwei Jahre vorher nach Lazarfeld eingewanderte 28 Jahre alte Bauer Jakob Schaaf ermordete mit dem aus Soltur stammenden Fleischhauer (Metzger) Johann Kokron seine Frau Katharina, geb.Hary auf bestialische Weise. Beide schlichen sich zwischen 11 und 12 Uhr in der Nacht, bewaffnet mit einem scharf geschliffenen Fleischmesser, zum Bette der ahnungslos schlafenden Frau Schaaf. Jakob Schaaf führte selbst die Hand des Fleischhackers Kokron zum Halse des unschuldigen Opfers, der dann mit einem fachgemäßen Schnitt die Kehle der Frau durchschnitt. Weil Jakob Schaaf wohlhabend war, meinten die Unholde, den gut durchdachten Mord als Raubmord vortäuschen zu können. Die wirklichen Mörder hatte man alsbald entlarvt. Beim vorgetäuschten Fenstereinstieg vergaßen sie die Blumenstöcke vom Fensterbrett auf die richtige Stelle zu legen. Als Mitwissende mussten sich noch die Frau des Fleischhauers Klara geb.Fillips und die Geliebte des Jakob Schaaf, die ledige Maria Schaaf vor Gericht verantworten. Schaaf und Kokron wurden zu 20 jährigen Zuchthaus verurteilt, das Mädchen bekam zweieinhalb und die Frau des Fleischhauers ein halbes Jahr Kerker. Die Mörder sind dann später teilweise begnadigt worden. Als Schaaf mit seiner jungen, kaum 22 jährigen schönen und kräftigen Frau in die Gemeinde kam, war er ein nüchterner, arbeitsamer und braver Mensch. In seinen Häusern HNr.70 und 71 wohnten mehrere Mieter, darunter auch der Schlemmer und arbeitsscheue Fleischhauer Kokron. Bald hatte er seinen nüchternen Hausherrn, der als wohlhabender Mensch auf Feldarbeit und andere Arbeit nicht angewiesen war, so umstrickt, daß Schaaf eben auch ein Schlemmer und Verschwender, ja ein auf Gott vergessener Mensch wurde. Die Frau des Schaaf, die Umwandlung ihres Mannes wahrnehmend und auch wissend, daß nur die Gesellschaft des Fleischhauers daran schuld ist, wollte ihn vor dem Einfluss des Mieters freimachen. Sie kündigte Kokron die Wohnung. Dadurch zog sich die Frau die Feindschaft der Männer in dem Maße zu, daß beide auf Anraten des Fleischhauers beschlossen, die Unschuldige aus dem Wege zu räumen. Sie führten, wie oben geschildert, ihr teuflisches Verbrechen in bestialischer Weise aus. Diese Mordgeschichte aber lehrt und beweist deutlich und klar die Wahrheit des Sprichwortes: "Böse Beispiele verderben gute Sitten". Auch das Sprichwort: "Müßiggang. ist aller Laster Anfang", kann hier angewendet werden. Hätte Schaaf bestimmte Beschäftigung gehabt, oder wenigstens gesucht, wie er es anfänglich tat (legte eigenhändig in seinem Hause Fußboden und schreinerte Kästen und Türen), wäre er kaum zum Schlemmer und Verschwender und zuletzt sogar zum Mörder zu verführen gewesen. 1877 brannte das Haus Nr.148 des Nikolaus Simon nieder und im nächsten Jahr zündete ein Blitzschlag das Haus des Fillip Schwemlein HNr.48 an und brannte ebenfalls ab. Im Jahre 1880 am 9.Juni traf die Gemeinde ein harter Schlag. Am genannten Tag zwischen 10 und 12 Uhr ging ein gewaltiger Hagelschlag über den ersten Anbau der übernommenen Ablösfelder, wie auch der Pachtfelder der Gemeinde nieder und vernichtete die viel versprechende Ernte. Dieses Unglück traf die Bewohner, besonders die Ablöser sehr hart. Um den Verpflichtungen nachzukommen, erwartete man einerseits mit Sehnsucht die erste Ernte der Ablösfelder, andererseits war die zu so schönen Hoffnungen berechtigende Saat nicht versichert. Wie schon früher erwähnt, haben die Bewohner wegen ihrer Armut, zwar nicht ganz aus eigener Schuld, die Hagelfeiertage nicht mehr eingehalten. Als sie nun im Besitze von Feldern kamen und das furchtbare Hagelwetter die erste Saat vernichtete, hielten dies viele für einen Fingerzeig Gottes, die Nachkommen an das Gelöbnis der Ahnen zu erinnern. Das Jahr 1881 brachte Hochwasser mit Überschwemmungen und somit wieder Not an Lebens- und Futtermitteln. Von diesem Jahr kann man auch ein freudiges Ereignis berichten. Kronprinz Rudolf (1858 -89), einziger Sohn Kaiser Franz Joseph, verehelichte sich mit der Herzogin Stephanie aus Belgien. Bei dieser Gelegenheit fanden im ganzen Lande Feierlichkeiten statt. Nach Hunger und Not kam eine gute Ernte. Das Jahr 1882 war unter den Jahren der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht bloß für Lazarfeld, sondern für das ganze Land das Fruchtbaste an Ernteerträgen. Im Jahre 1883, am Kirchweihsonntag, wurde die neue, durch Josef Hromadka und Sohn aus Temeschwar angefertigte Orgel in unserer Kirche feierlich eingeweiht. Die Anschaffung der Orgel hat eine kleine Vorgeschichte. Wegen seines guten Rufes luden die Tschestereger unseren Gesangsverein zur Einweihungsfeier ihrer Kirche am 16. Mai 1882 ein. Bei dieser Gelegenheit führte der Chor unter Leitung seines Chormeisters Michael Eisler dessen "Baßsolo - Messe" auf. Der schöne und präzise Gesang gefiel der Grundfrau Gräfin Leona von Tschekonitsch derart, daß sie dem Chormeister einige Tage nachher 50 Gulden Ehrenhonora, übersenden ließ. Bischof Josef Nemeth dankte ebenfalls für den schönen Gesang und als er erfuhr, daß Schuldirektor Eislers Wunsch eine neue Orgel wäre, versprach er eine diesbezügliche Unterstützung bei unserem Bischof Bonnaz zu befürworten. Die erhaltenen 50 Gulden bestimmte Eisler zur Anschaffung einer neuen Orgel. Weiter bat Eisler den damaligen Landtagsabgeordneten Grafen Guido von Karatschonyi, wie auch die eigene Grundherrschaft um Unterstützung und erhielt von beiden zur Anschaffung der neuen Orgel je 50 Gulden. Zu diesem Zwecke sammelte Lehrer Wenzel Marschall bei den Gemeindebewohnern 400 Gulden. Eisler sammelte wiederum bei Kaufleuten in Großbetschkerek über 150 Gulden. Das Bittgesuch an Bischof Bonnaz für Zuschuss zum Orgelbau blieb ohne Erfolg. Die Ursache dürfte wahrscheinlich die Schulbaugeschichte vom Jahre 1869 gewesen sein. (Siehe Schulwesen) Auf diese Weise kamen 700 Gulden zusammen und die zur Anschaffung der neuen Orgel noch fehlenden 300 Gulden übernahm die Gemeinde. Das Jahr 1884 war in wirtschaftlicher Hinsicht für die Lazarfelder abermals von besonderer Bedeutung. Der Großbetschkereker Grundbesitzer Nikolaus Kupusarowitsch (unter dem Namen "Kranja" bekannt) war arg verschuldet. Seinen 700 Joch großen Besitz verkauften zwei Großbetschkereker Geldinstitute gegen 10 jährliche Abzahlung in kleineren Parzellen für 280 Gulden das Joch an Kleingrundbesitzer. Die Lazarfelder übernahmen bei dieser Gelegenheit etwa 300 Joch, dadurch gestalteten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse günstiger. Ähnliches erfolgte im Jahre 1887. Der Großbetschkereker Philipp Eckstein verkaufte seine mit Amortisation belasteten Felder an Lazarfelder Bauern mit 25 Gulden und dem darauf haftendem Darlehen, so daß ein Joch 275 Gulden kostete.

Aus der Ehe des k.u.k. Generals Sigmund Lazar gingen drei Töchter hervor. Marianna, Szigmondka und Viktoria. Die Universalerbin und das letzte Familienmitglied der Etschkaer Herrschaft, Marianna Lazar de Etschka verehelichte sich am 28.Dezember1887 mit dem Reichsgrafen Felix Harnoncourt Unverzagt und übernahm mit ihrem Gatten die Verwaltung der ihr laut Testament allein gehörenden Herrschaft. (Der Erbe konnte nur immer ein Kind sein) Ihre Mutter, Viktorine, wie schon erwähnt, heiratete Fürst Egon von Thurn und Taxis, nahm gegen eine entsprechende Entschädigungssumme von dem ihr noch ferner zukommenden Nutznießungsrecht abstand. Der Fürst zog mit seiner Familie nach seinem im Eisenburger Komitat angekauftes Gut Baltavar. Reichsgräfin Marianna Harnoncourt, geb. Lazar de Etschka starb schon 26-jährig am 10.Jänner1893. Sie hinterließ drei Kinder: Maria Luise, Felix (geb. 1891) und Alice Harnoncourt. Maria Luise heiratete einen Bürgerlichen, Felix war krank und blieb unverheiratet, Alice verehelichte sich mit Markgraf Pallavicini. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Das Agrarreformgesetz nach 1918 hat sie enteignet. Es blieben ihnen 518 Joch Feld und der 1366 Joch große Fischsee. Soweit die Familiengeschichte der Etschkaer Herrschaft.

Im Jahre 1888 brannte das Haus des Josef Schneider HNr.25 ab. Kronprinz Rudolf, einziger Sohn des Kaisers, von liberaler Einstellung, durch seinen Vater politisch kaltgestellt, verübt im Februar 1889 im Alter von 31 Jahren in Mayerling mit der jungen Baronesse Vetsera Selbstmord. Der nächste Thronfolger wurde der Sohn des Karl Ludwig von Habsburg, ein Neffe des Kaisers, Franz Ferdinand. Er plante und unterstützte den föderalistischen Umbau der Donaumonarchie. Nach neun Jahren, am 28.November 1898 konnten die Bewohner von Lazarfeld Se. k.k. Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand, den Thronfolger von Österreich und Ungarn feierlich Empfangen und begrüßen. Der damals 35 jährige Thronfolger besuchte das Banat und war mehrere Tage Gast des Reichsgrafen Felix Harnoncourt und fuhr, von der Fuchsjagd aus der Sozov kommend, durch unsere Gemeinde nach Etschka. Der Reichsgraf war ein bekannter Jäger und politischer Anhänger des Thronfolgers. Mit Freuden begrüßten die Lazarfelder die Fertigstellung der Eisenbahnlinie zwischen Großbetschkerek, Modosch und Werschetz im Jahre 1889. Der Verkehr vor dem Ausbau der Eisenbahn war in der Mittersgasse sehr rege. Durch den Ort, als Vorort von Großbetschkerek, zogen in langen Wagenreihen die östlich von uns gelegenen Gemeindebewohner, beladen mit ihren Feldprodukten, zur Stadt. Das große Gasthaus bot den Durchreisenden Rast und im Sommer Erfrischung, daher für den Wirt eine gute Einnahmequelle. Nach dem Bau der Eisenbahn blieb auch der Personenverkehr mit Wagen durch Lazarfeld aus. Wegen der Stadtnähe fuhren unsere Bauern ihr Getreide wie früher mit dem Wagen nach Großbetschkerek. Dies änderte sich erst nach dem ersten Weltkrieg, als der Getreidepreis für die Beförderung auf dem Wasserwege höher lag. Der Getreideverladeplatz für Lazarfeld war die Bega bei Klek. Zuckerrüben und Vieh lieferte man mit der Eisenbahn. Die wegen mangelnden Straßenbaumaterials nicht ausgebauten Verkehrswege waren im Winter sehr schlecht. Der Straßenbau begann bei uns erst während des zweiten Weltkrieges. Im Jahre 1890 beauftragte die Behörde die Gemeindevorstehung, die Gassen der Gemeinde mit entsprechenden ungarischen Namen versehen zu wollen. In der Sitzung vom 20.September 1890 beschloss die Gemeindevorstehung folgende Gassenbenennungen: die Vordergasse erhielt den Namen des Weisen der ungarischen Nation Deak, die Mittersgasse und der Gemeindeplatz benannt nach dem größten ungarischen Helden Hunyadi, die Hintergasse hieß zum Andenken des großen ungarischen Denkers und Dichters Eötvös utcza (Gasse). Die mittlere Quergasse, die zur Eisenbahn führt, erhielt den Namen des Ministers Baross, der die Eisenbahnlinie erbauen ließ, die östliche Quergasse, benannt nach dem damaligen Ministerpräsidenten Graf Szypary, die westliche Quergasse nach dem Namen des Obergespans Josef Hertelendy, die folgenden Gassennamen haben Beziehungen mit der Ortsgeschichte; die südliche Häuserreihe war Egonsor (Reihe), nach dem Namen des Fürsten Egon v. Thurn und Taxis benannt, weil er es vermittelte, daß auch diese Häusler Ablösfelder erhielten, die damals neu angelegte Häuserreihe am Friedhof (Thor Gustav Gasse) erhielt den Namen des Advokaten und Stuhlrichters Sawitsch, der die Ablösung erwirkte und den gesperrten Botoscher Feldweg wieder öffnen ließ. Die gegen Westen, ebenfalls damals neu angelegte Gasse (Menches Gasse), erhielt den Namen Viktoria, von der Fürstin Viktoria v. Thurn und Taxis und die Häuserreihe im Norden und Osten wurden nach dem Namen der Gutsbesitzerin Marianna benannt. Die Blumengasse entstand kurz nach 1900.

Am 4.November 1891 entstand nach einem Requiem in der Sakristei Feuer, welches man erst nachmittags entdeckte. Das Feuer erfasste ein mit Ministranten- und Messgewändern gefüllten Schrank und vernichtete die Kanzeltreppe. Die durch den Ortspfarrer Josef Olajosch eingeleitete Sammlung, dann eine Unterstützung des Bischofs Alex. von Dessewffy, sowie der Beitrag der Versicherungsgesellschaft ermöglichten die Renovierung und die Ausmalung der Kirche. Bei dieser Gelegenheit ließ Schuldirektor Michael Eisler durch seine Spende von 100 fl. den Hochaltar vergolden. Bei der Aufstellung der neuen Orgel haben die Wagner-Meister Josef Schneider und Johann Kipper den Chor unentgeltlich verändert und erweitert und jetzt wiederum vergrößert. Im Jahre 1854 durch den "Marienverein" gekaufte Marienstatue fand auf dem jetzt neu erbauten Marienaltar ihren Platz. Der Altarverein in Budapest aber spendete der hiesigen Kirche sehr schöne Ministranten- und andere Kirchenkleider. Am 8.Juni 1892 feierte unsere Gemeinde, sowie in ganz Ungarn, das 25 jährige Krönungsfest des Kaisers und Königs Franz Josef I. Am 20.Juni 1894 starb der Vorkämpfer für die Unabhängigkeit der demokratischen Verfassung Ungarns und Führer der ungarischen Erhebung 1848 Lajos Kossuth als Emigrant in Turin. Im Jahre 1894 ließ Michael Eisler und seine Gattin Magdalena, geb.Laßloffy auf dem hiesigen Friedhof einem Gelöbnis zufolge eine öffentliche Kapelle zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes erbauen, die am 22.Juli des genannten Jahres durch Dechant Pfarrer Karl Abfall aus Etschka die feierliche Weihe erhielt. In der Kapellengruft ruhen die verstorbenen Angehörigen der Familie Eisler. In dieser Zeit ließ Pfarrer Josef Olajos die Friedhofswege neu anlegen. Im Millenniumsjahr (1896 das 1000 jährige Bestehen Ungarns) ermöglichten 14 Familien durch ihre Spenden den Bau der Kreuzwegstationen im Friedhof. Die meisten Gemeindebewohner führten das Baumaterial unentgeltlich an und viele Mitglieder der I. Spar- und Vorschussgenossenschaft hinterlegten von ihrem Guthaben den Betrag von 117 fl. als Fond zur Erhaltung des Kreuzweges. Die Namen der Spender dieses Fonds sind im Pfarrarchiv hinterlegt. Die Namen der Familien, die Stationen mit 24 fl. Baukosten errichteten, sind folgende:

1.     Johann und Franziska Bohn

2.     Witwe Susanna Jakschitz, Josef u. Katharina Sauer

3.     Georg und Franziska Zwirner

4.     Familie des verstorbenen Thomas Bohn

5.     Josef und Barbara Schwemlein

6.     Peter und Elisabetha Lafleur

7.     Adam, Peter und Josef Jakschitz.

8.     Nikolaus und Anna Schneider 131

9.     Josef und Peter Marschall

10.  Witwe M. Rikert und Witwe Anna Klötzl

11.  Pfarrer Josef Olajos

12.  Johann und Anna Rauch

13.  Michael und Magdalena Eisler

14.  Franz und Anna Klötzl

Wie die angebrachte Gedenktafel bezeugt, ist der neue Kreuzweg am Millenniumandenken der Spender. Als Lazarfeld seine elektrische Straßenbeleuchtung 1929 erhielt, ließ man auch an Friedhofswegen elektrische Beleuchtungskörper anbringen. Durch diese und andere Erneuerungen galt unser Friedhof als einer der gepflegtesten in der Umgebung. An Allerseelen glich er einem Blumen- und Lichtmeer. Beim Erdbeben am 8.April 1893 stürzten Schornsteine ein, die Hausdächer beschädigt. Während der Erntezeit des gleichen Jahres ging ein so starker Sturm über die Gemeinde und die Gemarkung, dass von vielen Weizenfeldern die Garben von den Kreuzen weggefegt wurden. Im Jahre 1894 wurde das Haus des Thomas Massong HNr.165 ein Raub der Flammen. Das Jahr 1895 brachte abermals Hochwasser. Unsere Gemeinde blieb davon verschont, aber bei Rudolfsgnad brachen am 19.April die Dämme ein und das Hochwasser überflutete die neue Ansiedlung. Viele Rudolfsgnader kamen nach Lazarfeld und fanden bei den Verwandten, bis zum Wiederaufbau ihrer Häuser, Obdach und Hilfe. Auch im Herbst des nächsten Jahres regnete es soviel, daß man vier Pferde vor einen Wagen spannen musste, um die Maisernte heimzubringen. Die Amtsräume unseres Gemeindehauses bedurften seit längerer Zeit einer Erweiterung. Als zweites Millenniumandenken ließ die Gemeinde durch einen Aufbau an der Westseite die Amtsräume so vergrößern, daß sie jeder Gemeinde als Muster gelten können. Dieser Bau blieb bis zur Vertreibung unverändert. Ein drittes Millenniumandenken ist ferner noch der erste artesische Brunnen. Schon zehn Jahre vorher versuchte die Gemeinde, weil das Schöpfbrunnenwasser schlecht und salpeterhaltig ist, artesisches Wasser zu bekommen. Eine dreimalige, an verschiedenen Stellen versuchte Bohrung blieb stets erfolglos. Laut Gemeinderatsbeschluss vom 30.März des Millenniurnsjahres nahm man wieder eine Bohrung in der Mittersgasse auf dem Gemeindeplatz vor und diesmal mit Erfolg. Das Wasser floss aus einer Tiefe von über 100 m aber erreichte nicht die Erdoberfläche. Daher mussten sie eine 3 m tiefe Zisterne bauen, das Trinkwasser war gut und gesund. Leider versiegte der Brunnen nach drei Jahren. Die Bewohner gerieten fast in Verzweiflung darüber, daß sie abermals das ungesunde, schlechte Schöpfbrunnenwasser trinken müssen. Es war ihnen bekannt, dass das Grundwasser in nassen Jahren bis zur Erdoberfläche steigt und das Wasser aus dem Brunnen fließt. Wochenlang mussten Mensch und Tier dann "braunes Wasser" zu sich nehmen. Alsbald wurde in einer Entfernung von 2 m abermals gebohrt und sie erhielten in derselben Tiefe artesisches Wasser, das ebenfalls bei 3 m tief unter der Erdoberfläche floss. Erst nach etwa zehn Jahren kam der Ramm- oder Nortonbrunnen, genannt "Schlenkelbrunnen" für das Herauspumpen des Grundwassers in den Handel. Bis zur Vertreibung versorgten 12 öffentliche, artesische Brunnen die Bevölkerung mit gutem und gesundem Trinkwasser. In der Regel zahlten die Hausbesitzer die Instandsetzungskosten und die Gemeinde übernahm die Erhaltung der Brunnen. Im Millenniumsjahr führte die Regierung in den Gemeinden das Standesamt ein. Bis dahin registrierte alle Geburten, Todesfälle und Trauungen der Priester im Pfarramt. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch nur kirchliche Trauungen. Nun wurde auch die standesamtliche Trauung oder die bürgerliche Ehe eingeführt. Bei Trauungen bot der neu erbaute und geräumige Sitzungssaal im Gemeindehaus für alle Hochzeitsgäste Platz. In diesem Jahr wurde das Krankenhaus in Großbetschkerek vergrößert und erneuert, so konnten auch kranke Menschen der näheren Umgebung dort Hilfe und Pflege finden. Noch im selben Jahr wanderten 8 – 10 Lazarfelder Familien nach Silwasch im Karasch Severiner Komitat aus. Sie versprachen sich von ihrer Auswanderung bessere wirtschaftliche Verhältnisse. In ihrer neuen Heimat rodeten sie Wälder, doch der hochgelegene, steinige Boden brachte nur eine karge Ernte. Einige von ihnen kehrten nach Jahren enttäuscht und arm wieder zurück nach Lazarfeld.

In Jahre 1897 begannen sich die landwirtschaftlichen Arbeiter zu organisieren. Abgesandte der sozialistischen Partei aus Budapest führten 400 Arbeiter von Elemir und anderen Gemeinden am 21.Mai und am 28.Mai aus St.Georgen, Kathreinfeld, Klek, Lazarfeld usw. 500 Arbeiter zum Obergespan nach Großbetschkerek, dem sie ihre Anliegen vortrugen. Sie forderten gerechteren sozialen Ausgleich, besonders mehr Lohn für Ernte- und Druscharbeiten und drohten bei Nichterfüllung ihrer Forderungen mit einem Erntestreik. Der Obergespan mahnte sie zur Mäßigung und versprach alles in ihrem Interesse zu unternehmen. Trotzdem kam es am 11.Juni in Serbelemir zu einer größeren Demonstration in deren Verlauf die Gendarmen zwei Arbeiter niederschossen, die aufgebrachte Menge erschlug die zwei Gendarmen. Am 30.Juni begann in aller Ruhe die Erntearbeit und die versprochene Hilfe blieb natürlich aus. Diese sozialen Missstände gaben Anlass zur späteren Auswanderung unserer Landsleute nach Übersee. Im gleichen Jahr am 5.Juli verursachte wieder ein Sturm beträchtlichen Schaden in der Ernte.

Am 12.März 1898 rief ein trauriges Ereignis nicht bloß bei den Bewohnern von Lazarfeld, sondern in der ganzen Umgebung allgemeine Bestürzung hervor. Die in ziemlich guten materiellen Verhältnissen stehende Bäuerin Margarethe, Gattin des Jakob Kern, geb. Rauch, machte ihrem noch jungen Leben, sie war kaum 24 Jahre alt, durch Erhängen ein gewaltsames Ende. Bevor sie aber ihre schreckliche Tat an sich verübte, beging sie eine noch schrecklichere Tat dadurch, daß sie ihre sämtlichen Kinder, vier an der Zahl, das jüngste noch ein Säugling, durch Erwürgen tötete. Was die Veranlassung zu dieser furchtbaren und zugleich rätselhaften Tat gewesen sein mag, konnte nicht ermittelt werden. Mutter und Kinder wurden in einem gemeinsamen Grabe unter großer Beteiligung der Lazarfelder und der Umgebung zur ewigen Ruhe bestattet.

Über die Monarchie und das Herrscherhaus kam unerwartet wiederum große Trauer. Am 17. September gleichen Jahres erstach der italienische Anarchist Lucini die volkstümliche und beliebte 61 jährige Kaiser- und Königin Elisabeth (Schwester des Herzog Karl Theodor v. Bayern, 1854 vermählt mit Kaiser Franz Josef I.) in Genf in der Schweiz.

Im Jahre 1899 am 15.März lag noch 15 - 20 cm hoher Schnee, was im Banat um diese Jahreszeit selten vorkam. Am 6. Juli 1900 tobte in Lazarfeld ein heftiger Sturm. Der abgeerntete Weizen stand schon in Kreuzen aufgeschichtet. Die Garben trug der Sturm bis in den zweiten und dritten Acker, so daß dem Eigentümer fast nichts übrig blieb. Das Jahr 1900 war für die Bewohner unserer Gemeinde dennoch ein Jahr der Freude. Reichsgraf Felix Harnoncourt, als gesetzlicher und natürlicher Vormund der Erben der Etschkaer Herrschaft, verpachtete sämtliche zur Gemeinde Lazarfeld gehörenden herrschaftlichen Felder, etwa 2800 Joch, an die Gemeindebewohner. Die Felder waren bisher an Großpächter vergeben. Unsere Leute vereinigten sich in Gruppen und pachteten alle Felder, die ehemals zu Lazarfeld gehörten, um einen Jahrespachtpreis von 18 fl. 50 kr. für das Katastraljoch auf 12 Jahre. Dadurch bewirtschafteten die Lazarfelder, die in der zweiten Hälfte der verflossenen hundert Jahre fast heimatlos waren, die gleiche Jochzahl, wie ihre Vorfahren bei der Ansiedlung vor hundert Jahren. Nun konnten sie die bevorstehende Hundertjahrfeier der Gemeinde mit größerer Freude vorbereiten. Zu diesem Fest verfasste Schuldirektor i.R. Michael Eisler eine Ortsmonographie, in der die wichtigsten Ereignisse aus den Jahren 1800 bis 1900 festgehalten wurden. Im Vorwort seiner Monographie schreibt Eisler wörtlich:

"Die hierortiger Gemeinde- Repräsentant beschloss in der am 9. Jänner i.J. stattgefundenen Sitzung einstimmig, den 100-jährigen Bestand der Gemeinde festlich zu feiern, die 100-jährige Geschichte derselben durch den Druck in einer "Monographie" zu veröffentlichen. Es wurde ein "Festkomitee" entsendet und der Gefertigte einstimmig damit betraut, die herauszugebende "Monographie" zu verfassen. So ehrend das einstimmige Vertrauen für meine Wenigkeit war, ebenso schwer drückte mich dasselbe im Bewusstsein, daß meine diesbezügliche Aufgabe in Ermangelung der notwendigsten Daten fast nicht ausführlich schien, denn die 100 jährige Geschichte einer Gemeinde, deren wichtigsten Ereignisse, Entwicklungen usw. niederzuschreiben, wozu die nötigen Daten und Aufzeichnungen aus der Vergangenheit sozusagen gänzlich mangeln, ist gewiss eine sehr schwierige Arbeit. Der Gefertigte übernahm trotzdem bereitwillig die ihm gewordene Aufgabe zu lösen, auf sich, weil er von den verflossenen 100 Jahren ein Drittel selbst hier durch- und miterlebt hat und durch die zu erkundigenden, wichtigeren, in der "Monographie" von Lazarföldje niederzuschreibenden Ereignisse gleichsam Bausteine zu einem Fundament, auf welchem in der Folge weiter gebaut werden kann, niederlegen wollte. Ob und inwiefern dem Gefertigten die Lösung seiner schwierigen Aufgabe gelungen ist, das mögen Jene beurteilen, die das Werk im Großen und Ganzen als vom besten Willen beseelt, abgefasst, hinnehmen. Die Mangelhaftigkeit ist dem Verfasser wohl bekannt; doch dieselbe zu beheben, war einerseits wegen gänzlichem Datenmangel, andererseits wegen der Kürze der Zeit ein Ding der Unmöglichkeit. Die geschichtlichen Ereignisse in der Gemeinde lieferten Pfarrer Adalbert Kögl von Etschka und Pfarrer Desiderius Hegedüs von hier, beide aus der "Historie Domus" entsprechende Daten, wofür denselben, besonders dem Herrn Pfarrer Kögl für die Bereitwilligkeit, mit welcher er die Geburts-, Trauungs- und Sterbefälle der ersten drei Jahre namentlich zusammenschrieb, hiermit innigster Dank ausgesprochen wird. Dank gebührt ferner auch dem Herrn Kreisnotär Lafleur, der mich in jeder Hinsicht bereitwilligste unterstützte. Schließlich sei auch Dank dem Ortsrichter Matthias Bering und den Herrn Christof Schaaf, Franz Schneider HNr.125 und Josef Prem jun. zuteil, da erster als anerkannter Pferdezüchter die nötigen Aufklärungen gab, letztere aber die statistischen Daten bezüglich der Bevölkerung und des Besitzstandes bereitwilligste von Haus zu Haus einsammelte. So wandere denn hinaus in die Welt, du bescheidenes Werkchen, das die Geschichte einer kleinen aber wackeren Gemeinde erzählt. Sei freundlich von den Nachkommen, denen du den schweren Kampf der um ihre Existenz ringenden Vorfahren vor Augen führst, aufgenommen. Heil der wackeren Gemeinderepräsentanz, die den patriotischen Beschluss fasste, die hundertjährige Geschichte der Gemeinde in dieser Monographie zu verewigen, den Nachkommen als ein liebes Gedenkblatt zu überliefern.

 

Lazarföldje, im Monat Juni 1900.

Der Verfasser".

 

Der Verlauf der Feierlichkeiten der 100- Jahrfeier ist aus dem Festprogramm ersichtlich: Festprogramm bezüglich des am 28.August (Patronatsfest) 1900 aus Anlass des 100- Jährigen Bestandes der Gemeinde Lazarföldje zu veranstaltenden Jubelfestes.

Kirchliche Feierlichkeiten.

  1. Am 27. August wird Se. Hochwürden Ortspfarrer Desiderius Hegedüs für alle Verstorbenen dieser Gemeinde ein feierliches Requiem mit Libera abhalten.

  2. Denselben Tag Abends hält Pfarrer Hegedüs die Festvesper: nachher aber führt Se. Hochwürden Pfarrer Josef Olajos die Gläubigen in feierlicher Prozession auf den Friedhof, allwo die Kreuzwegandacht, dann in der Friedhofskapelle die Todtenvesper, Predigt und Libera stattfinden; die Gräber sind zu schmücken und zu beleuchten.

  3. Am 28. ist feierliche Festpredigt und Festgottesdienst mit "Te Deum". Die Festpredigt hält Se. Hochwürden Pfarrer Franz Holz, das Hochamt aber celebriert Se. Hochwürden Abt und Dechant Pfarrer Franz Sabo mit Assistenz der nach ihm einst als Pfarrer hier tätig gewesenen Hochw. Herren Franz Holz, Koloman Fuchs, Josef Olajos und des gegenwärtigen Herrn Pfarrers Desiderius Hegedüs.

  4. Nachmittags ist Festvesper, gehalten von Se. Hochwürden Herrn Pfarrer Koloman Fuchs.

Weltliche Feierlichkeit.

  1. Am 28 August um 5 Uhr früh Tagreveille, welcher durch drei Böllerschüsse signalisiert wird. Hernach durchzieht das Musikkorps mit klingendem Spiele die Gemeinde, deren Häuser mit Nationalfahnen zu schmücken sind.

  2. Nach dem Festgottesdienst wird vor dem Gemeindehaus eine Festrede gehalten. Vor und nach derselben singt der Gesangsverein "Hazadnak" (Szozat) und "Isten ald meg a magyart" (Hymnus).

  3. Festbankett im großen Gasthause.

  4. Nachmittags nach der Festvesper, ist freie Tanzunterhaltung für die Jugend.

  5. Abends findet ein "Kränzchen" statt.

Sonstige Bestimmungen

  1. Zu dem bereits vorhandenen Betrag von 139 Kronen, welche als Opfergeld gelegentlich der durch Se. Hochwürden Herrn Pfarrer Josef Olajos allhier abgehaltenen ,Erntefeste" eingeflossen sind und zur Anschaffung eines "Centenariumsgeschenkes" für die Kirche bestimmt wurden, bewilligte die Gemeindevertretung aus der Kultuskassa noch 60 Kronen zur Anschaffung einer neuen "Monstranz" für die Kirche mit der Widmung: "Lazarföldje 100 eves fennallasariak emlekeül - a hitkozseg". Zum Andenken des 100 jährigen Bestandes der Gemeinde Lazarföldje die Kultusgemeinde.

  2. Die politische Gemeinde aber lässt die Geschichte der verflossenen 100 Jahre, in soweit selbe eruirbar ist, durch den Druck als "Monographie der Gemeinde Lazarföldje" veröffentlichen und im Anhang derselben sind sämtliche lebende Bewohner der Gemeinde namentlich anzuführen; ebenso ist ein statistischer Ausweis über die Besitzverhältnisse der Bewohner der Monographie beizufügen.

  3. Für das Gemeinde-, Schul- und Pfarrarchiv wird je ein entsprechendes "Gedenkbuch" aus der Gemeindekassa angeschafft, in welches in Zukunft die wichtigsten Ereignisse in der Gemeinde nebst sonstigen denkwürdigen Ernte- und Witterungsverhältnissen einzuschreiben und für die Nachwelt aufzubewahren sind.

Lazarföldje 1900, am l.August

Das Festkomitee", "Punkt 10, 11 und 12 dieses Programms sind bereits durchgeführt". Protokoll aufgenommen in Lazarföld am 28. August 1900 anlässlich des 100 Jährigen. Bestehens der Gemeinde.

Am 28. August wurde in Lazarföld anlässlich des 100 Jährigen. Bestehens der Gemeinde eine feierliche Festversammlung abgehalten. Als Festgäste nahmen teil: Zombori Ronay Jenö Obergespan, Dr. Dellimanowitsch Lajos Vicegespan, Dr. Papp Geza Landtagsabgeordneter, Graf Harnoncourt Felix, Winkler Ignaz herrschaftlicher Güterinspektor, Daniel Ferenz Landrat, weiter aus Lazarfeld Lafleur Peter Kreisnotär als Schriftführer, Bering Matthias Bürgermeister, Klötzl Johann Vicebürgermeister, Michael Georg Kassier, Jakschitz Peter und Koch Matthias Geschworene, Gemeinderäte: Eisler Michael, Bohn Johann, Schneider Nikolaus, Zwirner Georg, Bohn Franz, Kipper Franz, Bergenthal Albert, Rauch Johann, Marschall Peter, Massong Peter, Marschall Wenzel, Welder Adam, Michi Josef, Schaaf Christof, Kapitän Franz, Stadtfelder Nikolaus, Jerch Josef und Schneider Franz.. Behring Matthias, der Bürgermeister der Gemeinde eröffnete die Festversammlung. Lafleur Peter, der Notar der Gemeinde ersuchte Dr. Dellimanitsch Lajos, Vicegespan den Vorsitz und den Obergespan, Ronay Jenö den Ehrenvorsitz zu führen. Der Antrag wurde angenommen. Den anwesenden Ehrengästen wurde der Dank ausgesprochen. Es folgen die Unterschriften aller anwesenden Festgäste". Die Festrede hielt Schuldirektor i.R. Michael Eisler und das von ihm verfasste Gedicht trug sein Sohn Nikolaus vor: "Zum 100 Jährigen Jubiläum der Gemeinde Lazarföldje“.

                                                   I.     Männer, Frauen, Kinder, Greise

All' die hier versammelt sind,

Freut' Euch im Familienkreise,

Freut' Euch Alle, - Mann und Kind.

                                                 II.     Willkommen auch Ihr lieben Gäste,

Herbeigeeilt von Nah und Fern -

Zu unser'm schönen Jubelfeste

Begrüßen wir Euch herzlich gern!

                                               III.     Wir feiern heut' ein schönes Fest:

Den hundertjährigen Bestand -

Von einem kleinen Menschennest

Im schönen, weiten Ungarnland!

                                               IV.     Und dieses kleine Menschennest

Ist mein Geburtsort Lazarfeld,

Von diesem Euch erzählen lässt,

Mein Vortrag Euch vielleicht gefällt.

                                                 V.     Einst war allhier ein freier Platz

Zwei große, schöne Viehweiden,

"Martinze" und "Despotovaz"

War der Name von den Beiden.

                                               VI.     Da zogen fleiß'ge Hände her

Den Boden zu bebauen;

Der ganz verlassen öd' und leer,

Entvölkert war zu schauen.

                                             VII.     Und bald entstand ein neuer Ort

"Lazarföldje" war sein Name;

Und dieser blühte auf sofort

Im schweren Schweiß der Ahnen!

                                           VIII.     Durch der Ahnen Tätigkeit

War der Boden bald urbar.

Und es stieg in kurzer Zeit

Der Wohlstand hier von Jahr zu Jahr.

                                              IX.     Die neue Heimat war jedoch

Nur auf Vertrag gegründet;

D'rum hat man später jedes Joch

Den Pächtern dann gekündet.

                                                X.     Keine Scholle blieb ihr Eigen,

Für so viel Müh' und Plag',

Denn sie wollten sich nicht beugen

Dem neuer,, schweren Pachtvertrag!

                                              XI.     Schwere Zeiten. große Not

Mussten die Nachkommen dulden;

Und im Kampf fürs liebe Brot

Stürzen sich gar oft in Schulden.

                                            XII.     Ohne Feld, fast heimatlos

Durchlebten sie so manches Jahr,

Armuth, Elend - schwer und groß

Das Erbteil ihrer Kinder war.

                                          XIII.     Doch endlich sprach im Siebzigdrei

Der Landtag es gesetzlich aus,

Daß abgelöst kann werden frei

Der Pächter Feld und Hof und Haus!

                                          XIV.     Nun war gesichert der Bestand,

Wenn auch mit wenigen Jochen nur;

Und Sparsamkeit und fleißige Hand

Vertrieben bald der Armuth Spur.

                                            XV.     Neues Leben - reges Streben

Ist in Lazarfeld erwacht.

Denn die "Ablösefelder" schweben

Nicht in endlos, ew'ger Pacht.

                                          XVI.     Hundert Jahre sind verflossen

Seitdem Lazarföldje steht.

Von den Ansiedlungsgenossen

Keiner mehr hier herumgeht.

                                        XVII.     Draußen auf dem Friedhofsacker

Schlummern sie in süßer Ruh'

Die im Dasein kämpften wacker

Bis das Grab sie deckte zu.

                                      XVIII.     Seid gesegnet D’rum Ihr Ahnen -

Die dort auf dem Friedhof ruh'n,

Auf des Lebens rauhen Bahnen

Woll'n auch wir - wie Ihr es thun.

                                          XIX.     Heut' an unser'm Jubeltage

Lasset uns recht fröhlich sein,

Ohne Kummer, ohne Klage

Freut' Euch Alle - Groß und Klein.

                                            XX.     Herr im schönen Himmelszelt

Erhör' zum Schluss mein innig Fleh'n:

Schenk' der Gemeinde Lazarfeld

In Zukunft Glück und Wohlergeh'n.

                                          XXI.     Dem König und dem Vaterland

Sei dreimal "Eljen" dargebracht.

Geweiht sei Beiden Herz und Hand

Und ew'ge Treue kundgemacht."

N.B. "Die aus Anlass des 100- Jährigen Bestandes der Gemeinde Lazarföldje von Michael Eisler verfasste "Monographie" ist für 1 Krone bei der Gemeindevorstehung zu haben". Nach der gut gelungenen Hundertjahrfeier, die festlich und mit viel schwäbischem Schwung ihren Abschluss fand, wollen wir die weiteren geschichtlichen Ereignisse der nächsten 50 Jahre aufzählen.

 

Am 2.April 1901 nachmittags 17.55 Uhr suchte ein Erdbeben unsere Gemeinde heim. Das Beben dauerte zwar nur 5 bis 6 Sekunden, die Erdstöße waren aber so heftig, dass die massivsten Häuser wankten. In zahlreichen Bauten klafften fingerdicke Risse, der Putz fiel ab, etwa zehn Kamine stürzten auf die Dächer. Voller Panik flohen die Leute aus ihren Wohnungen und übernachteten im Freien. Nach der Jahrhundertwende stellte sich in Lazarfeld allmählich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Grund hierfür liegt in der Bewirtschaftung der Ablös- und Pachtfelder durch die Ortsbewohner. Nachdem die Gemeinde den Besitzlosen, Jungverheirateten Landsleuten Bauplätze zum Bau eines Eigenheims zur Verfügung gestellt hatte, konnte sie die bereits begonnene Auswanderung nach Übersee unterbinden. Eine rege Bautätigkeit setzte nun ein. Der Ort wuchs. So entstand von 1901 - 1909 die Blumengasse, Name des ersten Siedlers, und die zweite Häuserreihe der Thor-Gustav-Gasse von Hausnummer 192, 193, 195, 196 bis zur Hausnummer 217. Der günstigen Entwicklung der Landwirtschaft konnte der Staat auf die Dauer nicht mehr desinteressiert gegenüberstehen. So gab er den Anstoß zur Abhaltung von Ausstellungen. Im späten Frühjahr des Jahres 1902 fand in Lazarfeld eine Viehausstellung statt. Besucher aus nah und fern strömten herbei und bewunderten besonders die prächtigen Noniuspferde der Lazarfelder. In etwa der gleichen Zeit zeigten in Großbetschkerek die Handwerker und Geflügelzüchter, was sie zu leisten im Stande waren. Diese Ausstellungen sind deshalb erwähnenswert, weil sie die ersten dieser Art in der engeren Heimat waren und den Grundstock für die immer wiederkehrenden Leistungsschauen legten.

In diesem Jahr zeigte sich das Wetter von seiner ungünstigsten Seite. So verschob sich der Beginn der Weizenernte um 10 Tage. Am 11.Juli, die Lazarfelder befanden sich gerade mitten in der Ernte, brach über das Dorf der wohl größte Sturm seit Menschengedenken herein. In Sekundenschnelle verfinsterte sich der Himmel. Die Schnitter stürzten zu den Pferdefuhrwerken und sprengten heimwärts, um in den Gehöften Schutz zu suchen. Der Sturm wirbelte die Weizengarben durch die Luft und trug sie kilometerweit bis zur Bega. Der entfesselte Südwind (Koschawa) deckte fast alle Dächer ab, nahm sogar das ganze Schindeldach der Rossmühle mit, beschädigte den Kirchturm schwer, entwurzelte mannsdicke Bäume, schmetterte sie gegen die Häuser und riss den Kamin des Schulhauses HNr.72 a samt Storchennest, in dem sich vier Junge befanden, in die Tiefe. Der Verfasser des Buches, der sich als elf Tage alter Säugling mit seiner Mutter auf einem Heimwertseilenden Fuhrwerk befand, wäre damals beinahe von einem umstürzenden Maulbeerbaum erschlagen worden.

Am 19.Juli 1903 feierte der Kreisnotar von Lazarfeld und Sigmundfeld Peter Lafleur sein zwanzigjähriges Dienstjubiläum. In Anerkennung seiner Verdienste um die Gemeinde wurde ihm zu Ehren eine Gemeindefeier verbunden mit einem Volksfest veranstaltet. Um die Ausgaben der Festlichkeiten zu decken, bewilligte die Gemeindevorstehung 200 Kronen. Außerdem rief sie eine Stiftung, die den Namen des Jubilars Peter Lafleur trug, und eine Summe von 50 Kronen beinhaltete, ins Leben. Nutznießer dieser Stiftung sollten jene Volksschüler sein, die in der ungarischen Sprache die besten Fortschritte zeigten. Peter Massong, der damalige Bürgermeister überreichte dem Geehrten ein von der Gemeinde gestiftetes Geschenk. Wie sehr man die Arbeit dieses Kreisnotars Peter Lafleur schätzte, unterstreicht die Tatsache, dass bei dieser Feier sogar der Ober- und Vicegespan (Regierungspräsident) der Landtagsabgeordnete Dr. Geza Papp sowie sämtliche Gemeindenotare der Umgebung anwesend waren. Herr Lafleur revanchierte sich bei der Gemeinde für die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten, indem er bei einer anschließenden Tanzunterhaltung die gesamte Dorfjugend bewirtete.

Am 4.Februar des Jahres 1904 feierte der gebürtige Lazarfelder Peter Prem in seinem Heimatort sein erstes heiliges Messopfer. Das ganze Dorf hatte sich schon wochenlang vorher gerüstet, um den Festtag des Diakons würdig zu begehen. Es dürfte wohl in der Geschichte unserer Gemeinde das erste Mal gewesen sein, dass aus Lazarfeld ein Priester hervorgegangen war. Als Kaplan wirkte er in Großbetschkerek, Im l.Weltkrieg betreute er als Seelsorger die Gemeinde Beodra. Später versah er die Pfarrstelle in dem großen Ort Torda. Dort verstarb er im Jahre 1935. Seine sterbliche Hülle wurde in seinen Geburtsort überführt. Fast seine ganze Pfarrgemeinde gab ihm das letzte Geleit.

Im Hochsommer 1904 ging wie ein Lauffeuer die Kunde durch den Ort: "Der alte Mayer Matthias HNr.204 ist beim Dreschen in die Maschine gekommen!" Die Verletzungen waren so schwer, dass Mayer noch an der Unfallstelle verschied. Noch waren die Kränze auf dessen Grabhügel nicht verwelkt, da läutete wieder das Sterbeglöcklein. Diesmal war der hier geborene und hier wirkende Lehrer und Organist Wenzel Marschall, erst fünfzigjährig, in die Ewigkeit abberufen worden. Die Gemeinde verlor in ihm einen sehr geschätzten und geachteten Mitbürger. In dieses Jahr fiel auch die Gründung der Kreditgenossenschaft "Hittelszövetkezet", die bis Ende des 1.Weltkrieges bestand und am wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes nicht unbeträchtlichen Anteil hatte. ls Schriftführer fungierte der an die hiesige Volksschule versetzte Lehrer Johann Welsch, der ein gebürtiger Lazarfelder war. Die Dorfbewohner vergrößerten in dieser Zeit auch ihren Landbesitz durch den Ankauf von 400 Joch der Gemarkung Kathreinfeld, genannt "Plankfeld" und 200 Joch, genannt "Spitzfeld". Im Juli des Jahres 1905 ereignete sich in Lazarfeld ein grässlicher Unfall mit Todesfolge. Obzwar die meisten Bauern den Drusch ihrer Ernte durch die modernen Dreschmaschinen vornehmen ließen, besorgten diese Arbeit bei einzelnen Bauern noch Pferde. Dabei wurde Maria, die Tochter des Johann Michi von den Hufen eines Wildgewordenen Pferdes so unglücklich getroffen, das sie kurz darauf verstarb. Das Jahr 1906 brachte wiederum eine Vergrößerung des Landbesitzes der Lazarfelder. 351 Joch Feld aus der Gemarkung Kathreinfeld, genannt "Hintere Kendresch", konnten durch die Gemeindebewohner angekauft werden. Im Banat wurde die Not der besitzlosen Tagelöhner immer größer. Als die neue Ernte heranreifte, weigerten sie sich, für einen Hungerlohn zu schneiden. Nachdem die Behörden eine Verbesserung des Arbeitslohnes in Aussicht gestellt hatten, erklärten sie sich bereit, die Erntearbeit aufzunehmen. Die Weigerung der Tagelöhner ging in die Geschichte als der so genannte, "Schnitteraufstand" ein. Als sich die Versprechungen der Behörden als leer erwiesen, wanderten viele dieser Enttäuschten nach Amerika aus und fanden dort Arbeit und ein zufriedenes Leben. In dieser Zeit zeigte sich das Wetter von seiner launischsten Seite. Mitte September setzte urplötzlich heftiges Schneetreiben ein und begrub die Fluren unter einer weißen Decke. Im Oktober aber lachte die Sonne vom Himmel und spätsommerliches Wetter vertrieb den allzu frühen Winter wieder aus dem Lande. Lazarfeld und Sigmundfeld bildeten zusammen eine Kreisnotarstelle mit dem Sitz in Lazarfeld. In diesem Jahr wurde nun die Errichtung einer eigenen Notarstelle für Sigmundfeld verfügt. Zum Notar von Sigmundfeld wählte man den bislang in Lazarfeld tätigen Vizenotar Johann Schaub. Gegen Ende des Jahres äschert ein Brand das Wohnhaus HNr.16 des Peter Jakschitz ein. Durch die tatkräftige Hilfe der Dorfbewohner konnte ein übergreifen der Flammen auf andere Gehöfte verhindert werden. Im Dezember des Jahres 1906 gründete Karl Heler, in Großbetschkerek, eine deutschsprachige Lokalzeitung "Unser Blatt", die auch von den Lazarfelder gerne gelesen wurde. Im Mai des Jahres 1907 erreichte die Lazarfelder die furchtbare Nachricht, dass der Ort Rudolfsgnad zum vierten Male von den Hochwassern der Donau und Theiß arg heimgesucht worden war. Da sehr viele Lazarfelder Freunde und Verwandte in diesem Dorf besaßen, versetzte sie diese Botschaft in Angst und Schrecken. Schon bald darauf trafen viele Unglückliche in Lazarfeld ein und fanden dort mit "Kind und Kegel" und dem geretteten Viehbestand eine einstweilige Bleibe. Nachdem die Überschwemmung abgeklungen war, gingen die Verwandten beider Gemeinden mit vereinten Kräften daran, ihre Häuser in Rudolfsgnad wieder neu aufzubauen. Der wachsenden Schülerzahl genügten die vorhandenen Schulräume nicht mehr. Sie machte einen Erweiterungsbau um ein Klassenzimmer notwendig. Zugleich mit diesem Bauvorhaben wurde ein Lehrmittelzimmer erstellt. Von diesem Zeitpunkt an wurde unsere Volksschule vierklassig geführt. Der Schuldirektor a.D. Stefan Kaufmann aus Sankt Georgen brachte um diese Zeit sein deutschsprachiges Wochenblatt "Südungarische Rundschau" in Großbetschkerek heraus. Mit der Herausgabe dieser Wochenzeitung stellte "Unser Blatt" sein Erscheinen ein. Im Jahre 1908 konnten die Lazarfelder Bauern ihrem bereits ansehnlichen Besitz an Grund und Boden weitere 740 Katastraljoch der Gemarkung Kathreinfeld, genannt "Vordere Kendresch", zum "Plankfeld", "Spitz" und "Hintere Kendresch" hinzufügen. Die früheren Eigner dieser Felder Haas und Deutsch hatten die oben erwähnten Gründe von der ehemaligen Herrschaft Kiss aus St.Georgen käuflich erworben. Kurz darauf tätigten die Bewohner unserer Gemeinde wieder einen Landkauf, nämlich 400 Joch der Gemarkung Lazarfeld genannt "Ankauffelder" von der Etschkaer Herrschaft. Die Gemeinde erstand in eigener Regie davon 168 Joch. Mit 128 Joch wickelte die Gemeindevorstehung im Jahre 1923 mit den Besitzern der "Hutweide", Viehweide  ein Tauschgeschäft ab. Jeder "Hutweidbesitzer" erhielt für 3/4 Joch "Hutweide" ein Joch Feld aus dem Gemeindeeigentum. Damit schaffte man einen ständigen Zankapfel, viele Viehhalter besaßen keinen Anteil an der "Hutweide", ein für allemal aus der Welt.

Die Rossmühlen der Gemeinde genügten den Anforderungen einer modernen Mehlerzeugung bei weitem nicht mehr. Fortschrittliche Lazarfelder Bürger schlossen sich deshalb zu einer Aktiengesellschaft zusammen, um den Bau einer modernen Dampfmühle in die Wege zu leiten. Noch im ersten Jahresviertel erstand in der Nähe des Bahnhofes eine zweckmäßige, vielbestaunte Dampfmühle. Am 19.März nahm Ortspfarrer Hochw. Desiderius Hegedüsch die Weihe vor. Schon nach einem Jahr konnten die Aktionäre einen Gewinn von 10735 Kronen buchen. Das Dampfmühlenprojekt verdankte seine Entstehung Herrn Hans Menches, Gemeindenotar Peter Lafleur, Kassier Josef Michi, Ortsrichter Josef Brem und Franz Brem, Obergespan Herr Imre Lovieser wurde auch Aktionär dieser Gesellschaft. In der Dampfmühle arbeiteten Maschinen, die der "Ersten Landwirtschaftlichen Maschinenfabrik" in Budapest entstammten. Nicht nur die Mehlerzeugung, sondern auch auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Maschinen bahnte sich eine Neuerung an. Im Laufe des Jahres 1908 hielten die ersten Mähmaschinen, Selbstbinder, aus Amerika Fabrikat: Mc Cormick, Masseyharis, Plano, Jonston, Osborne usw. ihren Einzug. Nach dem 1.Weltkrieg gesellten sich zu diesen amerikanischen Fabrikaten deutsche Maschinen der Firma Krupp. Nach 1935 fanden nur noch deutsche (Fabrikat: Lanz, Fahr, Baut usw.) ihre Käufer. Bei der Vertreibung wies unsere Gemeinde einen Maschinenpark von 260 Mähmaschinen und 130 Anbaumaschinen auf.

Auch in diesem Jahr musste die Feuerwehr ihr Können unter Beweis stellen. Hieß im Jahre 1906 der Hausbrandleider Peter Jakschitz HNr.16, so traf diesmal das Unglück seinen Nachbarn, Johann Tessling, HNr.17. Nachdem Herr Johann Bohn HNr.73 sein Feld, das sich zwischen Friedhof und Bahnhof erstreckte, als Bauland zur Verfügung gestellt hatte, hielt die rege Bautätigkeit in unserer Heimatgemeinde unvermindert an. So entstanden 1909 die Häuser in der Bahnhofstraße Hausnummer 218 - 231. Damit schloss sich allmählich die Lücke, die zwischen Ort und Bahnhof geklafft hatte.

Mit Erlass Nr. 2899 vom 8.Mai 1909, gez. Obergespan Imre Lovieser, wurde Lazarfeld das Recht eingeräumt, jeden Donnerstag einen Wochenmarkt abzuhalten. Zum ersten Wochenmarkt, der am Donnerstag, den 13.Mai 1909 auf dem Gemeindeplatz stattfand, boten Händler und unsere Bäuerinnen ihre Waren feil. Der Andrang der Käufer war so groß, daß sich Wagen und Körbe bereits am ersten Markttag restlos leerten. Obwohl man diesem Wochenmarkt nur kurze Lebensdauer prophezeite, hielt er sich als Lebensmittelmarkt doch bis in die späten Zwanzigerjahre. Die Etschkaer Herrschaft verkaufte an die Lazarfelder 96 Katastraljoch, die so genannte "Wiese". Auch für dieses Jahr muss der Chronist einen tragischen Unfall vermelden: Der Rossmüller Nikolaus Bartl, der letzte seines Standes, verunglückte bei seiner Müllerarbeit tödlich. Im schwülen Mai des Jahres 1910 entlud sich über unserer Heimatgemeinde ein überaus heftiges Gewitter, das mit einem Wirbelsturm verbunden war. Der Schaden, den dieses Unwetter an den noch nicht reifen Saaten anrichtete, war nicht unbeträchtlich. Am 15.August brach im Anwesen des Johann Klötzl, HNr.15, ein Feuer aus. Ein rasch um sich greifender Brand vernichtete das im Hof aufgeschichtete Stroh und andere Futtervorräte. Damit waren alle drei Nachbarn, nämlich Jakschitz (1906), Tessling (1908) und schließlich Klötzl (1910) im Abstand von jeweils zwei Jahren von einer Feuersbrunst heimgesucht worden. Man vermutete daher zwar Brandstiftung der Verdacht konnte allerdings durch Beweise nicht erhärtet werden. Der Hofbrand im Anwesen Klötzl vom Vorjahr war unseren Landsleuten noch in sehr unliebsamer Erinnerung, da loderten die Flammen erneut gegen den nächtlichen Himmel Lazarfelds. Zwei Nachbargehöfte, nämlich HNr.165 und 166 brannten lichterloh. Im Hause des Massong Thomas war das Feuer zuerst ausgebrochen. Infolge heftigen Sturmes griffen die Flammen auch auf das Anwesen Schaff Thomas über. Trotz unermüdlichen Einsatzes der Feuerwehr konnte nicht verhindert werden, dass beide Gehöfte bis auf die Grundmauern niederbrennten. In dieses Jahr fiel auch der Bau der Zuckerfabrik in Großbetschkerek. Die Errichtung dieser Fabrik mit einer Jahreskapazität von 1 Mill. dz war für unsere Bauern von eminenter Bedeutung. Nun begannen sie mit dem Anbau einer neuen Feldfrucht, der Zuckerrübe. Da zwischen Lazarfeld und Großbetschkerek eine Eisenbahnverbindung bestand, konnte die Zuckerrübenernte bequem auf dem Schienenweg nach Großbetschkerek verfrachtet werden. Der Zuckerrübenanbau stellte an Mensch und Tier zwar sehr hohe Anforderungen, erwies sich aber auch als recht gewinnbringend. Überhaupt brachte das Jahr 1911 durch seine Rekordernte den Lazarfelder Bauern einen Batzen Geld. Und doch fiel ein Schatten der Trauer auf das ganze Dorf. Am 11.November 1911 schloss Schuldirektor i.R., Michael Eisler, für immer seine Augen. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung seiner einstigen Schüler und der gesamten Bevölkerung bettete man ihn in der Friedhofskapelle, die er selbst hatte erbauen lassen, zur letzten Ruhe. Mit ihm verlor unser Heimatort eine Persönlichkeit, die ob ihrer Heimatliebe, Hilfsbereitschaft und Sachkenntnis in allen Lebensbereichen sich wärmster Wertschätzung erfreute. Am 14.März 1912 wurde Herrn Obergespan Imre Lovieser laut Beschluss des Gemeinderates Lazarfeld in dankbarer Anerkennung der Verdienste, die er sich um das Gemeindewohl erworben hatte, das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Lazarfeld verliehen. Anlässlich dieser Feierstunde enthüllte Bürgermeister Josef Brem im Sitzungssaal des Gemeindehauses das Bild des Ehrenbürgers. Die letzte Rossmühle, die gegen Großbetschkerek Gelegen war, hatte längst ausgedient und fiel nun der Spitzhacke zum Opfer. Der Grund, auf dem diese Mühle gestanden hatte, gehörte der Gemeinde und wurde von ihr als Bauland veräußert.

Unsere Bauern hatten von der Etschkaer Herrschaft Harnoncourt Felder für 12 Jahre gepachtet. Nachdem dieser Pachtvertrag ausgelaufen war, erstanden sie auf der Gemarkung Lazarfeld 1200 Joch. Der Kaufpreis je Joch belief sich auf 1400 Kronen, davon mussten 60 Kronen angezahlt, der Rest in Raten getilgt werden. Der reichsgräflichen Herrschaft Harnoncourt verblieben 1800 Joch Lazarfelder Hotar und 1000 Joch im Sigmundfelder Hotar. Diesen Landbesitz verpachtete die Herrschaft bis 1918 an unsere Leute, wobei der Pachtzins pro Jahr und pro Joch 70 Kronen betrug. Ein Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges vergrößert sich der Ort um weitere zwölf Häuser, nämlich von Hausnummer 234 bis Hausnummer 276. Damit nahm das neue Dorf seinen Anfang. In diesem Jahr brach über die Familie des Jost Josef, HNr.63, große Not herein, äscherte doch ein Brand das ganze Wohnhaus ein.

Am 28.Juli 1914 fielen die Schüsse in Sarajewo. Der zwanzigjährige, schmächtige und fanatische Gymnasiast, Gawrilo Prinzip, hatte sie abgefeuert, Extrablätter schreien die Ereignisse in alle Welt: das österr.- ungarische Thronfolgerehepaar in Sarajewo ermordet! Erzherzog Otto, Bruder des ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, war bereits 1906 vierzigjährig verstorben. So wurde sein Sohn, Erzherzog Karl (1887-1922), zum Thronfolger der österr. – ungarischen Doppelmonarchie, die 43 Mill. Einwohner zählte und 17 Nationalitäten aufwies, ausgerufen. Hochspannung herrschte nun zwischen der Monarchie und Serbien. In Gruppen standen die Lazarfelder Bürger zusammen und in den ernsten Gesichtern stand die bange Frage: "Wird es Krieg geben? Was wird dann aus uns werden?" Und die Schüsse von Sarajewo lösten tatsächlich den ersten Weltkrieg aus. Die wehrfähigen Männer Lazarfelds wurden zu den Waffen gerufen. Die zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Greise standen in den Haustüren und horchten klopfenden Herzens gegen Süden, von wo der Wind zuweilen den Kanonendonner der Schlacht um Belgrad an ihr Ohr trug. Und der Krieg forderte seinen Tribut. Schon in den ersten Augustwochen erschütterte die Nachricht vom Heldentod der ersten Lazarfelder. Schon Monate währte nun das gewaltige Völkerringen. In Galizien und in den Karpaten verteidigten auch Lazarfelder Männer ihre Heimat gegen die "Russische Kriegswalze". In der Heimat aber bestellten die Frauen, Großväter und sogar die halbwüchsigen Kinder die Felder und versorgten das Vieh. In diesen Wochen trafen die ersten russischen Kriegsgefangenen in unserem Dorf ein und zeigten sich als willige Arbeiter. Im Jahr 1915 machten die "Pickelhauben" in ihren feldgrauen Uniformen Quartier in unserem Heimatort. Damit fand eine erste Begegnung zwischen Auslandsdeutschen und Reichsdeutschen statt. Die deutschen Soldaten wurden von unserer Bevölkerung herzlich aufgenommen. Davon zeugt ein Schreiben vom 13.Juni 1915 der 6. Batterie des Feldart. Reg. 201 an die Gemeinde. In diesem Brief bedankt sich der Kommandeur für die Gastfreundschaft unserer Lazarfelder. Am 8. Juni feierten unsere Dorfbewohner gemeinsam mit den deutschen Landsern den Jahrestag der Königskrönung in der Kirche. Die Festmesse umrahmte der deutsche Soldat, Lehrer Heinrich Kopp, auf der Orgel. Feierlich erklangen dazu die ungarische und die deutsche Hymne aus vielen Kehlen. Der Krönungstag schloss mit einer weltlichen Feier im "Großen Gasthaus" Peter Kapitän. Hauptmann Ressel begeisterte unsere Bevölkerung durch eine erhebende Festansprache. Das zweite Kriegsjahr brachte eine Verknappung der Lebensmittel mit sich. Das führte dazu, daß unsere Bauern Getreide abliefern mussten. Schon beim Drusch wurde die Weizenmenge genauestes registriert. Nur Brot- und Samengetreide konnten unsere Bauern für sich behalten; alles Übrige mussten sie restlos abliefern. In diesen Tagen durften nur jene Bauern im Hofe ihren Weizen dreschen, die eine genügend große Tenne besaßen. Kleinere Hofbesitzer Dreschen ihren Weizen auf den nahe liegenden Feldern. Damit wollte man einer Brandgefahr vorbeugen. Wie begründet diese Vorsichtsmaßnahme war, beweist die Tatsache, das eines Nachts im Juli mehrere Garbenschober mit dem Dreschkasten des Franz Kristof, HNr.141, ein Raub der Flammen wurden. Immer mehr Opfer forderte der Krieg. Auch in diesem Jahr stieg die Zahl der Gefallenen an. Ende November 1916 starb nach 68jähriger Regierungszeit der Kaiser und König der Doppelmonarchie Franz Josef. Mit ihm schied der letzte Garant der Einheit der Österreich - ungarischen Doppelmonarchie. Nach seinem Tod übernahm sein Großneffe, Kaiser Karl I., die Regierung. Er arbeitete unabhängig von Deutschland auf den Frieden hin. Im November 1918 entsagte er der Regierung, nicht aber dem Thron. 1921 versuchte er zweimal vergeblich den ungarischen Thron Zurückzugewinnen. Am 1.April 1922 starb er in der Verbannung auf der Insel Madeira.

Das Jahr 1917 brachte für unsere Dorfgemeinschaft die Verwirklichung eines schon längst geplanten Vorhabens, nämlich die Pflasterung der Bahnhofstraße bis nahe zur Kirche. Die Freude darüber war sehr groß, denn die Ortsstraße und vor allem die Bahnhofstraße glichen zur Zeit der Rübenkampagne mehr einem Acker denn einer Straße. Freilich, ein Wermutstropfen fiel in den Kelch der allgemeinen Freude: Der Staat konfiszierte kurzerhand die im Dorf bereits gelagerten Pflastersteine und baute damit die Verkehrsstraße Betschkerek - Panschowa, die für Militärtransporte erhöhte Bedeutung gewonnen hatte, aus. Infolge der stetig größer werdenden Lebensmittelknappheit wurde die Getreideablieferungspflicht erheblich verschärft. Plakate, die an Zäunen und Toren angeschlagen waren, forderten die Bevölkerung auf, Kriegsanleihen (zu 8%) zu zeichnen. Nach dem verlorenen Krieg erwiesen sich diese Anleihen als wertlos. Einige unserer Gemeindebewohner büßten dadurch einen Teil ihres Besitzes ein. Die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern gestaltete sich in diesem dritten Kriegsjahr als äußerst schwierig. Deshalb rief man das Konsumgeschäft "Hangya"(Ameise) ins Leben, das Herr Ronay Vilmos mit großer Umsicht leitete. Die auf sechs Jahre befristete Pacht der 1.800 Joch aus der Gemarkung Lazarfeld, die sich im Besitz der Etschkaer Herrschaft befanden, lief im Jahre 1918 aus. Die Herrschaft bot dieses ihr letztes Feld den Lazarfelder zum Kauf an. Schon 1917 begannen die Vorarbeiten zur Aufteilung der Felder. Herrschaft und Staat stellten folgende Bedingungen: Verheiratete Kriegsteilnehmer mit Kindern haben Anspruch auf sechs Joch, verheiratete Kriegsteilnehmer ohne Kinder sowie ledige Kriegsteilnehmer erhalten vier Joch. Für Familien ohne Kriegsteilnehmer waren zwei Joch vorgesehen. Kriegerwitwen und Kriegsversehrten sowohl aus Lazarfeld als auch aus Klek räumte man bei dieser Landverteilung Vorrechte ein. Die damalige Gemeindevorstehung konnte und wollte die Verantwortung für diese Bodenverteilung nicht alleine tragen. Deshalb berief die Etschkaer Herrschaft die Altruistenbank zu Budapest als Treuhänder für den Verkauf ihrer Felder. Selbstverständlich trieben die anfallenden Verwaltungskosten den Verkaufspreis in die Höhe. So ergab sich pro Joch eine Verkaufssumme von 2.800 Kronen. 1000 Kronen hatte der Interessent sofort auf den Tisch zu blättern, der Rest konnte in Jahresraten beglichen werden. Ähnliche Bedingungen ergaben sich auch für die Gemeinde Sigmundfeld, auf deren Gemarkung die Herrschaft 1000 Joch veräußerte. Am 18. April 1918 erschien der Obergespan mit einer Kommission in der Gemeinde, um die gerechte Verteilung der Herrschaftsfelder zu überprüfen. Nachdem die hohen Herren den Plan für gut befunden hatten, konnten die 1800 Joch Felder vermessen und den neuen Besitzern übereignet werden. Den finanziell schlechter Gestellten erschien der Kaufpreis zu hoch. Eine Abordnung von ihnen wurde beim Landwirtschaftsminister Weckerle in Budapest vorstellig und versuchte den Kaufpreis günstiger zu gestalten. Ihr Bemühen zeigte leider keinen Erfolg. Im Herbst konnte das neu erworbene Feld bebaut werden. Am 13. Juli dieses Jahres, die Weizenernte war unter Dach und Fach, um 11 Uhr wurde unsere Heimatgemeinde und ein Teil unserer Fluren von einem schweren Gewitter heimgesucht. Kurz vorher strahlte noch die Sonne vom blauen Himmel. Urplötzlich verfinsterte er sich, große Regentropfen prasselten hernieder. Nach einer Viertelstunde trommelten zuerst Haselnuss große, später Taubeneier große Hagelschlägen auf Haus und Feld. Das vom Hagel verwüstete Gebiet erstreckte sich fünf Ackerlängen breit über die Gemeinde hinaus in östlicher Richtung bis zum Ernsthausener Bahnhof. Im Zuge der Aktion: "König - Karl - Wohlfahrtswerk" und "Ferienfahrt Dresdener Kinder - Stadtkinder aufs Land", fanden viele hungernde Kinder aus Deutschland und Österreich Aufnahme in Südungarn. So weilten vom 8. August bis 18 September 75 Kinder aus dem Bezirk Warnsdorf (Deutsch - Böhmen) mit drei Begleitpersonen: Fachlehrer Franz Frind, Lehrerin Maria Klimpt und Lehrerin Valerie Bendel und ihrem Begleiter, Erich Hangk, vom 29.8. bis 3.10. Gastfreundschaft. Noch nach Jahren erreichten Dankesbriefe dieser Kinder die gastfreundlichen Lazarfelder. Ihr Abschiedsgedicht ist uns noch heute in Erinnerung:

"Weil wir nicht wollten hungern,

Drum fuhren wir nach Ungarn,

in dieses schöne Land.

Jetzt müssen wir nach Hause fahren,

habt tausend Dank,

wo wir jetzt waren,

im schönen Lazarfeld."

Eine dieser Lehrerinnen schrieb: "Die Freundschaftsbündnisse der Jugend haben bewiesen, wie im Leben falsche Meinungen berichtigt, Gegensätze, die oft nur auf Unkenntnis von Land und Leuten beruhen, zu mildern und auszugleichen sind." Das vierte Kriegsjahr ging seinem Ende entgegen, Im Herbst 1918 brachen die Fronten in Lazarfeld. Außerdem gewährten unsere Dorfbewohner 30 Dresdener Kindern der Mittelmächte zusammen. Einheiten der Armee des Feldmarschalls August von Mackensen berührten auf ihrem Rückzug unsere Heimatgemeinde. Neunundfünfzig Söhne Lazarfelds aber kehrten nie mehr zurück. Sie büßten ihr Leben an den verschiedensten Fronten ein. Die Donaumonarchie hatte aufgehört zu bestehen. Aus ihrer Konkursmasse gingen die Nachfolgerstaaten Jugoslawien, Rumänien, Tschechoslowakei und Ungarn hervor, deren Staatsvölker nicht unerheblichen Anteil am Zerfall des Habsburger Reiches hatten. Unsere Menschen aber, die sich stets mehr um ihre Wirtschaft, denn um Politik gekümmert hatten, fügten sich bereitwillig in die neue Ordnung und zeigten sich ihrem neuen Landesherren als loyale Staatsbürger. Durch die Grenzsperre konnte der Kaufbetrag für das Hotarfeld nicht an die Altruistenbank in Budapest überwiesen werden. Der Vertreter dieser Bank, Herr Jakob Loch, hinterlegte die angezahlte Summe beim Gericht in Großbetschkerek. Das erste Nachkriegsjahr versprach überaus fruchtbar zu werden. Unsere Bauern erhofften eine Rekordernte. Die Weizenähren waren schwerer und schwerer geworden. Da setzte Regen ein, der nicht enden wollte. Immer tiefer neigten sich die Getreidehalme. Die Weizenfelder glichen plattgewalzten Flächen, als die Lazarfelder Bauern mit der Ernte begannen. Die Erntearbeit gestaltete sich wesentlich schwieriger als in den Vorjahren. Obwohl damals 2 dz Weizen Schnitterlohn pro Joch gezahlt wurden - also das Doppelte des normalen Schnitterlohnes - verdienten die Schnitter weniger als in den Jahren zuvor. Was dem Sommer recht war, war dem Herbst billig. Auch er wartete mit Regengüssen ohne Ende auf. Dazu gesellte sich noch Hochwasser. Die Mais- und Zuckerrübenernte konnte nur noch Vierspänner eingefahren werden. Ein Teil der Herbsternte blieb bis zum Frühjahr auf den Feldern. Der grundlose Boden machte den Einsatz der Sämaschinen zunichte. So musste die ganze Weizenaussaat mit der Hand getätigt werden.

Das Jahr 1919 schockte unsere Dorfbewohner durch seine grässlichen Unfälle mit tödlichem Ausgang. So wollte in der Osterfastenzeit Frau Katharina Schneider, geborene Bering, Frau des im Kriege gefallenen Peter Schneider, HNr.118, im Schlafzimmer in die brennende Öllampe Petroleum nachfüllen. Das Öl in der Petroleumlampe entzündete sich, die Kanne explodierte. Das Bett, in dem ihre beiden Mädchen, Margarethe (10) und Magdalena (9) bereits schlummerten, fing sofort Feuer und brannte lichterloh. Beide Kinder kamen auf grauenvolle Weise in den Flammen um. Ihr Schwager, Franz Schneider, der sich ebenfalls in diesem Raum aufhielt, erlitt sehr schwere Brandverletzungen. Nach wenigen Tagen verschied er an deren Folgen. Während der Drescharbeit stürzte der 24 jährige Josef Gajo, HNr.162a, vom Strohschober so unglücklich auf den Elevator, das er sich das Genick brach. Noch sprach man in Lazarfeld von den Unglücksfällen, da ging am 14. Oktober wie ein Lauffeuer die Kunde durch den Ort: "Der Matthias Tempich, HNr.53 ist vom Blitz erschlagen worden." Der Bauer befand sich, als ihn das Schicksal ereilte, mit einem maisbeladenen Wagen auf der Sartschaer Straße.

Auch in diesem Jahr fuhr eine Abordnung der Minderbemittelten nach Budapest, um eine Zuteilung von Feldern, die von anderen Bauern bereits bezahlt waren, zu erwirken. Die damalige kommunistische Regierung Bela Kuhn (März - Juli) erließ ein Dekret, in dem den Minderbemittelten das Recht eingeräumt wurde, 2 Jahre über diese Felder zu verfügen. Diese Rechtsbrechung erzürnte die betroffenen Bauern natürlich nicht unerheblich. Ohne Anhören der Donauschwaben wurden die Friedensverträge mit den Siegermächten in Paris unterzeichnet. Die Batschka, die westliche Hälfte des Banats, Syrmien und Slawonien (zusammen 600 000 Deutsche) wurden Jugoslawien zugesprochen; die östliche Hälfte des Banats mit Temeschwar, das Sathmar Gebiet und ein Teil des Gebietes zwischen Keresch und Marosch (750 000 Deutsche) fielen an Rumänien; das übrige Siedlungsgebiet der Donauschwaben (480 000 Deutsche) verblieben bei Ungarn. Durch diese Grenzverschiebung wurde den Deutschen ins Bewusstsein gerückt, dass die Staatszugehörigkeit vergänglich, die Volkszugehörigkeit aber Staaten und Regierungsformen überdauert. Den Volksgruppen blieb eine Selbstbestimmung durch die Siegermächte versagt. Die Minderheitenschutzverträge, die Nachfolgerstaaten mit den Siegermächten ratifizierten, Jugoslawien unterzeichnete diesen am 10. September 1919 in Saint German en Laye, bedeutete de facto eine Diskriminierung der Volksgruppen; sie wurden dadurch zu Staatsbürgern 2. Klasse abgestempelt. Interessant ist zu erwähnen, das Ungarn durch den Friedensvertrag von Trianon (4.6.1920) 2/3 seines Gebietes und 7/10 seiner Einwohner einbüßte.

Anfang Februar 1920 fand in unserem Heimatort die Wahl für die freie Notarstelle statt. Die große Mehrheit der Dorfbewohner schenkte dem gebürtigen Lazarfelder, Franz Schneider, ihr Vertrauen. Dessen Amtszeit währte allerdings nur drei Jahre - Mangelnde Kenntnis der Staatssprache (serbisch) und seine deutsche Volkszugehörigkeit wurden als Gründe für seine Entlassung genannt. Von dieser Zeit an bekleideten nur noch serbische Notare diese Dienststelle, die sie für ihre politischen Zwecke missbrauchten. In diesem Jahr, in den Juni, fiel auch die Gründung der Ortsgruppe Lazarfeld des "Schwäbisch – Deutschen Kulturbundes". Dieses Ereignis stellte in der Geschichte unserer Gemeinde einen gewissen Höhepunkt dar, bestand doch bis dahin keine kulturelle Organisation dieser Art. Dem Kulturbund oblagen nur kulturelle Aufgaben, wie die Erhaltung deutscher Sitten und Gebräuche und Pflege deutscher Volkslieder und Tänze. Trotz dieser rein unpolitischen Betätigung wurde der "Schwäbisch - Deutsche Kulturbund" in Jugoslawien öfters verboten. Und wieder, wie in so vielen Jahren zuvor, wurden die Bewohner Lazarfelds durch das Läuten der Feuerglocken aufgeschreckt. Das Wohnhaus HNr.110 des Bering Johann brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Im Jahre 1921 wurde unser Dorf wieder vergrößert. Um jungen Eheleuten und kinderreichen Familien einen Hausbau zu ermöglichen, tauschte die Gemeinde die Felder von Frau Elisabeth Eisler, HNr.70, Frau Apollonia Brem, HNr.94, Frau Maria Schneider, HNr.68a, Herrn Johann Klötzl, HNr.15, Herrn Dominik Krämer, HNr.97 und Herrn Anton Friedrich, HNr.35b ein und schuf so wertvolles Bauland. So konnte sich der Ort von HNr.265 bis HNr.299 vergrößern. Eisler, Brem und Krämer bekamen die Felder jenseits der Bahnlinie an der Landstraße gegen Sigmundfeld zugeteilt. Schneider, Klötzl und Friedrich erhielten von der Gemeinde für zwei Joch Baugründe drei Joch Hutweidfeld. Weitere Neubauten entstanden auf den Feldern des Herrn Johann Gajo, HNr.145a und des Herrn Georg Zwirner, HNr.103. In den folgenden Jahren vergrößerte sich das "Neue Dorf" abermals. Für die baufreudigen Eheleute konnte die Gemeinde allerdings keinen weiteren Feldtausch vornehmen. Baulustige mussten deshalb durch eigene Initiative Baugründe aus privater Hand erstehen. So bot Nikolaus Kristof, HNr.228, Bauland aus seinem privaten Grundbesitz an. Die Interessenten konnten sich aber über den Baulandpreis nicht einigen. Deshalb kauften einige Lazarfelder Bauern von Kristof zwei Joch Ablöse, dafür bekam er drei Joch auf der Martinica. Die Bauplätze wurden ausgemessen und verteilt. Diese vorbildliche Nachbarschaftshilfe finanzierte vorerst der Gastwirt Franz Bohn, HNr.74. Später beteiligten sich an dieser Baulandfinanzierung auch die Bauern Josef Klötzl, Wenzel Lang, Franz Fichtler, Peter Steyer, Peter Bohn und Georg Lutje. Im Jahre 1942 übernahm dann dieses Darlehen die "Bauernhilfe".

Im Sommer des Jahres 1921 hob die Lazarfelder Jugend - vorwiegend die damaligen Studenten – einen Sportverein aus der Taufe. Er erhielt den klangvollen Namen "Lazarfelder Sporttreibende Jugend". Als Hauptdisziplin pflegte war das Fußballspiel. Schon am 28. August, dem Kirchenfest der Lazarfelder, rollte das runde Leder auf dem Rasen des örtlichen Sportplatzes, 22 Akteure, elf aus Lazarfeld und elf aus Ernsthausen, kämpften um den Sieg. Dieses sportliche Ereignis gestaltete sich als ein Fest für die ganze Gemeinde. Unter den schneidigen Klängen der Lazarfelder Blaskapelle marschierten die Sportler, begleitet von der Bevölkerung zum Fußballplatz. Am Abend traf sich die Jugend im Saale der Gastwirtschaft und schwang fleißig das Tanzbein. Sieg oder Niederlage waren dann rasch vergessen. In den Wintermonaten widmete sich der Sportverein der Aufführung von Theaterstücken, die sich immer eines guten Besuches erfreuten.

In diesem Jahr lernten unsere Landsleute erstmals die Ungerechtigkeit und Willkür der neuen Machthaber so richtig kennen: Wie bereits erwähnt, hatten die Käufer des Hoterfeldes, das früher der Etschkaer Herrschaft gehört hatte, den Kaufpreis beim Amtsgericht in Großbetschkerek hinterlegt. Infolge des Umsturzes waren die neuen Eigentümer noch nicht im Grundbuch eingetragen. Als nun in diesem Jahr serbische Feldinteressenten aus Großbetschkerek Ansprüche auf dieses Feld geltend machten, wurden ihnen diese Parzellen im Sinne der Agrarreform zugesprochen. Die Lazarfelder und Sigmundfelder Käufer hatte man mit dieser Entscheidung um ihr Eigentum betrogen.

An das Jahr 1922 werden sich viele Lazarfelder nur mit Schaudern erinnern, schlug doch der Tod fünfmal auf recht grauenvolle Weise zu und löschte meistens junge Menschenleben aus. So verbrannten im Februar bei lebendigem Leibe die 23jährige Rosalia Welter, Frau des Josef Welter, HNr.45 und ihre 15 jährige Schwester Katharina Ehrenreich. Nur Petroleum wollten sie auf die Maiskolben schütten, die im Herd lagen. Im Herd befand sich aber noch Glut, die Kanne explodierte, ihre Kleider fingen Feuer. Alle Hilfe kam zu spät. Schon Monate zuvor war in Lazarfeld ein Dr.Phil. Stumpf aus Deutschland aufgetaucht. Der so genannte "Professor" hatte sich an die Kindergärtnerin Ella Schnur herangemacht und sich mit ihr verlobt. Da platzte der Schwindel: Hinter diesem ehrenwerten Dr.Phil. verbarg sich niemand anderer als der Steinmetz Stumpf, der wegen Hochstapelei und Urkundenfälschung kurz vor seiner Dingfestmachung stand. Aus Gram darüber schieden beide durch Gift aus dem Leben. Und noch einmal wurden die Bewohner unseres Heimatortes aus ihrem beschaulichen Dasein aufgerüttelt: Beim Maulbeerschütteln stürzte Herr Jakob Roth, HNr.42, so unglücklich vom Baum, dass er auf der Stelle tot war. Im Winter 1922/23 lag der Schnee fast Meterhoch auf unseren Fluren. Als im März warme Winde über das Land strichen, setzte urplötzlich die Schneeschmelze ein. Nachts prasselte auch noch warmer Regen hernieder. Der Grundwasserstand stieg derart, dass das Wasser Kniehoch in die Keller drang. Bei mehreren gestampften Häusern stürzten die Wände ein. Bei Peter Brem, HNr.45, entstand im April dieses Jahres ein Schadenfeuer, dem die gesamten Futtervorräte zum Opfer fielen. Am 23.Juli 1923 verbreitete sich in Lazarfeld wie ein Lauffeuer die Kunde, dass der Schulleiter, Johann Welsch, einem Herzschlag erlegen sei. Der gebürtige Lazarfelder, der erst 50 Jahre zählte, wirkte von 1895 - 1896 hier als provisorischer Lehrer. Von 1904 - 1918 versah er neben seinem Amt als Lehrer auch das Amt eines Schriftführers der damaligen Sparkasse. Nach dem Kriege wurde ihm die Leitung der hiesigen Volksschule anvertraut, die er bis zu seinem Tode innehatte. Während des 1.Weltkrieges und nachher, der Kantorlehrer Josef Unterreiner befand sich im Kriege und anschließend in russischer Kriegsgefangenschaft, wurde ihm die Organistenstelle übertragen, die er mit größter Umsicht versah. Herr Johann Welsch galt nicht nur als guter Lehrer; in seiner Eigenschaft als Mitarbeiter der Sparkasse trug er nicht unwesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Gemeinde bei.

Am 17.Dezember 1922 hatten sich zu Hatzfeld beherzte Männer zu einem Bund zusammengeschlossen. Sie bezeichneten ihren Bund "Partei der Deutschen". Auch die Lazarfelder folgten diesem Beispiel und gründeten 1923 die "Partei der Deutschen". Schon 1923 stellte sich die "Partei der Deutschen" den Parlamentswahlen. Der gewählte Dr. Wilhelm Neuner zog als erster deutscher Abgeordneter des Mittelbanats ins Parlament zu Belgrad ein.

Mitte Oktober stürzte Maria Michi, Tochter des Johann Michi, HNr.104, so unglücklich von einem mit Maislaub beladenen Wagen, dass sie sofort verstarb. Dienstherr des Mädchens war Michael Schneider, HNr.172. Obwohl Klek Sitz der Kreisarztstelle sein sollte, suchte man dort meistens vergeblich nach einem Arzt. Für Lazarfeld war seit seiner Gründung kein Arzt vorgesehen. So musste man in Krankheitsfällen entweder den Arzt aus Ernsthausen oder Großbetschkerek herbeirufen. Ein Aufatmen ging deshalb durch die Bevölkerung Lazarfelds, als sich in diesem Jahr Dr. Georg Zwirner als Privatarzt hier niederließ. Herr Zwirner war ein Sohn der Gemeinde. Seine Praxis erfreute sich regen Zuspruchs. Schwerkranker konnte sofort ärztliche Hilfe zuteil werden.

Das Jahr 1924 brachte einen blutigen Zusammenstoß unserer Landleute mit den Serben. Dieses Ereignis ging als "Blutbad in Lazarfeld" am 2. Mai 1924 in die Ortsgeschichte ein. Wie es dazu kam, darf ich in chronologischer Reihenfolge berichten: Wie schon erwähnt, erstanden im April 1918 die Lazarfelder 1800 Joch und die Sigmundfelder 1000 Joch Feld von der Etschkaer Herrschaft, das der Altruistischen Bank in Budapest zur Verteilung überlassen worden war. Diese Käufe wurden in Form von Ratenzahlungen abgewickelt. Die Parzellen gingen sofort in das Eigentum der Käufer über und wurden von ihnen bereits im Jahre 1918 bestellt. Infolge des Umsturzes trat in die restliche Abwicklung der Zahlungen insofern eine Störung ein, als der Vertreter der Altruistischen Bank in Großbetschkerek, Jakob Loch, eröffnete, dass die Raten unmittelbar an die Budapester Bank zu überweisen wären. Diese Zahlungsanweisung erwies sich aber als undurchführbar; so hinterlegen die Feldkäufer den restlichen Kaufpreis bei Gericht. Eben diese Felder beanspruchten im Jahre 1921 serbische Bauern und Bürger aus Großbetschkerek. Die Parzellen wurden, da sie früher einem Grundbesitzer angehört hatten, im Sinne der Agrarreform (alle Felder über 518 Joch) den Besitzern enteignet. In den Wirren des Umsturzes hatte man vergessen, die Lazarfelder und Sigmundfelder Deutschen als Besitzer in das Grundbuch einzutragen. Die Felder schienen also noch der Etschkaer Herrschaft zu gehören, obwohl sie von unseren Landsleuten rechtmäßig käuflich bereits erworben worden waren. Unsere schwäbischen Käufer sahen darin ein Unrecht und klagten bei Gericht. Die ersten Klagen wurden von den Sigmundfelder Peter Friedrich, Josef Loch, Juliane Gärtner und Christian Reiher durch den Betschkereker Rechtsanwalt, Dr. Stefan Radoslav, angestrengt. Am 23.Oktober 1923 entschied das Großbetschkereker Gericht zugunsten der Kläger und verpflichtete die Bank, die 14 Katastraljoch innerhalb von 15 Tagen vorbehaltlos den Käufern zu übereignen. Gegen dieses Urteil legten sie serbischen Feldinteressenten Berufung ein. Außerdem machten sie die Zuständigkeit des Gerichts strittig. Sie forderten die Entscheidung der Agrarbehörden. Am 2.Mai 1924, dem Tag der Feldübergabe, ereignete sich in der Gemarkung Lazarfeld ein blutiger Vorfall. Etwa 200 mit Gewehren, Revolvern und Krampen bewaffnete Serben, die auf etwa 80 Bauernwagen von Großbetschkerek gekommen waren, überfielen die Lazarfelder, die auf den Feldern arbeiteten. Schreckschüsse fielen. Als die deutschen Bauern die Flucht ergriffen, eilten ihnen die Serben nach und veranstalteten buchstäblich eine Hetzjagd auf unsere Landsleute. Von den Wägen aus schlugen sie mit Gewehrkolben auf die wehrlosen, meist älteren Opfer ein. So blieben schwerverletzt auf den Feldern liegen: Johann Rep, Anton Kern, Georg Sattler sen., Philipp Merkler, Dominik Koch, Josef Koch sen., HNr.174, Matz Biwo, Wenzel Menches, um nur einige von ihnen zu nennen. Die Wagenkolonne der serbischen Mordbande stand unter dem Befehl des Dr.Schupanski, einem Rechtsanwalt aus Großbetschkerek. Von welch kaltschnäuzigem und niederträchtigem Charakter dieser Mensch war, zeugt ein Ausspruch, den er nach dem (Überfall den Schwerverletzten zurief: "Ihr habt das Recht und wir die Gewalt!" Dieser ungeheuerliche Vorfall rief unter den Deutschen des ganzen Banats hellste Empörung hervor. Die deutschen Abgeordneten brachten dieses Ereignis vor das Parlament. Gerichtlich gesühnt aber wurde dieser organisierte Mordanschlag, an dessen Folgen einige Schwerverletzte später starben, nie. Und der Prozess um die Felder ging weiter. Dass Gericht in Großbetschkerek hatte in erster Instanz für die Deutschen entschieden, das Neusatzer Berufungsgericht entschied gegen sie. Der Streitfall gelangte vor den Kassationshof, der das Urteil des Berufungsgerichtes verwarf. Nun gingen die streitenden Parteien vor die Zweitinstanz des ordentlichen Gerichtes. Das Urteil fiel zugunsten der Deutschen aus. Hernach sollte die Einwilligung des Ministers für Agrarreform eingeholt werden, die Parzellen ins Grundbuch einzutragen. Darauf hatte aber das ordentliche Gericht keinen Einfluss, mehr. Der bürgerliche Senat des Neusatzer Berufungsgerichtes befasste sich am 9.Oktober 1927 neuerdings mit diesem Rechtsstreit und verlangte die Einvernahme einer ganzen Reihe von Zeugen und die Vorlage von Schriftstücken als Beweise. Die Zeugen sollten vor dem Großbetschkereker Gerichtshof verhört werden. Der Vertreter der Kläger lehnte diese Forderung ab, da er den Fall als genügend aufgestellt betrachtete. Dr.Radoslav hatte auch in einer Eingabe dagegen Beschwerde geführt, dass der Innenminister am 18.Februar 1923 unter Zahl 25780 eine Verordnung erlassen hatte, der zufolge es der Gendarmerie untersagt wurde, an der Vollstreckung des Urteils des Großbetschkereker Gerichtshofes mitzuwirken. Weiterhin beinhalteten diese Eingaben schwere Vorwürfe gegen das Innenministerium. Dr.Radoslav bewies, dass zwei Ministerialinspektoren den Versuch unternommen hätten, die richterliche Unabhängigkeit anzutasten. So zog sich der Prozess in die Länge. Entschieden wurde nichts. Bis zum 2.Weltkrieg nutzten die Serben die Felder, die den Deutschen gehörten. 1941, nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien, wurden unseren Landsleuten die Felder sofort übereignet. Kein Serbe hatte sich fortan mehr auf diesen Äckern sehen lassen.

Im Jahre 1924 begann auch bei uns die Zeichnung von Anteilen der Zentralgenossenschaft "Agraria", die am l.Oktober 1922 in Neusatz gegründet worden war. Diese Zentralgenossenschaft "Agraria" wurde bei unseren Landsleuten unter dem Namen "Bauernhilfe" bekannt. Im Jahre 1912 hatte Sigmund Wolf aus Zichydorf von Anton Marschall & Co., HNr.86f, die im Jahre 1908 durch eine Aktiengesellschaft erbaute Mühle erworben. Während des 1.Weltkrieges konnte Sigmund Wolf nicht genügend Brennstoff (Holz) für die Dampfmühle beschaffen. Um aber den Betrieb der Mühle weiterhin aufrechtzuerhalten, sah sich Wolf gezwungen, den Großbetschkereker Kaufmann, Herrn Isidor Fenjvesch, zu seinem Teilhaber zu bestellen. Obengenannter Kaufmann besaß nämlich gute Verbindungen zu Holzlieferanten. Der Mühlenbetrieb des Herrn Wolf stand in dem Ruf, sehr gutes Mehl zu erzeugen. Leute aus nah und fern brachten ihren Weizen deshalb zum Mahlen. Im August des Jahres 1925 brach durch ein heißgelaufenes Lager in der Mühle ein Großfeuer aus. Die gesamte Mühleneinrichtung, eine Holzkonstruktion, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nur dem vorbildlichen Einsatz der Feuerwehr war es zu verdanken, dass das Maschinenhaus gerettet werden konnte. Nun stand also der Raum Lazarfeld ohne Mühle da. Die Einwohner waren gezwungen, ihren Mehlbedarf aus den Mühlen von Ernsthausen und Großbetschkerek zudecken. Sigmund Wolf trug sich mit dem Gedanken, die Mühle wieder aufzubauen. Da ihm aber nur beschränkte Mittel zur Verfügung standen, ersuchte er die Gemeinde um zehnjährige Befreiung von der Gemeindesteuer. Der Gemeindeausschuss lehnte das Gesuch des Mühlenbesitzers ab mit der Begründung, nur von 2800 Joch Felder Gemeindeumlagen kassieren zu können, von denen die Ausgaben der Gemeinde bestritten werden müssten. Die Serben, die sich die 1800 Joch auf der Gemarkung Lazarfeld widerrechtlich angeeignet hatten, zahlten nämlich keine Gemeindesteuern. So sah sich Sigmund Wolf außerstande, sein neues Mühlenprojekt zu verwirklichen. Er verkaufte das Grundstück. Erst 1936 arbeitete in Lazarfeld wieder eine Mühle.

Das Jahr 1925 beschied unseren Bauern eine Rekordernte. So brachte jedes Joch bis zu 15 dz Weizen und bis zu 25 dz Mais. Auch das Jahr 1925 endete nicht ohne tragischen Unfall. Im Herbst fuhr Matthias Mayer, HNr.7 mit einem maisbeladenen Wagen heimwärts. Auf dem Gefährt befand sich außerdem noch ein Kindermädchen, das den Säugling im Arme wiegte. Plötzlich scheuten die Pferde und gingen mit dem hochbeladenen Fuhrwerk durch. Das Kindermädchen stürzte mit dem Säugling so unglücklich vom Wagen, dass das Kind auf der Stelle starb. Wie durch ein Wunder blieb das junge Mädchen unverletzt. Wochenlange, sintflutartige Regenfälle hatten im Frühling des Jahres 1926 dazu geführt, dass die tiefergelegenen Felder fast völlig überflutet waren. Wie schon im Jahre 1923, so stieg auch jetzt wieder der Grundwasserspiegel so sehr an, dass in vielen Kellern der Wohnhäuser das Wasser zentimeterhoch stand. Auch diesmal verursachte das Grundwasser ziemlichen Schaden an den Häusern. Außerdem konnten die überschwemmten Felder nicht rechtzeitig bestellt werden. Im Sommer dieses Jahres brach auf dem Hofe des an der Ecke wohnenden Thomas Kristof, HNr.139, ein Hofbrand aus. Das Feuer griff so rasch um sich, dass es auch den Hof seines neben ihm wohnenden Bruders, Michael Kristof, HNr.139a, erfasste und die ganzen Futtervorräte auf beiden Höfen vernichtete. Zum Glück blieben die Wohngebäude vom Feuer verschont. In dieses Jahr fällt auch die Gründung der "Zentralen Darlehenskasse", eine Schwestergenossenschaft der "Agraria" für den Kreditverkehr, in Neusatz. Nach dem nun diese Geldausgleichsstelle ins Leben gerufen war, vermochte das deutsche Genossenschaftswesen erst seinen richtigen Aufschwung zu nehmen. Auch unsere "Bauernhilfe" schloss sich der Z.D.K. an und begann in diesem Jahre mit ihrer Tätigkeit. Sie nannte sich fortan: Landwirtschaftliche Kredit- und Wirtschafts-Genossenschaft "Bauernhilfe" GmbH. Lazarfeld. Näheres darüber im Kapitel Vereinswesen.

Am Kirchweihfest unserer Gemeinde, das auf den 28. August fiel, bildete Lazarfeld von jeher den Treffpunkt der ganzen Umgebung. Da dieser Tag sozusagen den Abschluss der großen Sommerferien darstellte, fanden sich unter anderen Gästen besonders Studenten und Lehrer von nah und fern in Lazarfeld ein. In diesem Jahr ergab sich ein besonderer Anlass, diesen Tag festlich zu begehen; erhielt doch der Neu erbaute große Tanzsaal mit Bühne seine feierliche Weihe. Erbauer und Besitzer war der rührige Gastwirt Josef Bohn, HNr.74. Am Nachmittag fand eine Sportveranstaltung statt. Höhepunkt der Feier aber bildete ein Liedervortrag der Männerchöre aus Sigmundfeld und Lazarfeld unter Leitung von Lehrer Lorenz Lang und Schuldirektor Josef Unterreiner. Einen tiefen Eindruck hinterließen die von beiden Vereinen, etwa 80 Mann stark, dargebotenen Gemeinschaftschören. Anschließend schwang jung und alt unter den schmissigen Weisen der Lazarfelder Blaskapelle das Tanzbein.

Ein unrühmliches Kapitel der Geschichte Lazarfelds stellte der Wahlbetrug bei der Parlamentswahl am 11.September 1927 dar. Damit sich die Leser ein Bild von den Parlamentswahlen machen können, sei hier kurz eine Abgeordnetenwahl im alten Ungarn aufgezeigt. Die Wahl war öffentlich. Die zwei Parteien versuchten mit allen Mitteln die Wähler für sich zu gewinnen. Dabei sparten die Kandidaten mit ihren Korteschen (Werbern) nicht an Wein. Bier und Schnaps. Auch das feurige, in großen Kesseln zubereitete Gulasch durfte bei solchen Wählerversammlungen bzw. am Wahltag nicht fehlen und wurde kostenlos an die Wähler verteilt. Eine Feder oder eine Rose, getragen am Hut, symbolisierte die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Parteien. Die Abgeordneten der Regierungspartei rekrutierten sich aus den Reihen des Großkapitals und des ungarischen Adels. Weder Adel noch Großkapital hatte ein Interesse, bestehende Verhältnisse zugunsten des einfachen Volkes zu ändern. Die Kandidaten der Opposition, ungarische Nationalisten, entstammten vorwiegend der weniger begüterten Klasse. Da sie weder mit Alkohol noch mit kulinarischen Genüssen dem Wähler schmeicheln konnten, unterlagen sie zumeist. Bis Anfang dieses Jahrhunderts kannte Ungarn kein allgemeines Wahlrecht. Nur solche Bürger sahen sich im Besitz des Stimmrechts, die einen Mindestbesitz aufzuweisen hatten oder eine bestimmte Mindeststeuersumme zahlten. In Jugoslawien hingegen befleißigte man sich eines allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts, das allerdings die Frauen ausschloss. Der Wahlakt war in seiner Originalität einzigartig. Das Wahllokal zählte so viele Urnen, wie Parteien Kandidaten zur Wahl stellten. Statt eines Wahlzettels gebrauchte der Wähler eine Gummikugel von etwa 15 mm Durchmesser mit eingeprägtem Staatswappen. Um dem Wahlgeheimnis Genüge zu leisten, steckte der Wähler die geschlossene Hand in der sich die Gummikugel befand, in jede Urne. Dabei ließ er die Kugel in die Urne fallen, die den Namen seines Kandidaten trug. Nachdem seine geschlossene Hand allen Urnen einen "Besuch" abgestattet hatte, musste der Wähler seine leere Hand vorzeigen. Urnenhüter überwachten die Wahlprozedur mit Argusaugen. Im Gegensatz zu Ungarn herrschte in Jugoslawien strengstes Alkoholverbot. Nachdem am 9.Februar 1925 Dr.Wilhelm Neuner zum zweiten Male als Abgeordneter ins Parlament in die "Skupschtina" in Belgrad eingezogen war, kandidierte er 1927 wiederum für die "Partei der Deutschen" im Mittelbanat. Die regierende radikale Partei in Jugoslawien wollte unbedingt an der Macht bleiben und scheute vor keinem ungesetzlichen Mittel zurück. Die serbischen Notare in den deutschen Gemeinden mussten eine hohe Zahl radikaler Stimmen bei der Abgeordnetenwahl am 11.September 1927 aufweisen. Auf vieles Zureden des Notars, Ilija Pauljev aus Botosch, hatte der Lazarfelder Gemeinderat schon früher den Beschluss gefasst, die Gemeindekanzleiräume in die Notarswohnung zu verlegen. Der wahre Grund für diesen Wohnungswechsel wurde den Gemeinderäten offenbar, als die Wahlkugeln am Mittag des Wahltages gestohlen worden waren. Folgendes war geschehen: Die frühere Notarswohnung und jetzige Gemeindekanzlei besaß eine große Glasfenstertür, bei der man trotz Versiegelung des Wahllokals eingedrungen war. Als Wahlvorstand fungierte ein serbischer Beamter, dessen Stellvertreter ein Gemeinderatsmitglied aus Lazarfeld war. Schon im Laufe des Vormittags empfahl sich der Wahlvorstand und überließ die Wahlaufsicht seinem Stellvertreter. Diesen verleitete man, eine Mittagspause einzuschalten. Bevor die Wahlhelfer das Wahllokal verließen, versiegelten sie die Türen. Der Stellvertreter und die Urnenhüter suchten das nächstgelegene Gasthaus auf, um zu speisen. Als die anwesenden Gäste den Wahlvorstand in seiner Gesamtheit dem Wahllokal fern sahen, vermuteten sie sofort dunkle Machenschaften. Erbost forderten sie die pflichtvergessenen "Wahlhüter" sogleich auf, unverzüglich ins Wahllokal zurückzukehren. Im Laufschritt erreichte die Wirtshausgesellschaft das Wahllokal. Die zehn Minuten hatten aber genügt, um die schon vorbereitete Glastüre herauszunehmen und die Wahlkugeln aus der Urne der "Deutschen Partei" zu entfernen und sie in die Urne der radikalen Partei zu schütten. Die primitiven Urnenschlossvorrichtungen stellten keinerlei Hindernis dar. Der Urnenhüter der "Deutschen Partei" merkte, dass hinter dem Vorhang eine Scheibe in der Glastüre fehlte. Er riss das Straßenfenster auf und schrie aus Leibeskräften: "Sie han unsre Kugle g'stohln!" Große Erregung erfasste die Bewohner unserer Gemeinde. Männer, Frauen und Jugendliche waren im Begriffe, das Gemeindehaus zu stürmen. Serbische Gendarmerie umstellte schussbereit das Gemeindehaus. Am Abend, nach dem Kugelzählen, gab es für unsere Bevölkerung eine große Enttäuschung. Die Empörung über den offensichtlichen Wahlbetrug wuchs, die Volkseele kochte. Nur die Mündungen der serbischen Gewehre hinderte die aufgebrachte Menschenmenge, das Gemeindehaus zu besetzen. Der Gemeindeschreiber Bavkov gestand später im berauschten Zustand den Kugeldiebstahl. Ähnliches passierte in den deutschen Nachbargemeinden. Trotz des Wahlbetruges konnte Abgeordneter Dr. Neuner so viele Stimmen auf sich vereinigen, um zum dritten Male als unser Vertreter ins Belgrader Parlament einzuziehen. Erst als König Alexander I. am 6.Januar 1929 infolge innenpolitischer Spannungen die Verfassung aufhob und alle politischen Parteien auflöste, verblieb als einziger deutscher Abgeordneter im Belgrader Parlament Dr.Stefan Kraft.

Um beim Thema "Wahl" zu bleiben, streifen wir kurz die Bestellung der Gemeindevorstehung und der Gemeindeausschussmitglieder. Die Gemeindevertretung setzte sich in der ungarischen Zeit (bis 1918) aus zwölf Höchstbesteuerten, genannt Gemeindevirilisten und ebenso vielen Gewählten zusammen. Alle vier Jahre wählte die Gemeinde ihre Vertretung. Die Wahl der zwölf Kandidaten erfolgte öffentlich nach Listenvorschlag. In der jugoslawischen Zeit hingegen wählten die Bürger ihre Gemeindevertretung alle drei Jahre in geheimer Wahl. In der Zeit der Königsdiktatur fanden keine Gemeindewahlen statt. Erst im September 1927 erhielten die Gemeinden ihre Selbstverwaltung wieder zurück. Die erste geheime Wahl mittels Stimmkugeln ging bei uns am 6.November 1927 über die Bühne. Gewählt wurde nach einem Listensystem. Jede Wahlliste musste so viele Bewerber enthalten, wie Mitglieder in den Gemeindeausschuss gewählt werden konnten. Dieser Ausschuss zählte bei uns anfangs 20, später 28 Personen. Vier Listen bestätigte das Gericht bei uns 1927. Folgende Gemeindebürger zogen in diesem Jahr in den Gemeindeausschuss ein:

Nikolaus Wolf, Matthias Zwirner, Wenzel Dippong, Albert Hary, Christof Ott, Georg Schneider, Ludwig Massong, Jakob Beil, Josef Wolf, Johann Kapitän, Lorenz Pfendt, Josef Sauer, Johann Brem, Michael Bohn, Franz Sattler, Anton Kern, Franz Kristof, H.Nr.141, Michael Harsch und Josef Franz Bohn.

Der neu zusammengetretene Gemeindeausschuss wählte aus seinen Reihen den Gemeinderichter und seinen Stellvertreter: Gemeinderichter wurde Johann Kapitän, Vizerichter Lorenz Pfendt. Nach Erlass des Innenministeriums mussten die vier Gemeindegeschworenen, der Gemeindekassier und der Waisenvater direkt vom Volk gewählt werden. Am l9.November 1927 erbrachte die Wahl, die unter Leitung des Stuhlrichters Putnik stattfand, folgendes Ergebnis:

Adam Marschall, Kassier, Josef Bohn, HNr.73, Waisenvater, Nikolaus Berton, Franz Schneider, Josef Lung, Wenzel Kern, Geschworene. Anstelle des Gemeinderichters Kapitän und des Vizerichters Pfendt zogen in den Ausschuss die Herren Michael Schneider, HNr.78 und Michael Kirch ein.

Lazarfeld nahm, wie bereits erwähnt, wegen seiner Nähe zur Zuckerfabrik in Großbetschkerek im Zuckerrübenanbau den ersten Platz ein. In diesem Jahr errichtete nun eine Aktiengesellschaft in Großbetschkerek eine Ölfabrik. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass unsere Lazarfelder Bauern mit dem Anpflanzen einer neuen ölhaltigen Frucht, der Sonnenblume, begannen. Der Anbau dieser Ölpflanze gestaltete sich sehr rentabel; denn durch einen Umbau der Dreschmaschinen konnte man die Sonnenblumen gleich auf dem Felde dreschen. Im Jahre 1936 setzte der Anbau einer zweiten ölhaltigen Pflanze, der Rizinusbohne, ein. Die Schoten dieser Pflanze vermochte man infolge ihrer Stacheln nur morgens, wenn der Tau noch silbrig auf den Früchten glänzte, mit Handschuhen zu sammeln. Das Dreschen erfolgte ebenfalls in der Dreschmaschine. Nachdem die Gemeinden ihre Selbstverwaltung zurückerhalten hatten, erwies sich die Wahl eines Gemeindenotars als notwendig. Mit Beschluss vom 26.November 1927 schrieb der Gemeindeausschuss die Notarstelle zur Bewerbung aus. Am 2.Mai 1928 schenkte die Gemeinderepräsentanz dem bereits in der Gemeinde wirkenden Otto Müller mit 23 gegen 3 Stimmen das Vertrauen als Notar.

Im Oktober 1927 ließ sich Pfarrer Hegedüsch, der volle 29 Jahre als Seelsorger hier segensreich gewirkt hatte, nach Kudritz versetzen. Der Grund, warum Pfarrer Hegedüsch unsere Gemeinde verließ, lag darin, das er nach dem Zusammenbruch, also seit 1918, kein Gehalt mehr bezogen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Etschkaer Herrschaft als Patrionatsherrin sowohl für den Unterhalt des Pfarrers als auch für die Instandhaltung der Kirche und des Pfarrhauses Sorge getragen. Beim Verkauf der letzten 1800 Joch 1918 übertrug die Herrschaft die Patronatspflicht der Gemeinde. Außerdem überließ sie der Gemeinde 48 Joch für den Unterhalt des Pfarrers und 12 Joch für die Instandhaltung der Gebäude. Als sich die Serben auch diese Felder aneigneten, konnten weder die Herrschaft, noch die Gemeinde ihrer Patronatsverpflichtung nachkommen. So war die Pfarrei Lazarfeld verwaist. Fielen Taufen, Trauungen oder Beerdigungen an, so musste ein Priester aus Großbetschkerek kommen, was mit erheblichen Spesen verbunden war. Da dieser Zustand auf die Dauer untragbar erschien, unternahm die Gemeindevorstehung Schritte bei der Apostolischen Administratur des Banats in Großbetschkerek, um wieder einen ständigen Priester zu bekommen. Drei Ausschussmitglieder: Franz Kristof, Anton Kern und Ludwig Massong sprachen bei seiner Exzellenz, dem Erzbischof Raphael Rodits h vor. Seine Exzellenz knüpfte an die Besetzung der Pfarrstelle folgende Bedingungen:

1.     Kirche und Pfarrhaus müssen renoviert werden

2.     Ein Kirchenrat muss gegründet und die Kirchengemeindestatuten der Apostolischen Administratur im Banat sind anzunehmen

3.     Das Gehalt des Pfarrers muss schriftlich fixiert werden.

Die Verantwortlichen der Gemeinde beschlossen, zur Renovierung der Kirche und des Pfarrhauses eine freiwillige Spendenaktion einzuleiten und betrauten folgende Gemeindebürger mit der Durchführung der Spendenzeichnung: Jakob Beil, Michael Schneider, Franz Kristof, Josef Neu, Christof Michi, Josef Leptich und Jakob Lux. Nach Abschluss der Spendenaktion standen allerdings nur 36 000 Dinar zur Verfügung, der gesamte Kostenvoranschlag für die Renovierung betrug aber 180000 Dinar. So stellte die Gemeindevorstehung alle weiteren Verhandlungen ein. Der päpstliche Kämmerer Nikolaus Geröfi, Großbetschkerek, veranlasste Franz Bohn, Unterschriften für die Gründung eines Kirchenrates zu sammeln. 250 Personen trugen sich in die Liste ein. Im April dieses Jahres versammelte sich fast die ganze Pfarrgemeinde im Pfarrhaus, um die Wahl des Kirchenrates durchzuführen. Infolge großer Uneinigkeit und ständiger Auseinandersetzungen verließen die Versammelten unverrichteter Dinge das Pfarrhaus. Eine weitere Zusammenkunft wurde anberaumt; nun kam endlich die Wahl zustande. 42 Mann stimmten der Gründung eines Kirchenrates zu. Folgende Personen wurden in den Kirchenrat gewählt:

Franz Bohn, Johann Brem, Michael Bohn, Jakob Beil, Johann Galy, Peter Biebel, Josef Hipfel, Christof Michi, Michael Harsch, Anton Glaser, Johann Sauer und Peter Schmidt.

Den Kirchenstatuten gemäß nahm der Kirchenrat sofort seine Tätigkeit auf. Um die notwendige Renovierung der Kirchengebäude durchzuführen und das Gehalt des Priesters bestreiten zu können, stellten Franz Bohn 40 000 Dinar und Jakob Beil 20 000 Dinar leihweise zur Verfügung. Außerdem übernahm Johann Brem die Kosten für das nötige Brennholz. Der Entwurf einer Kultussteuer lag 15 Tage in der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme offen auf. Nur wenige aber nützten diese Gelegenheit, um evtl. gegen einen ungerechtfertigten Steuerentwurf fristgemäß bei der Diözesanbehörde Einspruch zu erheben. Und prompt kam es dann bei der Steuereintreibung zu großen Schwierigkeiten. Daher sah sich die Diözesanbehörde genötigt, die Gemeinde mit der Steuereintreibung zu belasten. Säumige Kirchensteuerzahler wurden gepfändet; die Gegenstände wurden öffentlich versteigert. Der Erlös der Versteigerung erbrachte die fällige Kirchensteuer. Diese Maßnahme rief Empörung und Unzufriedenheit bei den Betroffenen hervor. Etwa 15 Familien traten um diese Zeit aus der katholischen Kirche aus und schlossen sich dem evangelischen Glauben an. Nach Angaben dieser Personen erfolgte der Austritt aus der katholischen Kirche nicht wegen der Kirchensteuer, sondern deshalb, weil dem Kirchenrat kein größeres Mitspracherecht laut Kirchenstatuten eingeräumt sei. Nach gründlicher Renovierung des Pfarrhauses und der Kirche unterzeichnete der Kirchenrat beim Erzbischof die Annahme der Kirchenstatuten. Nachdem die Renovierungsarbeiten an der Kirche abgeschlossen waren, erfolgte am 24.Juni 1928 anlässlich einer feierlichen Handlung die Aufstellung des neuvergoldeten Kirchen-Kreuzes. Am 15.Juni 1929 ernannte dann der Erzbischof Hochw. Herrn Georg Hauschka zum Pfarrer in Lazarfeld.

Der Winter 1929 zeigte sich von seiner strengsten Seite. In der Nacht zum Faschingsdienstag (10./11. Februar) sank die Quecksilbersäule auf -33 Grad. Das war seit Menschengedenken die kälteste Nacht. Diese sibirische Kälte zerriss sogar die Stämme älterer Bäume. In den Mittagsstunden des Fronleichnamstages (30.Mai) brach ein schweres Gewitter über die Gemeinde herein. Gegen 13 Uhr schlug der Blitz in das Anwesen des Johann Jäger, HNr.116, ein. Bevor die Feuerwehr eingreifen konnte, brannte das Haus bis auf die Grundmauern nieder. Noch in der Zeit der Ansiedlung ließ die Grundherrschaft auf einem Eckplatz der Dorfmitte das "Große Gasthaus" (Gewölbebau) errichten. Viele Durchreisende hatten dort in den vergangenen hundert Jahren Obdach und Erfrischung gefunden. Als das alte Wirtshaus aber nicht mehr den neuzeitlichen Anforderungen entsprach, ließ der Besitzer, Peter Budo, HNr.101, das alte Gebäude abbrechen. An seine Stelle erbaute er ein modernes Gasthaus mit großem Tanzsaal.

Auf Grund eines Erlasses des Innenministeriums vom August 1929 wurde der bisherige Notar Otto Müller seines Postens enthoben und Sava Petljanski mit den Aufgaben eines Notars betraut. Als versierter Fachmann wirkte er bis 1941. Auch die Gemeindevorstehung und die Gemeinderepräsentanz wurden vom Innenministerium beurlaubt. Zugleich ernannte der Innenminister neue Gemeindeoberhäupter. Am l1.September spendet es. Exzellenz, Erzbischof Rafael Roditsch, Kindern unserer Gemeinde das Sakrament der Hl. Firmung. Am Vortag hatte Herr Michael Schneider den Erzbischof in Großbetschkerek mit seinem Auto abgeholt. Eine Reitergruppe ritt dem hohen Kirchenfürsten am Ortseingang, der mit einem Triumphbogen geschmückt war, entgegen. Zahlreiche Dorfbewohner hatten sich ebenfalls versammelt. Am Abend brachte der Kirchenchor unter Leitung des Direktorlehrer Unterreiner eine Serenade zum Vortrag. Anschließend spielte die Musikkapelle auf. Am 17.November, dem Kirchweihsonntag, gab es einen besonderen Anlass, nach Lazarfeld zu kommen, erhielt doch das neu erbauten, repräsentative Genossenschafts-Gebäude seine feierliche Weihe. Andächtig lauschte die festlich gestimmte Menschenmenge der Predigt des Generalvikars, Prälat Stefan Kovatsch, aus Großbetschkerek. Nach dem Festgottesdienst formierte sich die Bevölkerung zu einer Prozession zum Genossenschaftsheim. Den Weiheakt vollzog der Ortspfarrer Georg Hauschka. Der Gesangverein unter Leitung des Direktorlehrer Unterreiner umrahmte die stilvolle Feier mit erhebendem Festgesang. Nachdem die kirchliche Weihe vollzogen war, konnte der Präses der Bauernhilfe, Franz Sattler, zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, unter anderem den Direktor der Zentraldarlehenskasse Neusatz, Franz Rister, willkommen heißen. In seiner Festansprache hob Revisor, Peter Eck, hervor, dass die Lazarfelder Genossenschaft durch ihren großen Umsatz den ersten Platz unter den Gemeinden einnehme.

Seit dem Mühlenbrand vom Jahre 1924 besaß unsere Gemeinde keine Mühle mehr. Für den Bau einer neuen Mühle fand sich kein Unternehmer. So erteilte die Gemeindevorstehung Herrn Peter Fochler die Konzession zum Bau eines Elektrowerkes auf dem Platz HNr.43a unter der Bedingung, innerhalb von fünf Jahren auch eine Mühle zu errichten. Anfang November 1929 konnte fast jedes Haus im Ort mit Strom versorgt werden. Die Straßen Lazarfelds erhellte man durch eine zweckmäßige Beleuchtung. Das Elektrowerk erzeugte nachts Strom. Tagsüber war die Schrotmühle in Betrieb. Das Jahr 1930 brachte für die ärztliche Versorgung der Lazarfelder Bevölkerung einen nicht unerheblichen Fortschritt. Richtete doch in diesem Jahr der approbierte Apotheker, Paul Scheerer, im HNr.68, eine Apotheke ein. Bis zu diesem Zeitpunktwaren unsere Landsleute gezwungen, sich die ärztlich verordneten Medikamente aus Großbetschkerek zu beschaffen. Die neu eröffnete Apotheke erfreute sich bald regen Zuspruchs. So mancher Sigmundfelder und Kleker besorgte nun seine Arznei in Lazarfeld. Noch ein wichtiges Ereignis Lazarfelds in diesem Jahr bedarf der besonderen Erwähnung. Die evangelische Minderheit unseres Heimatortes ließ auf dem Grundstück des Matthias Zwirner, HNr.161, das neben dem Friedhof lag, ein modernes, geräumiges Gotteshaus errichten. Monatlich einmal erschien der evangelische Pastor aus Pantschowa und hielt der Filialgemeinde einen Gottesdienst. Das sonst so friedliche Leben der Lazarfelder Bürger wurde jäh von einem tragischen Unglücksfall unterbrochen. Der elf jährige Junge, Hans Tines, einziger Sohn des Jakob Tines, HNr.142, spielte mit einem Draht und schob diesen in eine Steckdose. Ein Stromschlag löschte sein junges Leben aus. Waren im Jahre 1930 die Ernteerträge nur mäßig, so brachte das Jahr 1931 eine Rekordernte. In diesem Getreideüberschussjahr fand der Weizen kaum Abnehmer. Auch der Preis erreichte in dieser Zeit einen Tiefstand. Auf 165 Dinar pro dz festgesetzt, hielt sich dieser nur kurze Zeit und sank noch während der Druschzeit rapide. Das Jahr 1931 brachte über die Familie Johann Harsch, HNr.143, großes Unglück, brannte doch das Wohnhaus fast völlig aus. Dem "fetten Jahr" 1931 folgte das "magere Jahr" 1932 mit einer Missernte. Es regnete unaufhörlich, so dass bald die Weizenfelder unter Wasser standen. Sie wurden umgeackert und man säte 100 Tage Mais, Hirse, Mohar usw. Die wenigen trockenen Weizenfelder wurden damals von einem in diesem Ausmaß nicht gekannten Rostbefall heimgesucht, der die Missernte noch vervollständigte. Der Weizenpreis schwankte in dieser Zeit zwischen 80 und 200 Dinar. Das beweist zur Genüge, wie sehr die Landwirtschaft der Willkür des Getreidehandels ausgeliefert war. Um aus dieser untragbaren Situation einen Ausweg zu finden, wurde zur Stützung des Getreidepreises zur Sicherung des Exports die "Prizad" (Priviligovana Izvozna A. D. = Privilegierte Ausfuhr A.G. in Belgrad) ins Leben gerufen. Sie konnte als staatlich geförderte Getreide - Exportgesellschaft bezeichnet werden und besaß das alleinige Recht, Getreide anzukaufen und zu exportieren. Eine durchgreifende Änderung der Lag auf dem inländischen Getreidemarkt zeigte aber auch die "Prizad" nicht. Kein Wunder, gaben sich nun doch in derselben alle früheren Einzelhändler ein Stelldichein als Aktionäre und konnten noch ungestörter und mit staatlichem Privileg ihre bisherigen Praktiken üben.

In diesem Jahr suchte der "rote Hahn" zahlreiche Höfe heim: So brach auf dem Hofe des Jäger Adam, HNr.59, ein Feuer aus, das sehr rasch auch auf den Hof seines Nachbarn Pfendt Philipp, HNr.60a, übergriff. Die Futtervorräte beider Höfe wurden ein Raub der Flammen. Kaum hatten sich die Lazarfelder von diesem Schrecken erholt, da schlugen aus dem Hofe des Bohn Johann, HNr.83, erneut die Flammen. Diesmal breitete sich das Feuer auf den Nachbarhof des Bohn Josef Franz, HNr.84, aus. Nur kurze Zeit später fielen die Futtervorräte auf dem Salasch des Peter Brem den Flammen zum Opfer. Besonders schwer wurde Gajo Philip, HNr.162, von einer Feuersbrunst heimgesucht. In der Mittagszeit züngelten die Flammen aus dem Dachstuhl des Hauses. Noch bevor die Feuerwehr wirksam eingreifen konnte, wurde das ganze Haus bis auf die Grundmauern eingeäschert. Ein nicht alltäglicher Unfall ereignete sich am 10.August bei der Weizenabfuhr in Klek. Der 24 jährige Josef Hipfel, Sohn des Johann Hipfel, HNr.47a, wollte, nachdem er den Weizen in den Schiffschlepper verladen hatte, seine Pferde im Begawasser baden. Zum Unglück trieb er das Gespann gegen die Strömung. Die Pferde gerieten in eine Untiefe. Bei dem Versuch, sie zu retten, fand der Nichtschwimmer samt seinen Tieren den Tod in den Fluten. Im Frühling des Jahres 1933 brach eines Nachmittags im Wohnhaus des Peter Sauer, HNr.169b, ein Brand aus. Dabei fiel den Flammen das ganze Haus zum Opfer. Kraft der Gemeindegesetze vom 24.März 1933 Nr. 85 - 26 wurden wieder Gemeindewahlen in der Donaubanschaft zugelassen. Am 8. Oktober traten die Lazarfelder zu den Urnen, um ihre Gemeindevorstehungsmitglieder und Gemeinderatsmitglieder zu küren. Das Vertrauen der Wählerschaft als Gemeindevorstehungsmitglieder erhielt:

Biebel Peter (Bürgermeister), Massong Georg (Stellvertreter), Lung Josef, Stadtfelder Wenzel, Jost Josef. In den Gemeinderat zogen ein: Klötzl Josef', Welsch Georg, Wolf Franz, Wolf Bernhard, Pfendt Hieronimus, Bosler Peter, Jerch Josef, Koch Georg, Beil Jakob, Michl Josef, Pfeifer Michael, Schneider Nikolaus, HNr.178. Im Januar 1934 starb Anton Grill. An seine Stelle rückte Ludwig Massong.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass Gemeindevorstehung und Gemeinderepräsentanz nach Listen für die Dauer von drei Jahren gewählt wurden. Laut Vollzug der Gemeindestatuten wurden folgende Personen mit nachfolgenden Gemeindeämtern betraut:

Petljanski Sava (Notar), Meng Johann (Vizenotar), Stukei M. (Gemeindeschreiber), Marschall Adam (Kassier), Faul Georg (Tierarzt), Hirt Magdalena (Hebamme), Kipper Peter (Gemeindediener).

Im Herbst 1934 vernichtete ein Hofbrand im Anwesen des Franz Schneider, HNr. 125, die gesamten Futtervorräte. Der 3.Mai 1935 brachte sehr starken Frost. Schwer betroffen davon wurden die grünende Weizensaat und der aufgelaufene Mais. Einige Bauern schätzten den Schaden richtig ein, pflügten ihren Weizen sofort um und säten Mais. Der Großteil der Bauern jedoch unterschätzte die Folgen des Frostes und ließ den Weizen stehen. Das dicke Ende kam bei der Ernte: die Ähren waren fast leer geblieben. Pro Joch ernteten unsere Landwirte in diesem Jahr nur fünf bis sieben dz. Gastwirt Nikolaus Simon renovierte seine Gastwirtschaft. Im neu erbauten großen Tanzsaal fanden am Samstag und am Sonntag Kinovorstellungen statt. Im Jahre 1929 hatte Peter Fochler die Konzession zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes erhalten. Dabei hatte man ihm zur Auflage gemacht, nach fünf Jahren auch eine Getreidemühle zu bauen. Aber erst im Jahre 1936 konnte die Mühle (HNr.43a) ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Tageskapazität betrug 100 dz Weizen. Tagsüber trieben die Maschinen die Getreidemühle an; nachts erzeugten sie Strom. Am 2.Juli ging ein schweres Gewitter mit Sturm nieder. Dabei wurden die Weizengarben weit fortgetragen. Im Jahre 1936 fanden wieder Gemeindewahlen statt. Gewählt wurden in die Gemeindevorstehung:

Biebel Peter (Bürgermeister), Massong Peter (Stellvertreter), Blum Peter, Lung Josef, Stadtfelder Wenzel, Jost Josef und in den Gemeinderat: Massong Ludwig, Pfendt Hieronimus, Wolf Bernhard, Koch Georg, Gajo Jakob, Welsch Georg, Schaff Johann, Michl Josef, Jerch Adam, Wolf Franz, Klötzl Josef, Kern Adam.

Der 8. September 1937 wird den Lazarfelder auch heute noch in Erinnerung sein. Feierte doch an diesem Tag die Ortsgruppe des "Schwäbisch - Deutschen Kulturbundes" ihr erstes Erntedankfest. Die Bilder der einzelnen festlich geschmückten Wagen zeigten die Arbeiten des Landmannes im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Der Wagenkorso fand begeisterten Beifall. Eine mächtige Erntekrone, gewunden aus goldgelben Weizenähren und bunten Feldblumen beschloss den Wagenzug. Alle Beteiligten erschienen in ihrer malerischen Volkstracht. Nach dem Umzug fand eine Kundgebung vor dem Gemeindehaus statt. Die Festansprache hielt Dr.Steiner aus Deutsch - Etschka. Unter Leitung von Franz Christof und Adam Tempich überraschte die Jugendgruppe die Festversammlung mit einem vielbeklatschten Theaterstück. Außerdem umrahmten die Gesangsvereine aus Deutsch - Etschka und Lazarfeld die Feier mit wuchtigen Chören.

Im Jahre 1938 erweiterte sich unsere Gemeinde um 36 Häuser. Diese Ortsvergrößerung war durch die Baulandbeschaffung der Gemeinde möglich geworden. Je zwei Joch Feld kaufte sie von Michael Schneider, HNr.78, Wolf Franz, HNr.70a, Matthias Zwirner, HNr.161 und Sattler Johann, HNr.165. Das Innere der katholischen Kirche erhielt in diesem Jahr ein neues Gesicht. Der Kirchenmaler Anton Kröll, der bereits die Etschkaer und die Kleker Kirche ausgemalt hatte, bot seine ganze Kunst auf, um Wände und Decke in farbenfrohen Heiligengemälden erstrahlen zu lassen. Die Renovierungskosten beliefen sich auf 78 000 Dinar. 38 000 Dinare spendeten die Einwohnerschaft von Lazarfeld, die Restsumme beglich man durch die Kirchensteuer. Der Gastwirt, Franz Bohn und der Baumeister, Alois Wolbert, errichteten in der Nähe des Bahnhofes einen Ziegelofen, der im Jahre 1939 erweitert wurde. Der Ofen besaß zwölf Kammern mit den Ausmaßen 35 m x 2,5 m x 2,5 m. Die Brennkammern wurden das ganze Jahr über von zwei, in der Saison aber von zusätzlich 29 Arbeitern beschickt. Die Tageskapazität betrug 10 000 Stück Brennziegel. Mit der Errichtung dieser Ziegelei erfuhr die Baumaterialienbeschaffung im Raum Lazarfeld eine wesentliche Bereicherung. Durch die Erweiterung des Ortes ergab sich die Notwendigkeit einer Vergrößerung des Schulraumes. So ließ die Gemeinde zwei neue Lehrsäle und eine Lehrerwohnung erbauen. Das Jahr 1940 sah ihre feierliche Weihe. (Näheres siehe unter Schulwesen).

An das Jahr 1940 werden sich viele Lazarfelder nur mit Unbehagen erinnern. Schon das Frühjahr begann mit nicht endenwollenden Regenfällen. Die Bauern vermochten nur solche Saaten zu säen, die bis zum Herbst ausreifen konnten, also 100 Tage Mais, Mohar, Hirse usw. Im Frühsommer überquerte Frau Elisabeth Löffelholz, geb.Rausch, HNr. 96 die Bahngleise am Bahnhof in Großbetschkerek. Dabei wurde sie von einer Lokomotive erfasst und getötet. Kaum hatten sich die Gemüter der Lazarfelder über diesen tragischen Unglücksfall beruhigt, da wurden sie durch eine Schreckensnachricht von neuem aufgewühlt: Man schreibt den 21.September 1940. Es ist ein Sonntag. Die Witwe Anna Sattler hat ihren Sonntagsstaat angezogen und besucht die Frühmesse. Anschließend eilt sie nach Hause. Sie wohnt alleine in ihrem Austragshäuschen HNr.127. An der Haustüre angelangt, versuchte sie, diese aufzuschließen. Dabei merkte sie, dass die Türe von innen verriegelt ist. Daher benützte sie den zweiten Wohnungseingang durch den Stall. Dabei muss sie ihren Mörder, den sie wahrscheinlich erkannt hat, in der Wohnung überrascht haben. Um einer Verurteilung aus dem Wege zu gehen, erschlägt dieser die alte Frau mit einem Ziegelstein. Frau Sattler pflegte das Sonntagsmahl bei der Familie ihres Sohnes, Georg Sattler, HNr.128, der nur zwei Häuser weit von ihr entfernt wohnte, einzunehmen. Nachdem sie zum Mittagessen nicht erschienen war, machte sich der Sohn auf den Weg, um seine Mutter zu holen. Er fand sie in einer Blutlache liegend, tot in ihrer Kammer. Wohl wurden Verhaftungen vorgenommen. In den Wirren der Kriegsereignisse des Jahres 1941 aber verliefen die Ermittlungen im Sande. Der Täter ist bis heute noch nicht überführt, das grausige Verbrechen nicht gesühnt. Es ist dies der einzige Raubmord in der 150jährigen Geschichte unserer Gemeinde. Seit Bestehen unserer Gemeinde stieg der Grundwasserspiegel in niederschlagsreichen Jahren derart an, dass nicht selten die Wohnhäuser größeren Schaden erlitten. Abhilfe hätte nur eine Kanalisation bringen können. Infolge der permanent schlechten Finanzkraft der Gemeinde wurde die Durchführung immer wieder hinausgeschoben. Endlich, im Frühjahr 1941, war es soweit: die Kanalisation des Ortes Lazarfeld begann. Obwohl Lazarfeld ganz eben zu sein schien bestand ein Gefälle zwischen westlichem und östlichem Ortsteil. Dieses Gefälle begünstigte das Kanalisationsvorhaben nicht unbeträchtlich, konnte man doch die Abwässer von Westen nach Osten in den "Kendreschgraben" und weiter dann in die Sozov (Schose) gegen Ernsthausen hin leiten. Um die Kosten zu senken, leistete ein großer Teil der Bevölkerung Hand- und Spanndienst. So entstand in vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit ein Werk, das wirklich allen Bürgern Lazarfelds zum Segen gereichte.

 

Einmarsch der deutschen Truppen 1941

 

Am 27.März 1941, zwei Tage nach Abschluss des Paktes zwischen Deutschland und Jugoslawien in Wien, gingen die Serben auf die Straße, um gegen diesen Pakt zu demonstrieren. Landauf - Landab ertönte der Ruf: "Bolje rat nego pakt!" - zu deutsch: ,.Besser Krieg als Pakt!" Sorgenvolle Tage für unsere Landsleute folgt n. Viele unserer Männer erhielten den Gestellungsbefehl des jugoslawischen Heeres. Die bange Frage stand im Raum: "Wird es Krieg geben?" Da fielen im Morgengrauen des 6.April 194! Palmsonntag, die ersten Bomben auf Belgrad. Ohne Kriegserklärung hatte die deutsche Wehrmacht die Feindseligkeiten gegen Jugoslawien eröffnet. Unsere Landsleute bekamen nun den Hass gegen alles, was deutsch war, zu spüren. An diesem Tage nahm die jugoslawische Gendarmerie in allen deutschen Gemeinden Jugoslawiens Geiseln fest. Im Laufe des Tages erschienen Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett und verhafteten sieben Frauen und elf Männer:

Zwirner Katharina, HNr.67a, Neu Amalia, HNr.301, Stumpf Maria, HNr.133b, Zwirner Ilse, HNr.103a, Welsch Katharina, Welsch Anna, geb.Ott, Sauer Magdalena, Schneider Georg, HNr.21, Schäfer Johann, HNr.42a, Grill Peter, HNr.51 a. Koch Georg, HNr.52, Pfendt Philipp, HNr.61a, Zwirner Wilhelm, HNr.103, Bering Johann, HNr.142a, Massong Ludwig, HNr.145, Hipfel Josef, HNr.150a, Wolf Bernhard, HNr.159a und Ott Kristof, HNr.82.

Die Listen mit den Namen der Geiseln hatte man bereits früher für den Fall eines Krieges mit dem Deutschen Reich bei den Behörden deponiert. Betrachtete man die Personen der Verhafteten, so kam man zur Erkenntnis, das es der Behörde nicht so sehr um Funktionäre des Deutschen Kulturbundes, also um politische Einstellung des einzelnen ging, sondern der Schlag richtete sich gegen "den Deutschen" überhaupt: "Alles was deutsch ist, ist kollektiv schuldig". Die Geiseln transportierte man zuerst in das Gefängnis in Großbetschkerek und von dort in die Festung Peterwardein bei Neusatz. (Es sei mir erlaubt zu bemerken, dass auch mein Name als damaliger Kleker Lehrer auf der Liste der Geiseln stand, die in Klerk verhaftet werden sollten. Doch ich befand mich in dieser Zeit als Angehöriger der Jugoslawischen Armee in Belgrad. So nahm man kurzerhand meine Ehefrau fest und verschleppte sie als Geisel.) Nicht nur in Lazarfeld, sondern im ganzen Lande folgte eine Woche voller Angst und Unsicherheit. Deutschen wie Serben war bekannt, das entlang der rumänischen Grenze starke deutsche Heeresverbände aufmarschiert waren. Landsleute, die entlang dieser Grenze lebten, flüchteten dorthin. Die Geiseln aber verbrachten in Peterwardein Tage voller Ungewissheit über ihr weiteres Schicksal. Die jugoslawischen Behörden und das Militär zogen sich langsam von der Grenze zurück. Der Einmarsch der deutschen Truppen schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Unsere Frauen nähten Fahnen und bereiteten den Empfang der deutschen Truppen vor. Am Nachmittag des Ostermontag, 14.April, begann von Rumänien aus der Aufmarsch motorisierter deutscher Truppen aus Richtung Temeswar, Modosch, Stefansfeld. Sie setzten ihre Fahrt nach Großbetschkerek fort. Der Durchzug deutscher Verbände durch Lazarfeld erstreckte sich auch den ganzen nächsten Tag. Unsere Bevölkerung bereitete den deutschen Landsern einen herzlichen Empfang, war doch endlich die beklemmende Ungewissheit der letzten Wochen gewichen. Unsere verschleppten Lazarfelder Geiseln kehrten vollzählig und wohl erhalten wieder heim. Entsetzen befiel alle, als bekannt wurde, dass die Festung Peterwardein mit sämtlichen Geiseln in die Luft gesprengt werden sollte. Nur durch den heldenmütigen Einsatz eines serbischen Pfarrers, dessen Name nicht einmal bekannt ist, soll dieser Plan vereitelt worden sein. Schon nach einigen Wochen normalisierten sich die Verhältnisse.

Obwohl Serbien von deutschen Truppen besetzt war, erhielt das Banat eine eigene Verwaltung. An der Spitze stand ein deutscher Vizebanus mit dem Sitz in Großbetschkerek. Alsbald führte man die Zwangswirtschaft für Lederwaren, Textilien, Eisen, landwirtschaftliche Produkte und Schlachtvieh ein, obwohl die beiden letzteren bei uns keine Mangelware darstellen. Die Zeit zwischen Einmarsch der deutschen Truppen und Beginn des Russlandfeldzuges, am 22.Juni 1941, ließ unsere Landsleute fast vergessen, dass wir uns mitten im Krieg befanden. Die einquartierten Reichsdeutschen wurden als Gäste bewirtet, so dass die Feldküche überflüssig geworden war. Auch abends traf man sich in den Gaststätten, tanzte und feierte bei Banater Wein Verbrüderung mit den Landsern aus Bayern, Preußen, Württemberg usw. Noch heute schwärmen viele der damaligen „Besatzer" von der sprichwörtlichen donauschwäbischen Gastfreundschaft. Noch im Spätsommer dieses Jahres führte eine reichsdeutsche Kommission mit Zustimmung der Volksgruppenführung die Musterung von Freiwilligen für die Waffen SS durch. Acht junge Männer aus Lazarfeld meldeten sich freiwillig.

Zum Ausklang des Jahres fand in ganz Jugoslawien eine Gesamterhebung der deutschen Bevölkerung statt. Fachkräfte der Volksgruppe fertigten aus den Pfarrbüchern des Banats Fotokopien aus der Ansiedlungszeit an. Der Jüngling Martin Sauer wurde durch den Hufschlag eines Pferdes getötet. Im ersten Viertel des Jahres 1942 drohte eine Überschwemmungskatastrophe. Heftige Regenfälle hatten dazu geführt, dass der Pegelstand der Bega stieg und stieg. Bei Großbetschkerek trat sie über die Ufer und überflutete Teile der Stadt. Die gelben Wassermassen wälzten sich im Straßengraben gegen Lazarfeld. Doch die im Jahre 1941 gebaute Kanalisation nahm das Hochwasser auf und leitete es in den "Kendreschgraben" und von dort in die Schose. Jenseits der Bahnlinie gegen Kenderesch und Ernsthausen zu, glich die Landschaft einem unübersehbaren Meere. Lazarfeld selbst aber blieb vom Hochwasser verschont; die Kanalisation hatte ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Die zuständigen deutschen Regierungsstellen in Berlin vereinbarten mit der Volksgruppenführung des Banats die Aufstellung einer "freiwilligen" SS - Division mit dem Namen "Prinz Eugen". Diese Division sollte eine Sollstärke von 26 000 Mann umfassen. Die Musterung dazu begann im Mai und erstreckte sich über einen Zeitraum von vier Monaten. Gemustert wurden die Jahrgänge 1892 - 1926, insgesamt also 34 Jahrgänge. Man verfuhr in der Auswahl der "Rekruten" recht großzügig: Es gab kaum Wehruntaugliche. Selbst versehrte Veteranen des 1. Weltkrieges erhielten das Prädikat "tauglich". Einen solch hohen Tauglichkeitsprozentsatz gab es wohl im Reichsgebiet kaum. In den ersten Wochen nach der Einberufung unserer Männer entließ man zwar einige hoffnungslose Fälle, ihre Leiden und Gebrechen waren zu schwerwiegend, um einem Felddienst gewachsen zu sein, aber die UK-Stellung, wie sie im deutschen Reichsgebiet gehandhabt wurde, kannte das Banat nicht. Wehrdienstverweigerer gab es, außer einigen in Franzfeld, im jugoslawischen Banat nicht. Nach Kriegsende nahmen die Serben unsere so genannte "freiwillige" Zugehörigkeit zur SS-Division "Prinz Eugen" zum Anlass, um unsere Volksgruppe zu enteignen und zu vernichten. Es muss hier aber mit aller Deutlichkeit gesagt werden, dass diese Eingliederung zur SS keineswegs in der freien Entscheidung des einzelnen lag, sondern eine brutale Zwangsrekrutierung zu dieser Waffengattung darstellte. Hätte man uns die Wahl gelassen, so hätten wir der deutschen Wehrmacht den Vorzug gegeben. Unsere wehrfähigen Männer mussten zumeist durch blutjunge Ausbilder aus dem Reich verschiedene Schikanen und Erniedrigungen erdulden. Nun begann für unsere Frauen und alten Männer ein harter Kampf um die Fortführung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe. Es wurden ihnen zwar später nicht deutsche Hilfskräfte zugewiesen, diese Zuteilung musste unser Volk später bitter büßen, doch die Hauptlast der Verantwortung trugen unsere Bäuerinnen. Wie sehr sie aber ihren Mann stellten, beweist die Tatsache, dass das Jahr 1942 eine überdurchschnittliche Ernte brachte. Schon im Herbst des Jahres 1942 setzte man die Division "Prinz Eugen" zur Bekämpfung der Partisanen (kommunistische Freischärler) in Serbien und Bosnien ein. Dieser Einsatz erwies sich als politischer Missgriff. Er vertiefte den Hass der Serben auf unsere Volksgruppe. Bald darauf trafen auch die ersten Todesnachrichten gefallener Lazarfelder vom Schauplatz der Kämpfe ein.

Im Frühling des Jahres 1943 passierte in unserer Gemeinde wieder ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgang. Frau Elisabeth Krieger, geb. Schneider, Frau des Johann Krieger, HNr.57b, blieb beim Absteigen von ihrem Wagen mit dem Rock am Wagenrad hängen. Das vor den Wagen gespannte Pferd wurde scheu, galoppierte durch die Straße davon und schleifte die Unglückliche mit. Als man das Pferd zum Stehen brachte, war Frau Krieger bereits tot. Der Mühlen- und Elektrowerkbesitzer, Peter Fochler errichtete in der Nähe des Bahnhofs eine Hanffabrik. Dieser Fabrik wäre eine gute Zukunft beschieden gewesen, bot sich doch die Beschaffenheit des Bodens um Lazarfeld und Umgebung für den Hanfbau geradezu an. Der Name Kenderesch (Kender, zu Deutsch Hanf) lässt darauf schließen, dass schon vor dem Türkeneinbruch eine Siedlung bestanden hatte, deren Namen auf den Hanfbau fußt.

 

Evakuierungsvorbereitungen und Katastrophe

 

Am 23.August 1944 befahl König Michael von Rumänien die Einstellung der Feindseligkeiten gegen die Sowjets. Aus dem einstigen Bundesgenossen war ein Feind geworden. Dadurch erwuchs für unsere Heimat und ganz besonders für die Grenzgebiete die akute Gefahr, entweder Kampfgebiete oder von den sowjetischen Truppen überrannt zu werden. Unter Berücksichtigung dieser Lage ordnete die Volksgruppenführung Vorbereitungen zur Evakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung unserer Heimat an. Alle Landsleute des von deutschen Truppen besetzten jugoslawischen Teils des Banats begannen mit dem Bepacken der Fuhrwerke. Die verstellbaren Wagen wurden lang gemacht und mit wasserdichten Planen überdacht. Der Flüchtlingstreck sollte nach einem reiflich überlegten Plan vonstatten gehen. Jedem, der kein eigenes Fahrzeug besaß, war die Möglichkeit gegeben, bei einem anderen mitzufahren und seine wenigen Habseligkeiten zu laden. Längst hatten die Lazarfelder diese Aktion abgeschlossen. Alles wartete auf das Signal zum Aufbruch. Da wurde am 18.September durch die Presse die Parole verbreitet: "Wir bleiben hier!" Trotz offensichtlich anhaltender Gefahr und geringer Hoffnung, dass diese noch abgewendet werden könnte, atmeten die meisten unserer Landsleute bei der Nachricht, daheim bleiben zu dürfen, erleichtert auf. Wie bald aber sollte dieser Erleichterung eine furchtbare Enttäuschung folgen! Der Glaube an die mit der Parole zum Bleiben verbreiteten These, dass unsere Heimat gehalten und nicht von den Russen besetzt werden würde, geriet ins Wanken, als am 25.September ein Flüchtlingstreck aus den Gemeinden des rumänischen Banats und zwar aus Hatzfeld, Ostern, Tschakowa hier eintraf und einquartiert wurde. Als die Lage immer brenzliger wurde und man täglich mit dem Einmarsch der Russen rechnen musste, beschwichtigte man die ängstlichen Gemüter mit der Nachricht, die Russen steckten noch in den Karpaten und nur einige aus dem Temeswarer Lager entsprungene Russen trieben sich in der Gegend herum. Und um diese zu bekämpfen, setzte man einen Teil der Banater "Deutschen Mannschaft", also auch Lazarfelder, in Rumänien ein. Dort erfuhren unsere Männer, dass es sich beileibe nicht um Partisanen handelte, sondern vielmehr um reguläre Truppen der Roten Armee. Am Donnerstag, dem 28.September klärte die Mannschaftsführung aus Großbetschkerek die Volksgruppenführung über die wahre Sachlage auf und forderte umgehend die Evakuierung des gesamten Banats. Die Volksgruppenführung wiederum sah sich außerstande, ohne Genehmigung der reichsdeutschen Besatzungsbehörde, also auf eigene Verantwortung, diese Evakuierung einzuleiten. Tatsache ist wohl, dass der SS- und Polizeiführer von Belgrad, Hermann Behrens, der Volksgruppenführung mit dem Kriegsgericht gedroht hatte, falls sie sich erdreisten sollte. den Befehl zum Absetzen der Bevölkerung zu geben. In dieser Zeit stellte tatsächlich die Flucht der Banater ein Politikum dar. Ungarn stand vor dem inneren Zusammenbruch. Die deutsche Reichsregierung befürchtete, dass Ungarn die aussichtslose Kriegslage erkennen und ebenfalls ins Lager der Russen wechseln würde, wenn die Massen der Deutschen aus dem Banat und der Batschka durch ihr Land zögen. Also opferte man Hunderttausende von Menschen, um einen unsicher gewordenen Bundesgenossen noch für ein paar Wochen hinzuhalten. Diese kurzsichtige politische Notwendigkeit spricht aber die Volksgruppenführung keineswegs von aller Schuld frei. Hätte sie in eigener Verantwortung die Evakuierung veranlasst, so hätte das möglicherweise den Tod einiger Männer bedeutet, nicht aber die Vernichtung Tausender unschuldiger Frauen und Kinder. Erst am Sonntag, den l.Oktober, 24 Uhr, erhielt die Volksgruppenführung die Erlaubnis, die Bevölkerung des Banats zu evakuieren. Für Lazarfeld und die übrigen Dörfer der Umgebung aber kam dieser Befehl zu spät. Nun begann die Tragödie unserer Landsleute und der erschütterndste Abschnitt in der Geschichte Lazarfelds.

 

Unser Heimatort wird Kampfgebiet

Enteignung, Verschleppung und Massensterben

 

Am Samstag, den 30.September 1944, trifft von Stefansfeld kommend ein Vorposten der Russen, etwa 20 – 25 Mann stark, mit einem Offizier an der Spitze in Lazarfeld ein. Sie lassen sich auf Stefansfelder Wagen anfahren. Ihr erster Weg führt sie in das Gemeindehaus und von dort zur Post. Hier reißen sie die Telefonleitung heraus. Im Gemeindehaus erkundigen sich die Russen, ob jemand in der Gemeinde russisch spreche. Der im 1.Weltkrieg in Lazarfeld verbliebene russische Kriegsgefangene, Herr Andreas Kubrikow, fungiert als Dolmetscher. Der Offizier erkundigte sich nach deutschem Militär im Ort oder in der Umgebung. Andreas Kubrikow verneint. Trotzdem durchsuchen die Soldaten mehrere größere Gebäude, so auch das Gasthaus Budo. Hier befinden sich 25 Mädchen, die an einem Lehrgang für Kindergärtnerinnen teilgenommen haben. Als die Mädchen die Russen erblicken, stieben sie in wilder Flucht über die Zäune der Gärten hinweg. Gegen Abend ziehen sich die Russen in das am Dorfende gelegene HNr.la, des Paulus Ludwig zurück. Die Familie Paulus erschreckt der Anblick der Russen dermaßen, dass sie, ohne etwas mitzunehmen, Hals über Kopf nach Klek läuft. (Diese Flucht nach Klek erwies sich für die Familie Paulus als Rettung; denn mit den Klekern gelangte sie nach Deutschland). Noch in dieser Nacht plant die Lazarfelder "Deutsche Mannschaft" einen Überfall auf den russischen Vortrupp und fordert aus Klek Verstärkung an. Auf Anraten einiger erfahrener und besonnener Männer aus dem 1.Weltkrieg und des Herrn Kubrikow unterlässt man dieses Unternehmen.

Am Sonntag, den l.Oktober, bei Tagesanbruch verlässt der russische Stoßtrupp Lazarfeld und zieht sich gegen Stefansfeld zurück. Der neue Tag bricht an, ein Tag, den die Lazarfelder nie vergessen werden. Um 8 Uhr des genannten Tages wird unter dumpfen Trommelschlag verkündet: "Alle männlichen Bewohner ab 16 Jahre fassen im Gemeindehaus Gewehre und Munition, treten am gegen Sartscha gelegenen Wassergraben an und schlagen die vermeintlichen Partisanen zurück!" Auch dieses Unternehmen wird dank besonnener Männer vereitelt. Gegen 9 Uhr lässt ein Angestellter der Volksgruppenführung Flugblätter verteilen. Sie besagen: "Wer ohne Bewilligung der Volksgruppenführung flüchtet. wird aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen." Der Text dieses Flugblattes sollte das Schicksal der Lazarfelder endgültig besiegeln. Obwohl die gesamte Bevölkerung Lazarfelds bereit ist, aufzubrechen, die Wagen sind bepackt, die Pferde brauchen nur noch angespannt zu werden, wagt niemand die Flucht. Gestikulierend stehen sie auf den Straßen ihres Heimatortes herum und ihre Gesichter spiegeln Angst und unendliche Ratlosigkeit wider. Und die Zeit verrinnt. Und mit jeder Stunde, die Lazarfelder Turmuhr verkündet. schmilzt die Hoffnung, doch noch den Russen zu entrinnen, dahin. Welch ungeheure Schuld haben damals die Verantwortlichen der Volksgruppenführung auf sich geladen, weil sie ihr Leben höher einschätzten als das Tausender. Der letzte Ton des Zwölfuhrläutens, es ist das letzte, ist kaum verklungen, da marschiert die Spitze der Roten Armee über die Sartschaer Brücke in Lazarfeld ein. (Just in diesem Augenblick nehmen die Familien Peter Rasimus und Dr. Georg Zwirner die Chance zur Flucht wahr.) Eine gut ausgerüstete Truppe, die alle Waffengattungen umfasst, folgt. Die Russen sind so zahlreich, dass jedes Haus 20 - 30 Mann einquartiert bekommt. Alle Pferde und Vorräte werden beschlagnahmt. Um ein weiteres Vordringen der russischen Armee zu vereiteln, werden Truppen der deutschen Wehrmacht eilends aus dem Balkan nach Großbetschkerek eingeflogen. Sie beziehen in und um Alexandrowo und Klek Stellung. Die deutsche Artillerie beginnt mit der Beschießung Lazarfelds. Die erste Granate schlägt in das Pfarrhaus ein und tötet die Haushälterin Elisabeth Hess. Ein zweites Geschoß trifft den Kirchturm und legt ihn in Schutt und Asche. Der Kampf um unseren Heimatort dauert die ganze Nacht. Gegen 23 Uhr dringt deutsche Infanterie in den nördlichen Teil des Dorfes ein und wirft die Russen bis in die Hälfte des Dorfes zurück. Dabei passiert es, dass in, manchen Häusern unten deutsche Soldaten eindringen, während sich die Russen auf den Dachböden versteckt halten. In dem Chaos dieser Straßenkämpfe gelingt zwei weiteren Familien die Flucht. nämlich den Familien Schmidt Josef und Schneider Josef. Im Morgengrauen des 2.Oktober erhalten die Russen Verstärkung und drängen die deutschen Truppen gegen Großbetschkerek zurück. Der Kampf um den Flugplatz und um das Theißufer bei Aradaz beginnt, Inzwischen plündert die russische Soldateska unseren Heimatort. Ungestüm dringen sie in die Häuser ein und fordern von den Bewohnern Uhren, Schmuck und Geld. Schneider Nikolaus und Scheuermann Jakob, die sich weigern, ihr Geld sofort herauszugeben, werden von den Sibiriaken auf die Strafe gezerrt und niedergeknallt. Das gleiche Schicksal ereilt Angehörige der "Deutschen Mannschaft". die in Lazarfeld Unterschlupf gesucht haben. Noch bevor sie Gelegenheit haben, sich ihrer Uniform zu entledigen, werden sie von den Russen aufgegriffen und niedergemacht. So verbluten unter den Kugeln der Rotarmisten die Lazarfelder Pfendt Nikolaus, Schmidt Ludwig, Merkler Johann: ferner Professor Koch aus Großbetschkerek und Lehrer Gustav Wildner (Schwager des Lorenz Lang) aus Werschetz. Was sich in den ersten Tagen und Nächten der russischen Besetzung in Lazarfeld abspielt, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sind an der Tagesordnung. Um dieser Schmach zu entgehen, stürzt sich die 50 jährige Barbara Neidenbach Frau des Dominik Neidenbach, in den Brunnen und ertrinkt. Die nächsten Tage bringen für die Lazarfelder weitere Einquartierungen und Plünderungen durch die Russen. Schweine Kälber werden geschlachtet; unsere Frauen müssen Tag und Nacht Essen zubereiten und große Mengen Brot backen. Zieht ein Truppenteil weiter, so nimmt er neben unseren guten Pferden auch Getreide und Futter für sie mit. Ställe und Speicher leeren sich zusehends: das Dorf liegt in wenigen Tagen ausgeplündert da: zumal auch die Partisanen und Serben in Scharen in den Ort strömen und holen, was ihnen gefällt.

Gleich nach dem Einmarsch der russischen Verbände reißen die Partisanen die Macht an sich. Systematisch beginnen sie, die deutsche Bevölkerung zu Zwangsarbeit heranzuziehen. Schon am nächsten Tag lassen die neuen Machthaber durch Trommler verkünden. Dass sich alle Männer beim Gemeindehaus einzufinden haben. Den herbeigeeilten Lazarfelder wird befohlen, die Gefallenen des Kampfes um Lazarfeld zu sammeln und zu beerdigen. In den Maisfeldern liegen etwa 25 Russen und 15 deutsche Soldaten (hauptsächlich Angehörige der Verfügungseinheit). Nachdem im Friedhof ein Massengrab geschaufelt ist, bestattet man darin rechts die Deutschen und links die Russen. Laufend müssen sich in den folgenden Tagen alle Einwohner beim Gemeindehaus einfinden. Partisanen führen sie auf die Felder, Partisanen stehen schussbereit daneben, wenn unsere Landsleute die Ernte für die Sieger einbringen. Der 20.Oktober l944 rückt heran, ein Tag. den wir Lazarfelder nie vergessen werden, nie vergessen können. Wieder stehen unsere Männer vor dem Gemeindehaus und warten auf die Befehle von Titos Partisanen, Namen werden verlesen; 42 Angehörige der „Deutschen Mannschaft" kehren in ihre Häuser nicht mehr zurück, verbringen eine Nacht voller Ungewissheit im Gemeindehaus. Viehwaggons befördern sie am nächsten Tag in das gefürchtete Lager Großbetschkerek. (Für die meisten dieser Männer sollte es die Endstation ihres Lebens werden. siehe Verzeichnis!)

Ein Lazarfelder, einer der wenigen Überlebenden dieses Schreckenslagers, berichtet folgendes: „Bereits am 5.Oktober hatten die Partisanen Deutsche aus Großbetschkerek im Lager inhaftiert. Später ging man daran, Männer der umliegenden Ortschaften in das Lager zu verfrachten. Wir Männer wurden rücksichtslos behandelt, geprügelt, gequält. Unser Leidenstag begann bereits um 4 Uhr. Das Frühstück bestand aus einer leeren Suppe. Den ganzen Tag über mussten wir schwer arbeiten. Nach 14 Stunden Arbeit erhielten wir um 18 Uhr wieder eine leere Suppe. Diese Verpflegung hätte selbst den Gesündesten unter uns innerhalb weniger Wochen zugrunde gehen lassen, wenn die Lagerinsassen nicht die Möglichkeit gehabt hätten, von ihren Angehörigen, Bekannten oder auch von der serbischen Bevölkerung während der Arbeitszeit heimlich Lebensmittel zu bekommen. Wehe aber dem, der dabei erwischt wurde: Er war der Willkür der Partisanen ausgeliefert. Zu jeder Nachtzeit führte man die Gefangenen zum Verhör oder zur Erschießung. An die Wand gestellt wurden Anfangs jene, die entweder gut gekleidet, körperlich besonders Stark oder durch Krankheit und Schwäche arbeitsunfähig geworden waren. Schuld und Nichtschuld zählte überhaupt nicht. Man ließ die Leute antreten, wählte dann eine bestimmte Zahl von Häftlingen aus, brachte sie in einen separaten Raum und ließ sie entkleiden. Nachdem man die Unglücklichen mit Draht zu Vieren zusammengebunden hatte, schleppte man sie auf die Schießstätte, dem alten militärischen Schießplatz von Großbetschkerek und streckte sie nieder. das war systematischer Mord an uns Deutschen, keine Vergeltungsaktion der Serben an uns. Befanden sich doch unter den Opfern auch Landsleute aus Rumänien, die ja mit den Serben nie Berührung gehabt hatten. Die Zahl derer, die im Großbetschkereker Lager erschossen wurden, lässt sich nicht genau erfassen, etwa l200 bis 1500 Männer. Festgehalten aber wurden die Erschießungen im Protokoll, in das alle Lagerinsassen Aufnahme fanden. Starb einer oder wurde er erschossen, so stand hinter seinem Namen der Vermerk: "Gestorben am ...." Gefangene führten unter Anleitung eines Partisanen das Protokoll. Ich selbst arbeitete eine Woche (Mitte Februar 1945) in der Lagerkanzlei. In dieser Zeit konnte ich beim Durchblättern des Protokolls feststellen, welche meiner Bekannten noch lebten und wo sie sich befanden. Auch Fälle, von denen ich genau wusste, dass sie erschossen worden waren, trugen den Vermerk "gestorben am ...." Selbst reichsdeutsche Soldaten fielen dem Massaker der Partisanen zum Opfer. Am 28.Oktober 1944 hatten die Partisanen 150 Deutsche niedergemacht und den Vermerk "gestorben am ...." eingetragen. An anderen Tagen waren Erschießungen kleinerer Gruppen gefolgt, die ungefähr 30 Personen umfassten. Diesen "Massenmord" rechtfertigten die Partisanen mit angeblichen Vergeltungsmaßnahmen. Täglich mussten wir einmal, manchmal auch öfter in Dreierreihen auf dem Hof antreten: Den Grund hierfür wussten wir vorher nie. Manchmal wählten die Partisanen Gefangene aus, um sie an einen anderen Ort hinbringen zu lassen; manchmal suchten sie die Erschießungsopfer aus. Die Namen dieser Opfer wurden erst nachträglich aufgeschrieben. Manchmal kam es vor, dass ein Partisan aus der Gruppe der Todeskandidaten einen Bekannten herauszog und dafür einen anderen hineinsteckte, damit die Zahl wieder stimmte. Dieser von den Partisanen begünstigte trug aber im Lagerbuch den Vermerk "gestorben am ...." So traf ich einen Verwandten (A.K. aus Lazarfeld) hinter dessen Namen ich den Vermerk "gestorben am ...." gelesen hatte, bei voller Gesundheit im Lager an. Auch er hatte sein Leben einer solch "glücklichen" Austauschaktion zu verdanken. Diese Art des Lagerlebens dauerte ungefähr bis Mai 1945, Auf Intervention der Russen nahmen die Erschießungen ab sofort ein Ende. Von dieser Zeit an arbeiteten wir auf den Feldern. Erschießungen erfolgten nur noch bei Fluchtversuchen.

Kehren wir wieder zurück nach Lazarfeld! Vor Weihnachten 1944 verbreitet sich dort wie ein Lauffeuer die Nachricht, eine russische Kommission sei im Dorf eingetroffen. Unseren Landsleuten schwant nichts Gutes. Die Kommission fordert die Bevölkerung auf, sich in der Mittleren Gasse zu sammeln: Das Tanzbein solle im Gasthaus Simon geschwungen werden, so geht die Mähr. Nachdem die Dorfbewohner den Tanzboden aufgesucht haben, merken sie, dass hier nicht getanzt, sondern gemustert wird. In Listen werden die Namen der arbeitsfähigen Lazarfelder, männlichen und weiblichen Geschlechtes, die das 18. Lebensjahr vollendet und das 35. bzw. 50. noch nicht überschritten haben, festgehalten, dann entlässt man sie nach Hause. Niemand kann in dieser Nacht in Lazarfeld Schlaf finden, zu schwer lastet die Angst und die Ungewissheit auf unseren Landsleuten. Da, mitten in der Nacht, pocht es an die Türen der Gemusterten: Warme Kleidung sei anzuziehen, Verpflegung in einem Rucksack mitzunehmen, fordert eine barsche Stimme. "Nur ein kurzer Arbeitseinsatz, ihr seid bald wieder daheim", so tröstet man die ängstlichen Gemüter. Am 1.Weihnachtsfeiertag bewegt sich ein trauriger Zug von 99 Lazarfelder, 13 Männern und 86 Frauen und Mädchen durch die Mittlere Gasse, eskortiert von hämisch grinsenden Partisanen. Herzzerreißende Szenen spielen sich ab. Kinder klammern sich an die Röcke ihrer Mütter und schluchzen: "Modder, net geh fort, holluns mit, loß uns net Alleen!" Mit Kolbenschlägen trennen die Partisanen die unglücklichen Kinder von ihren noch unglücklicheren Müttern. Einige Mütter, die das Los nicht getroffen hat, schließen sich freiwillig diesem Elendszug an, um bei ihren Töchtern zu sein. Und die übrigen Lazarfelder stehen ohnmächtig vor Wut am Straßenrand und wissen jetzt, dass auch ihr Leidensweg nicht mehr fern sein wird. Nachdem dieses Hundert Unglücklicher Großbetschkerek erreicht hat, pfercht man 35 - 40 Personen wie Vieh in Waggons und deportiert sie nach Russland, in die Kohlengruben bei Stalino. Über 20 Tage dauert die Fahrt, über 20 Tage sehen die Deportierten kaum den Himmel, bekommen sie kaum etwas zu essen. In Stalino angekommen, treibt man sie in primitivste Unterkünfte und schickt sie in die Stollen der Antrazitkohlengruben von Stalino. Seite an Seite mit deutschen Kriegsgefangenen schuften unsere Frauen, Mädchen und Männer unter Tage, vor Ort und an den Hunden, tagelang, wochenlang, monatelang, ja jahrelang. Hunger und Kälte, Krankheit, Verzweiflung und Misshandlung sind ihre ständigen Begleiter. Als sie endlich nach fünfjähriger unmenschlicher Zwangsarbeit zu ihren Angehörigen zurückkehren, ist ihre Jugend, ihr Lachen dahin, sind die meisten von ihnen von einem heimtückischen Leiden gekennzeichnet. Für drei Frauen, für drei Mädchen, für einen Mann kommt der Tag der Entlassung zu spät: Irgendwo im kalten Stalino sucht man ihr Grab vergebens. Bevor ich nun dieses Kapitel abschließe, lassen Sie mich noch von einer Familientragödie berichten: Für obig geschilderten Transport hatte man auch den 42jährigen Thomas Galy, HNr.152 und dessen zwei Töchter, Elisabeth, 18, und Katharina, 17, ausersehen. Um diesem Schicksal zu entrinnen, versteckte sich die ganze Familie in einer Strohtriste. Die Partisanen bemerkten bald das Fehlen der drei Galys. Sie umstellten mehrere Gehöfte und durchsuchten sie. Da stöberten sie die Gesuchten in der Strohtriste auf. Die Partisanen forderten Galy auf, mit seiner Familie herauszukommen. Nach- dem Galy dieser Aufforderung nicht sofort genügte, eröffneten die Partisanen auf die Strohtriste das Feuer. Im Nu stand diese in Flammen. Nur Frau Galy gelang es im letzten Moment dem Flammenmeer zu entrinnen. Vater und Töchter aber verbrannten bei lebendigem Leibe.

Die Enteignung der Deutschen in Jugoslawien wurde durch die Avnoj - Beschlüsse vom 21.November 1944 in die Wege geleitet. (Siehe beglaubigte Übersetzung).

 

Beglaubigte Übersetzung

 

Bezirkskommission für Konfiskationen gemäß Artikel 30. Nr. 1114/1945 Petrovgrad, den 27.September l945

Auf Grund der Entschließung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens vom 21.November 1944 und des Art. 30 des Gesetzes über die Konfiskation vom 9.Juni 1945 wurde nach allseitigem Verfahren und Sammeln von Angaben seitens dieser Kommission das Verfahren wegen Feststellung den Tatbestandes bezüglich des Vermögens des und dessen Ehefrau , geb. aus Klek, durchgeführt und aufgrund des festgestellten Tatbestandes folgender Beschluss gefällt:

Das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen, eingetragen in dar Grundbucheinlage K.O. Klek, lr.lay.27o, Top. Nr. 43-44/b, das Miteigentum und dessen Ehefrau geb. aus Klek, jugoslawische Staatsangehörige, deutscher Nationalität, wird zugunsten des Staates der Demokratischen Föderativen konfisziert. Gemäß Art. 30 Punkt 4 des Gesetzes über die Konfiskation vom 9.Juni 1945 wird das Bezirks- Volksgericht in Petrovgrad die Übertragung des Vermögens auf den Staat und die Eigentumseintragung zugunsten des Staates auf das konfiszierten unbeweglichen Vermögen, wie oben bezeichnet, vornehmen.

 

B e g r ü n d u n g !

Aufgrund der beigebrachten Unterlagen konnte festgestellt werden, dass das Vermögen des und seiner geb. aus Klek, konfisziert worden muss, weil die genannten deutsche Volkszugehörige sind. Über das bewegliche Vermögen kann keine Inventaraufzeichnung gemacht werden, weil sich das gesamte bewegliche Vermögen in Sammelmagazinen zusammengetragen befindet. Das bewegliche und unbewegliche Vermögen steht unter der Verwaltung des Volksvermögens in Petrovgrad,

 

(b. wenden)

Die Mitglieder der Kommission:

1.gez. Krasoje Nedeljkov,

2.gez.Ljatkovic Nakola,

3.gez.Uroa Markov

ges. unleserliche Unterschrift.

Zur Kenntnis: Der unzufriedenen Partei steht gegen diesen Beschluss das Recht auf Beschwerde innerhalb von 8 Tagen zu. Die Beschwerde ist über diese Kommission an die Kommission für die Konfiskationen bei dem Kreisvolksausschuss in Petrovgrad einzulegen. Vorstehende Übersetzung der mir im Original vorgelegten, in der Serbokroatische Sprache abgefassten Urkunde ist richtig und vollständig.

München, den 3. November 1955

 

Und wieder fordert das Großbetschkereker Lager seinen Tribut. Am 13.Januar 1945 müssen 26 Männer aus Lazarfeld den Marsch in das berüchtigte Großbetschkereker "Einserlager" antreten. Fünf von ihnen überleben die Misshandlungen in der "Todesmühle" nicht. (Siehe Verzeichnis). Immer mehr Nachschub fordert die Leitung dieses Lagers, zu groß ist der Ausfall an Menschen, die durch Erschießungen, Folterungen und Unterernährung zugrunde gehen. Dabei kommt unsere Gemeinde im Vergleich zu anderen deutschen Gemeinden noch verhältnismäßig glimpflich davon: Es müssen weniger Männer den Leidensweg in dieses Lager antreten. Ende März 1945 erfassen die Partisanen unsere Kranken und gebrechlichen Leute und transportieren sie in das Kathreinfelder Lager. In diesem Krankeninternierungslager für den Bereich des mittleren Banats sterben in kurzer Zeit fast alle an den erlittenen qualvollen Misshandlungen. (Siehe Verzeichnis!) Am 18. April 1945 werden unsere braven Landsleute aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und Massenquartiere, getrennt nach Geschlecht und Alter, aufzusuchen. In der Schule, in den Gasthäusern, in der Sparkasse und in den größeren Bauernhäusern vegetieren nun 20 - 30 Personen zusammengepfercht in einem Raum ohne Mobiliar dahin. Auf hartem Stroh lagern die Bedauernswerten, nur eine dünne Decke schützt sie vor der Kälte. Die Kleider, die sie auf dem Leibe tragen, sind ihre einzige Habe. Von diesem speisen in der gemeinsamen Küche und dürfen ihre Lagerstätte nicht verlassen.

Unsere Dorfgemeinschaft hat aufgehört zu bestehen. Nach rund 150 Jahren harter und aufopferungsvoller Arbeit von sechs Generationen müssen die Lazarfelder der brutalsten Gewalt, die bar jeder Menschenwürde ist und jeglicher Grundrechte des Menschen spottet, weichen. Unverschlossen, einsam und verlassen stehen die Häuser da, in denen sie Freud und Leid, Glück und Segen von ihrem Herrgott empfangen durften. Und die planmäßige Ausrottung unseres Volkes geht weiter. Ende April 1945 trifft es die 16, 17 und 18 jährigen Mädchen, also die Jahrgänge 1927, 1928, 1929. Szenen, die kaum beschrieben werden können, spielen sich ab: weiß man doch, dass es ein Abschied für immer sein kann. Und wieder schließen sich Mütter freiwillig an, um bei ihren Töchtern zu sein. Unter Partisanenbegleitung treibt man die unglücklichen Geschöpfe nach Großbetschkerek, verfrachtet sie in Viehwaggons und transportiert sie in das Internierungslager Mitrowitza (Sremska Mitrovica). In einer ehemaligen Seidenspinnerei hausen unter menschenunwürdigen Verhältnissen zeitweise über 1000 Personen. Sofort nach der Ankunft beraubt man die Mädchen ihres Haarschmuckes. In harter Fronarbeit gehen Frühling, Sommer und Herbst dahin. Die Verpflegung in diesem Lager wird von Tag zu Tag weniger und schlechter; die Gesichter unserer Mädchen sind fahl und grau geworden. Im Dezember gibt es im Lager kein Gramm Fett. Nur einmal täglich löffeln die ausgemergelten Gestalten ihre Polentasuppe, die aus 50 g Maisschrot zubereitet ist. Der Winter 1945/46 kommt heran. Da bricht um die Jahreswende über das Lager eine Flecktyphusepidemie herein. 25 % aller Mädchen sterben eines qualvollen Todes. Niemand hat die Kraft, niemand nimmt sich Zeit, Einzelgräber zu schaufeln: In Massengräber wirft man die entstellten Leichen. Mitrowitza hat seinen Ruf, eines der schrecklichsten Internierungslager zu sein, aufs grausamste bestätigt. Die Verschleppung nach Russland, das Internierungslager Mitrowitza und andere Vernichtungslager dezimieren unsere Jugend, die Blüte unseres Volkes.

 

Vernichtungslager Rudolfsgnad.

 

Wer geglaubt hat, dass wenigstens Mütter, Säuglinge, Kleinkinder und Waisenkinder, ältere, kranke und arbeitsunfähige Landsleute einer Internierung entgehen werden, der sieht sich maßlos getäuscht: Mitte Oktober 1945 bleibt auch ihnen das Golgatha nicht erspart. Rudolfsgnad (Knicanin) heißt das Konzentrationslager, das für viele von ihnen Endstation ihres Lebens werden soll. 3200 Einwohner hat das Dorf, das im Theiß - Donau - Dreieck liegt, einmal gezählt. Schon Ende November hat man hier über 20 000 Personen des Banats zusammengetrieben. Je nach Größe der Räume siechen darin 20 - 30 Personen dahin. Sie lagern auf blanken Fußböden, die mit dünnem Stroh bedeckt sind. Eine Zudecke kennen sie nicht. Das Lagerstroh wird während der ganzen Lagerzeit (Auflösung des Lagers im März 1948) weder gewechselt noch ergänzt. Es besteht kaum Möglichkeit, sich zu waschen und die Wäsche zu wechseln. Freie Bewegung innerhalb des Lagers ist nur am Tage gestattet. Nachts bewacht die Volkspolizei die Häuser mit Argusaugen. Die Ernährung ist dürftig, karg. Sie umfasst die berüchtigte Maisschrotsuppe, den Polentabrei, etwas verschimmeltes Maisbrot und dünnen Tee. Wie freuen sich die Lagerinsassen, wenn es zur Abwechslung einmal Bohnen-, Rüben- und Kürbissuppe gibt! Fleisch, Fett und oft auch Salz sucht man in diesen Suppen vergebens. So erhalten die Gefangenen im Januar 1946 pro Person 70 g Salz, etwa fünf Pfund Maisschrot, aber kein Fett und kein Brot. Später teilt man den Hungrigen ein Pfund Maiskörner zu. Diese Ration muss drei Tage reichen. Das ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Von Hunger getrieben, werden die Dachböden nach Essbarem durchsiebt, Weizenkörner aufgelegen, mit einem Stein zu Mehl verrieben und gierig verschlungen. Längst sind die Hunde und Katzen Rudolfsgnad in die Kochtöpfe unserer Landsleute gewandert, ja sogar Tierkadaver werden nicht gescheut. Erst im Mai 1946 werden die Lebensmittel regelmäßiger zugeteilt, werden die Tagesrationen um ein Quäntchen vergrößert. In den Hütten der Inhaftierten geht nicht nur der Hunger um, sondern auch die klirrende Kälte: Heizmaterial wird im ersten Winter (1945/46) nicht zugeteilt. Man sammelte dürres Gras, Schilfrohr, Reisig und was man sonst an Brennbarem finden kann. Krankheiten greifen nun um sich: In Rudolfsgnad beginnt der Tod seinen Mantel auszubreiten. Täglich rafft er 80 - 90 Personen, manchmal auch mehr, dahin. Die Toten hüllt man in Säcke oder Lumpen ein und legt sie vor die Haustüre. Morgens poltern Wagen durch Rudolfsgnad. Fast an jeder Haustüre halten sie an. Wie Holzscheite werden die Gestorbenen auf die Leiterwagen geschlichtet. Schwer beladen rumpeln sie mit ihrer unheimlichen Fracht zum Friedhof. Gewaltige Massengräber warten dort auf ihre Opfer. Kein Priester spricht ein Gebet. Dumpf prallen die Leiber auf dem feuchten Boden auf. Und jeden Tag wiederholt sich diese schaurige Szene.

Aber es kommt noch schlimmer. Im Spätherbst 1945 wird Rudolfsgnad von einer Grippeepidemie heimgesucht. Ein Massensterben setzt ein. Die Opfer: Kleinkinder und ältere Personen. Anfangs Januar 1946 gesellt sich zur Grippeepidemie noch das Fleckfieber. Flöhe, Kopf- und Gewandlaus tragen zur Ausbreitung dieser Krankheit wesentlich bei. Im Februar 1946 erreicht das Massensterben seinen Höhepunkt. Die Totengräber, Landsleute, müssen in jenen Tagen bis zu 150 Leichen bestatten. Erst im April 1946 wird man dem Fleckfieber Herr. Bis Ende Januar 1946 nimmt das Massengrab im Ortsfriedhof die Toten auf. Darin ruhen ungefähr 1000 Lagerinsassen. Im Februar 1946 schaufelt man auf der Teletschka, einer Anhöhe etwa 2 km südlich des Ortsrandes, ein noch viel größeres Massengrab. Hier ruhen fast 9000 Tote. In beiden Massengräbern haben 269 Lazarfelder, davon 39 Kinder im Alter von 1 - 13 Jahren, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Erwachsene können eher Hunger ertragen, nicht aber Kinder. Mütter, Großmütter und Großväter vermögen nicht mehr mit anzusehen, wie ihre Kleinen vor Hunger sterben. Nachts verlassen sie das scharf bewachte Lager, schleichen sich an benachbarte serbische Gemeinden heran, betteln um Nahrungsmittel, stehlen Nahrungsmittel. Sie wissen, dass sie dieses Wagnis vielleicht mit dem Leben bezahlen; denn werden sie erwischt, erwartet sie die Kugel des Wachpersonals. Und trotzdem! Erschütternd das Schicksal einer jungen Lazarfelder Mutter: Heimlich verlässt sie in diesem strengen Winter das Lager, um für ihre Kinder in der 17 km entfernten serbischen Gemeinde Tschenta Lebensmittel zu betteln. Mitleidige Seelen haben ihr Brot, Käse, Fett und Fleisch für ihre Kinder mitgegeben. Freudig eilt sie dem Lager entgegen. Aber der Schnee liegt Kniehoch, die Nacht ist kalt, Kleidung und Schuhwerk sind zu schlecht: Erschöpft bricht sie unter einem Baum zusammen, schläft ein und erfriert. Zwei unmündige Kinder warten vergebens auf Ihr Kommen. Nachdem unsere Märkte und Dörfer von den Bosniaken in Besitz genommen sind, werden die Heimatlager restlos aufgelöst und ihre Insassen, unsere Landsleute, nach Rudolfsgnad verschleppt. Kinder, deren Mütter nach Russland deportiert worden sind, befinden sich bei den Großeltern oder Verwandten. Sterben diese, so liefert man sie in Kinderheime ein. Schlechte Pflege und mangelhafte Ernährung lassen sie zu Skeletten abmagern. Beine und Arme sind sehr dünn, Kopf und Bauch aber außerordentlich dick. Manche Kinder sind außerstande zu gehen: sie kriechen nur mehr auf allen Vieren dahin. Später gelangen diese armen Geschöpfe in Kinderheime nach Macedonien und Slowenien. Nach Jahren brachte das Rote - Kreuz diese Kinder, auf dem Wege der Familienzusammenführung, zu ihren Eltern bzw. Verwandten nach Österreich oder Deutschland. Sie sprechen nur noch serbisch; da sie ihre deutsche Muttersprache völlig vergaßen. In Deutschland erlernten sie, in einer eigens dafür errichteten Schule, ihre deutsche Muttersprache wieder.

Anfang Januar l948 geht ein Flüstern durch Rudolfsgnad: "Die Lager werden aufgelöst". Tatsächlich trifft wenig später eine Kommission ein. Alle Personen werden Familienweise erfasst, nach Angehörigen wird gefragt. Am 1.März 1948 ist es soweit: Rudolfsgnad hört auf zu bestehen. Am 28.Februar 1948 werden unsere Lazarfelder in das Pantschowaer Ried umgesiedelt. Dort müssen sie in den landwirtschaftlichen Großbetrieben arbeiten. Drei Jahre haben sie sich verpflichten müssen, um dem Lager Rudolfsgnad zu entrinnen. Die Arbeitsunfähigen und die alten Leute bringt man in ein Barackenlager nach Karlsdorf, das als Altenheim bezeichnet wird. An ein zurück in die alte Heimat denkt niemand mehr; denn unsere Häuser sind enteignet, von Bosniaken bewohnt. Das Sinnen und Trachten unserer Landsleute richtet sich darauf, dieses fremd gewordene, verhasste Land für immer zu verlassen, „heimzukehren" in jenes Land, aus dem ihre Vorfahren vor 250 Jahren so hoffnungsvoll aufgebrochen sind. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Flucht oder legale Ausreise. Erstere Möglichkeit stellt ein Wagnis auf Leben und Tod dar, zweitens ist mit sehr hohen Kosten verbunden (12000 Dinar), die ein schnelles Ausreisen verzögern, ja fast unmöglich machen.

Aber nicht nur die Zivilbevölkerung Lazarfelds wird von den Partisanen gequält und langsam hingemordet, dieses Schicksal müssen auch Angehörige der SS Division "Prinz Eugen" erdulden, wenn sie das Pech haben, in deren Gefangenschaft zu geraten. Von einer "Genfer Konvention" scheinen diese Marodeure noch nie etwas gehört zu haben. Dazu einen authentischen Bericht eines Angehörigen dieser Waffengattung. "Am 5. Mai 1945 befanden wir uns in Karlowac. Wir versuchten, uns in Richtung Österreich durchzukämpfen. Bei Celje gerieten wir in Gefangenschaft. In Varazdin wurden die Offiziere von uns getrennt. (Sie gelten seither als vermisst). Sofort trennt man uns in Oberbanater unter Führung der Friedrich Kapitän (gebürtiger Lazarfelder) und Unterbanater mit Peter Ziwei aus Stefansfeld (ehemals Hilfslehrer in Lazarfeld). Am 21.Mai 1945, Pfingsten, abends zwischen 18 und 19 Uhr erreichte die Gruppe Kapitän nach einem Gewaltmarsch Novo Selo - Dugo Selo bei Ran. Wir wurden zu 50 abgezählt. Ich überschlug: 30 Gruppen zu je 50 Mann ergibt 1500 Mann. 16 Mann, darunter auch ich, sie hielten uns noch für Kinder, wurden von den anderen abgesondert. Um l/2 3 Uhr morgens verließen wir 16 Novo Selo - Dugo Selo. Drei Jahre später erfuhr ich von Botoscher Serben, dass alle 1500, außer uns 16, in Novo Selo - Dugo Selo einem Massaker zum Opfer gefallen waren. Nachdem sie ihre Massengräber geschaufelt hatten, wurden je vier Mann mit Draht aneinander gebunden. In Zwölferreihen standen sie hintereinander vor dem Massengrab. Maschinengewehre mähten Gruppe für Gruppe nieder". Unter den 1484 Erschossenen befinden sich auch über 80 Lazarfelder Familienväter und Söhne. Die genaue Zahl lässt sich nicht feststellen. Die Ermordeten sind im Verzeichnis als Vermisste angeführt.

 

Flucht und Aufnahmeländer

 

Die vorhergehenden Beiträge geben uns ein Bild davon, welch' unmenschliche Leiden unsere Bevölkerung bei Kriegsende und nachher zu erdulden hatte. Hunger, Not und Tod waren ihre ständigen Begleiter. Von Haß, Rache und Habgier beseelte Menschen, Räuber, Diebe und Mörder bestimmten ihr Schicksal. Deshalb wurde ihnen alsbald klar, daß für sie ein Verbleiben in der Heimat unmöglich geworden war und das Ende nur Siechtum oder gewaltsamer Tod sein konnte. Krank, entkräftet und der Verzweiflung nahe, suchten sie nun einen Weg, um dieser Hölle und ihren Schergen zu entrinnen. Es gab nur einen Weg: die Flucht. Sie beinhaltete ein Wagnis auf Leben und Tod. Jedermann war sich klar darüber, daß dieser Weg lang, gefahrvoll und weit sein würde. Fiel man den Partisanen in die Hände, so erwartete einem unmenschliche Quälereien oder sogar der Tod. Dennoch, es mußte gewagt werden! Wie bereits erwähnt, waren viele Familien auseinandergerissen. Die Angehörigen dieser Familien zauderten, alleine zu flüchten. Die noch verbliebenen alten Ehepaare sowie Mütter und ihre Kinder waren zumeist gewaltsam voneinander getrennt und in verschiedenen Lagern untergebracht. Im Herbst 1946 wagten als erste diejenigen, die noch beisammen lebten, die Flucht. Der Fluchtweg führte über die nahe rumänische Landesgrenze und von dort durch Ungarn nach Österreich. Andere flohen erst dann, wenn sie sich in einem Lager zusammengefunden hatten. So trafen sich 1947 im Lager Gakowa (Batschka), nahe der ungarischen Landesgrenze, viele Familien wieder. Ein Wiedersehen einzelner Familien gab es auch auf den Staatsgütern; denn arbeitete ein Angehöriger einer Familie dort, so ließen sich die anderen Mitglieder dorthin "verkaufen", Die Voraussetzungen zur Flucht waren nun geschaffen. Immer fand sich nahe der Grenze ein Ortskundiger, der sich für Geld oder Wertgegenstände bereit erklärte, die Gruppen zu einem Punkt zu führen, an dem die Grenze relativ leicht zu überschreiten war. Solche günstigen Gelegenheiten boten im Sommer die Weizenfelder, im Herbst die Maisfelder. Aber auch im Winter wagten Mütter mit ihren Kindern und alte, entkräftete Großeltern bei großer Kälte, bei Nacht und Nebel den Weg ins Ungewisse. Die eine Hand hatte das Bündel mit den dürftigen Habseligkeiten umfaßt, die andere Hand umklammerte das Liebste auf der Welt, die Kinder. Welch erschütterndes Bild! Bei Einbruch der Dunkelheit führte der Ortskundige die Gruppe bis zur Grenznähe, wies ihr die Richtung, kehrte um und überließ die Flüchtenden ihrem Schicksal. Bebenden Herzens schlichen sie in der angegebenen Richtung weiter. Wie atmeten sie auf, als sie die Grenze endlich überschritten hatten! Aber öfters kam es auch vor, daß die Flüchtlinge bei Tagesanbruch enttäuscht feststellen mußten, daß sie sich noch immer auf jugoslawischen Boden befanden. Sie waren im Kreis gegangen. Verborgen in einem Maisfeld harrten sie dann bei glühender Sonnenhitze oder bei strömendem Regen der kommenden Nacht. Nicht selten entdeckten Wachposten eine solche Gruppe, beschossen sie, fingen sie ein und steckten sie anschließend wieder in ein Lager. Ein Lazarfelder Mädchen mußte bei der Überquerung der jugoslawisch - rumänischen Grenze sein junges Leben lassen. Hatte man Jugoslawien verlassen, so war erst eine Hürde der Flucht genommen. Man befand sich nun in Rumänien oder Ungarn. Es erwies sich als richtig, die größeren Ortschaften zu umgehen. Die Flüchtlinge übernachteten zumeist in Strohtristen oder im Freien. Nahrungsmittel erbettelte oder erarbeitete man sich. Durch ihre zerlumpte Kleidung zogen unsere Landsleute die Aufmerksamkeit der rumänischen oder ungarischen Behörden auf sich. Festnahmen und Inhaftierungen folgten. Um eine Fahrkarte in die Freiheit zu bekommen, verkauften Männer ihre Mäntel, Frauen ihre Tücher. Zeigte sich einem das Glück hold, so erreichte er nach unsagbarer Anstrengung sein Ziel. Diejenigen aber, die vom Unglück verfolgt waren, mußten oft wochenlange Haftstrafen verbüßen, bis sie ans Ziel gelangten. Es grenzt an ein Wunder, daß unsere Leute, die jahrelanges, unmenschliches Lagerleben hinter sich hatten, diese Strapazen der Flucht meisterten. Sie rannten um ihr nacktes Leben, das in den Hungerlagern jeglichen Sinn verloren hatte. Die den Todeslagern entronnenen Lazarfelder erreichten auf ihren Fluchtwegen zuerst Linz in Österreich, die Sammelstelle der Lazarfelder. Dort erfuhren sie die Anschriften ihrer Angehörigen. Von Linz aus führte sie ihr Weg entweder in ein anderes Lager oder auf Bauernhöfe. Endlich war man der Sorge enthoben, Tag und Nacht in Furcht und Angst zu leben, den Schergen wieder in die Hände zu fallen.

Die Aufnahmeländer, Österreich und Deutschland waren vom Kriege verwüstet, die Städte in Trümmer und Asche gelegt, Wohnungsnot, Elend herrschten überall. Aber mit Anerkennung und Dank muß gesagt werden, daß die Bevölkerung und die Behörden der Zufluchtsländer alles Menschenmögliche unternahmen, um der sich anbahnenden Katastrophe Herr zu werden. So kam doch, zwar etwas langsam, aber stetig Ordnung in die vom Kriege zerstörten Länder. Viele unserer Landsleute blieben in Österreich und gründeten dort eine neue Heimat. Andere strebten nach Übersee, wo ihnen durch Verwandte oder Freunde eine Einreisemöglichkeit geboten wurde. Hier soll nicht unerwähnt bleiben, daß uns Freunde und Landsleute aus Übersee während der Notzeit tatkräftig unterstützten. Innigster Dank gebührt ihnen dafür. Einige Lazarfelder wanderten nach Frankreich aus. Die Mehrzahl aber benützte jede sich bietende Gelegenheit, um legal oder illegal in die Bundesrepublik Deutschland zu kommen. Nachdem im April 1948 Jugoslawien die Vernichtungslager aufgelöst hatte, gelangten auf dem Wege der Familienzusammenführung unsere Landsleute später direkt nach Deutschland. Heute leben wir Lazarfelder in vielen Ländern der Welt. Wir haben dort eine neue Heimat gefunden und eine neue Existenz gegründet. Das Fußfassen in dieser neuen Heimat kostete viel Arbeit, Opfer, Schweiß, Mühe und Ausdauer. Unsere ganze Kraft wurde dazu in Anspruch genommen. Überall, wo wir uns niederließen, blieb uns ob unseres Fleißes Achtung und Anerkennung nicht versagt. In der Bundesrepublik Deutschland fanden 1238 Personen eine neue Heimat. Schwerpunkte bildeten sich in Schwaigern (Württemberg) und in Königsstädten bei Rüsselsheim. In Österreich siedelten 204 Lazarfelder, hauptsächlich in Linz und Umgebung. Nach Übersee, in die USA wanderten 83, nach Kanada 51 Personen, aus. Nach Frankreich gingen 12 und nach England 3 Personen. In der DDR leben 9 Lazarfelder. In Jugoslawien verblieben 18 Personen, die oder deren Kinder Nichtdeutsche geheiratet hatten.

Bevor wir die Geschichte unseres Heimatortes Lazarfeld abschließen, sei uns noch ein kurzer Rückblick auf die einst aufstrebende deutsche Gemeinde gestattet. Viele unserer Häuser lassen die serbischen Kolonisten zerfallen, Friedhof und Friedhofskapelle sind zerstört und das Gotteshaus benützen sie als Getreidelager. Es soll noch hier festgehalten werden, daß von den 700000 Jugoslawiendeutschen etwa 50% nicht flüchten konnten (Banat) oder nicht flüchten wollten (Batschka). Unter der Besatzungsherrschaft der Partisanen mußten mehr als die Hälfte dieser Landsleute, ungefähr 200000, wie schon früher geschildert, ihr Leben lassen. Auch etwa 200000 reichsdeutsche Soldaten starben nach Beendigung des Krieges in der jugoslawischen Kriegsgefangenschaft.

 

DRITTER TEIL

Schulwesen

 

Wie wir schon im ersten Teil über die Ansiedlungen in Südungarn im Allgemeinen erwähnten, war dieses Gebiet in trostlosem Zustande, von einem Schulwesen konnte daher keine Rede sein. Es mußte eben alles vom Grunde aus neu geschaffen werden. Durch die Anordnung der Kaiserin Maria Theresia vom 22.Juli 1766, wonach in jedem Dorfe eine Kirche und Schule zu errichten sei, nahm auch das Schulwesen seinen Anfang. Leider war die Schule, besonders die Volksschule, von jeher bis in die neueste Zeit bei allen Landesregierungen wie auch bei den Gemeinde Verwaltungen, stets nur das "Aschenbrödel". Erst in neuester Zeit gelangte man endlich zur Überzeugung, daß nur jene Völker frei und glücklich sein können, für deren Bildung und Aufklärung die notwendigen Opfer gebracht werden. In den neu angesiedelten deutschen Ortschaften brachten ausgediente Soldaten und Handwerker Religion, Lesen, Schreiben und ab und zu auch etwas Rechnen auf ganz mechanische Weisen den Kindern bei. Diese Leute konnten selbst nur notdürftig lesen und schreiben, dementsprechend war auch ihr Erfolg sehr mangelhaft. Um diesem Übel abzuhelfen, war mit der in Temeschwar im Jahre 1776 errichteten "Normalschule" auch zugleich die Heranbildung von Lehrern für die Volksschule verbunden. Diese Lehrerbildungsanstalt bestand 68 Jahre und bis 1844 wurden dort für Südungarn die nötigen Lehrer herangebildet. Nach S. Hetzel's Schulstatistik ist aus den Protokollen dieser Lehrerpräprandie ersichtlich, dass über 600 Volksschullehrer in Temeschwar zu ihrem Berufe vorbereitet und ausgebildet worden sind. Anfänglich dauerte der Präparandenkurs für die Lehramtskandidaten bloß einige Tage, später einige und zuletzt schon regelmäßig zehn Monate. Der Lehramtskandidat von damals kam aus der Dorfschule ohne die nötigen Vorstudien direkt in die Präparandie. Die Dauer der Ausbildung der Präparanden steigerte sich im Laufe der Jahre. Die Ausbildung des Volksschullehrers an der deutschen Lehrerpräprandie in Werschetz, die von 1854 bis 1875 bestand, dauerte drei Jahre. Nach dem Ausgleich im Jahre 1867 begannen in Ungarn die nationalen Auseinandersetzungen. Der Kampf entbrannte unter der Regierung des Ministerpräsidenten Koloman Tisza von 1875 bis 1890. Schon in seinem ersten Regierungsjahr schloß er die Werschetzer Lehrerpräprandie. Sie war die einzige und letzte deutsche Lehrerpräprandie Ungarns, ausgenommen die der Siebenbürger Sachsen. Von dieser Zeit an gab es nur noch ungarische Lehrerpräparandien, sie dauerten vier Jahre und ein Vorstudium von ebenfalls vierjähriger Dauer. Vom Jahre 1883 sollten nur noch Lehrer ihren Beruf ausüben können, wenn sie die ungarische Sprache beherrschen. Lehrer ohne ungarische Sprachkenntnisse bekamen keine Anstellung. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht stellte aber das Apponjische Gesetz in den nichtstaatlichen Volksschulen aus dem Jahre 1907 dar. Es wurde darin ausgesprochen, daß Lehrer ein Disziplinarvergehen begehen, wenn sie die ungarische Sprache nicht erfolgreich genug unterrichten, oder wenn sie etwas tun, was gegen den Gebrauch der Staatssprache gerichtet ist. Nach dem ungarischen Volksschulgesetz mußte das deutsche Kind alle Gegenstände, Religion ausgenommen, in ungarischer Sprache lernen. Ab der dritten Klasse gab es wöchentlich zwei Stunden deutsch Lesen und Schreiben. Sogar in der Schulpause war das deutsche Kind verpflichtet, ungarisch zu sprechen. Lehrern mit besonderen Erfolgen in der Ausbreitung der ungarischen Sprache winkten Belohnungen, Auszeichnungen und verschiedene Vorteile.

Nach dem verlassen der Volksschule, beherrschte unsere Jugend weder die Staatssprache noch die Muttersprache in Wort und Schrift. Bis 1918 lebten in Ungarn etwa 2 Mill. Deutsche. Die Auswirkungen des Apponjischen Schulgesetzes waren verheerend. Im Jahre 1917 gab es in ganz Ungarn nur noch 417 deutsche Volksschulen, davon gehörten aber 254 der siebenbürgisch – sächsischen lutherischen Landeskirche für ihre 250000 Angehörigen, weitere 116 lagen im deutschen Burgenland für ihre 200000 Deutschen, so daß die mehr als 1,5 Millionen Deutschen Ungarns praktisch keine deutsche Volks-, Bürger-, Fachschule, Gymnasium und Lehrerbildungsanstalt besaßen. Der Sieg der Alliierten im ersten Weltkrieg führte zur Niederlage der Mittelmächte, somit auch zum Zerfall der Monarchie. Nach dem Staatswechsel führten die deutschen Gemeinden gemäß der von den Unterrichtsbehörden gewährten Möglichkeit Deutsch als Unterrichtssprache ein. Eine deutsche Lehrerbildungsanstalt zu eröffnen glückte nicht. In Werschetz meldeten sich für die zu errichtende deutsche Parallelklasse der staatlichen Lehrerbildungsanstalt etwa 40 Schüler. Die Regierung bewilligte weder die versprochene deutsche Parallelklasse, noch die deutsche Unterrichtssprache. Verärgert verließen viele Deutsche die serbische Anstalt. Für die Lehramtsanwärter, die bis 1918 die ungarischen Lehrerbildungsanstalten besuchten, bestand noch die Möglichkeit in Baja die ungarische Lehrerbildungsanstalt zu besuchen. Das Bajaer Dreieck fiel im Sommer 1921 an Ungarn zurück. Die deutschen Lehramtsanwärter waren somit gezwungen ihr Studium in einer serbischen Lehrerbildungsanstalt fortzusetzen. Der Verfasser des Buches mußte auch diesen Bildungsweg gehen. Dies war mit großen Sprachschwierigkeiten verbunden, viele begabte deutsche Lehrerzöglinge schieden somit aus.

Die Übergangszeit fand ihren Abschluß mit dem Friedensvertrag von Trianon am 4.Juni 1920, er legte die Grenzen gegenüber Ungarn endgültig fest. Die Batschka, der untere Zipfel der Baranja, das westliche Banat, Syrmien und Slawonien kamen mit 700000 Deutschen an Jugoslawien. Schon am 27.August 1920 verordnete Unterrichtsminister Pribitschewitsch die Verstaatlichung sämtlicher Schulen an. Die deutschen Lehrer in Jugoslawien mußten, um die serbische Staatssprache zu erlernen, in den Schulferien Kurse besuchen. Nur wer die Prüfung bestand, konnte im Staatsdienst verbleiben. Einen großen Wert legten die Behörden auf den Unterricht der Staatssprache, der schon in der dritten Klasse begann. In der zweiten und dritten Klasse mus